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17.08.2001 - 

Nach kräftigen Umsatzeinbußen sollen TFT-Bildschirme für Trendwende sorgen

Monitorhersteller hoffen auf Preisanstieg

MÜNCHEN (sp) - Vor allem wegen des drastischen Preisverfalls leidet der Monitormarkt unter Umsatzeinbußen. Aber auch das rückläufige PC-Geschäft und die Konkurrenz von Billiganbietern machen der Branche hierzulande zu schaffen. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Flachbildschirmen geben sich die Hersteller dennoch optimistisch.

Obwohl der Markt für die im Trend liegenden Flachbildschirme auf Flüssigkristallbasis, die TFT-(Thin-Film-Transistor-)Monitore, um 60 bis 70 Prozent pro Jahr wächst, ist der Gesamtmonitormarkt - CRT (Cathode Ray Tube) und TFT zusammen - weiterhin rücklaufig. Unter anderem wegen der konjunkturellen Abschwächung ist die Nachfrage nach TFT-Monitoren noch nicht im selben Maße gestiegen, wie sie im CRT-Bereich gesunken ist.

Den Marktforschern von Displaysearch aus dem texanischen Austin zufolge gehen die Umsätze aus dem Verkauf von CRT-Monitoren im weltweiten Durchschnitt seit dem zweiten Quartal erstmals zurück. Der deutsche Markt ist nach Angaben von Harald Philipp, Direktor Vertrieb & Marketing bei LG Electronics, bereits seit 1999 um zehn Prozent und seit dem vergangenen Jahr um 15 Prozent geschrumpft.

Defensives KaufverhaltenVor allem das wichtigste Segment, das Großkundengeschäft, ist hart umkämpft. Nach den Worten von Wolf Brückmann, Managing Director beim Monitor-Joint-Venture NEC-Mitsubishi, ist das Kaufverhalten der Anwenderfirmen momentan "sehr defensiv". Angesichts der Wirtschaftsabkühlung würden zahlreiche Investitionen zurückgestellt oder verschoben. Und die Privatkunden warteten ab, ob die ohnehin schon stark gesunkenen Preise noch weiter in den Keller gehen.

Zudem ist mit herkömmlichen Röhrenmonitoren inzwischen ohnehin nicht mehr viel Geld zu verdienen. Zwar entfallen hierzulande nach Stückzahlen noch immer rund 70 Prozent des Verkaufs auf CRT-Geräte. Doch die Margen sind so niedrig - "da macht das Geschäft keinen Spaß mehr", bringt Olaf Lietzau, Senior Director Digital Media bei Samsung, die Problematik auf den Punkt.

Mit Ausnahme des japanischen Elektronikkonzerns Hitachi, der ab dem kommenden Jahr nur noch TFT-Displays fertigen will, halten die meisten Hersteller jedoch weiter an der Produktion der Röhrenmonitore fest. Nach Einschätzung von NEC-Mitsubishi-Chef Brückmann gibt es vor allem für 17-Zoll-Geräte nach wie vor einen großen Markt. LG Electronics konnte seinen Absatz von 17- und 19-Zöllern eigenen Angaben zufolge sogar um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern.

Dagegen spielen 15-Zoll-Röhrenmonitore, darin ist sich die Branche einig, in Deutschland praktisch keine Rolle mehr. Sie werden zwar noch produziert, allerdings fast ausschließlich fürs Ausland - etwa für den osteuropäischen Markt. Bildschirme mit großer Bildschirmdiagonale (20 bis 22 Zoll) sind ohnehin nur ein Nischensegment für professionelle Anwender. Im Gegensatz zu den kleineren Formaten haben sie aber nach wie vor ihre Berechtigung, da sie einen besseren Kontrast und mehr Farben als LC-Displays unterstützen - Kriterien, die vor allem bei Grafikanwendungen, CAD/CAM und in der Druckvorstufe gefragt sind. "Die Kalibrierung ist bei TFT-Monitoren nach wie vor ein Problem," erklärt Horst Jagmeng, Produkt-Manager bei Elsa.

Preisverfall drückt die MargenAber auch im Geschäft mit TFT-Monitoren sinken die Margen. Den Marktforschern von Displaysearch zufolge sind die Preise für 15-Zoll-LCDs seit letztem Jahr im weltweiten Durchschnitt um 35 Prozent, die für 17-Zoll-Displays sogar um 54 Prozent gefallen. In Deutschland kostete ein Flachbildschirm noch vor einem Jahr etwa 2,5-mal so viel wie ein CRT-Monitor - heute beträgt der Faktor nur noch 1,5. Laut NEC-Mitsubishi-Chef Brückmann handelt es sich hier um eine "völlig irrationale" Entwicklung, die kaum jemand vorhergesehen habe.

Problematisch ist seiner Ansicht nach vor allem der Preisdruck von Billiganbietern aus Taiwan, die überschüssige Notebook-Panels aufkauften, sie zu TFT-Monitoren verarbeiteten und dann zu extrem niedrigen Preisen auf den Markt brächten. Den Markenherstellern bleibe da nichts anderes übrig, als mitzuziehen. Bei 999 Mark für ein hochwertiges 15-Zoll-Gerät sei jedoch kaum noch eine Gewinnmarge zu erzielen. "Wer die Preise nicht senkt, ist draußen", meint auch Carsten Grashorn, European Manager beim Panel-Hersteller Sharp. "Da ist es besser, man liefert gar nicht."

Die Analysten von Displaysearch rechnen damit, dass die Umsätze aus dem Geschäft mit TFT-Monitoren wegen des Preisrückgangs in diesem Jahr um fünf Prozent einbrechen werden. Trotz steigender Nachfrage zahlen die Hersteller vor allem im Bereich der kleineren Formate drauf. Hier sind Konkurrenzdruck und Überkapazitäten am stärksten ausgeprägt, meint Elsa-Manager Jagmeng. Betroffen seien aber nicht nur die Hersteller, sondern auch der Fachhandel und Serviceanbieter. So blieben Sonderwünsche der Kunden - etwa ein Monitor mit Schwenkarm - häufig unerfüllt, weil sich Spezialanfertigungen unter den derzeitigen Marktbedingungen nicht mehr lohnten.

Die vornehmlich aus Fernost stammenden Anbieter reagieren mit Fusionen (wie von Acer und dem taiwanischen Newcomer Unipac Optoelectronics) oder Umstrukturierungen bis hin zur Schließung kompletter Produktionsstätten in ihren Heimatländern. So will Matsushita Electric die Produktion von LC-Displays (Liquid Crystal Displays) unter der Handelsmarke "Panasonic" einstellen und seine Fabriken in Japan auf die Fertigung von Bildschirmen für Fernseher sowie für mobile Endgeräte wie Handys und PDAs umrüsten.

Dennoch gibt sich die Branche zuversichtlich. Schließlich habe der Preisrückgang ja auch einen positiven Effekt, da er die Nachfrage nach TFT-Monitoren anheize, so das Argument. "Unsere Großkunden haben immer gesagt: Wenn ein TFT-Monitor nur noch das Doppelte eines CRT-Geräts kostet, steigen wir um. Und das ist jetzt der Fall", so Bernd Heusen, Vertriebsleiter beim Distributor Avnet (ehemals Raab Karcher), der die Produkte des japanischen Highend-Herstellers Eizo in Deutschland vertreibt.

Flachbildschirme auf dem VormarschTatsächlich schaffen sich immer mehr Firmen LC-Monitore an, die - abgesehen von der geringeren Strahlung - weniger Strom und Platz auf dem Schreibtisch brauchen als ihre bulligen Röhrenkollegen und damit die Betriebskosten senken. "Spätestens nach fünf Jahren hat sich der höhere Anschaffungspreis amortisiert - danach sinken die Gesamtkosten für einen TFT-Monitor gegenüber einem CRT-Gerät", rechnet Sharp-Manager Grashorn vor.

In Japan ist bereits jeder zweite Monitor mit einem Flüssigkristall-Display ausgestattet, in den USA und Europa zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Im ersten Quartal dieses Jahres sind die TFT-Verkäufe laut Displaysearch um 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen - auf weltweit 2,32 Millionen Units. Der Anteil der TFT-Monitore am Gesamtmarkt für Desktop-Monitore wuchs damit von 5,6 auf 7,7 Prozent. Im zweiten Quartal sollen es über zehn Prozent sein. Bis 2004 wird dieser Wert den Analysten von IDC zufolge auf 18 Prozent zunehmen.

Vor allem in großen Unternehmen ist TFT schon fast Standard. "Im Office-Bereich hat CRT keine Chance mehr gegen TFT", ist Jagmeng überzeugt. Vor allem die Nachfrage nach 15- und 17-Zoll-LC-Monitoren ist enorm gestiegen. Nach Ansicht von Sharp-Mann Grashorn bietet aber auch der 16-Zoll-Bereich großes Potenzial - speziell für 17-Zoll-CRT-Anwender, die auf einen Flachbildschirm umsteigen, sei dieses Format interessant.

Viele Marktforscher teilen den Optimismus der Hersteller. Nach Einschätzung von Sweta Dash, Analystin bei Stanford Resources, wird der Preisverfall den LCD-Markt nicht nachhaltig belasten - im Gegenteil: Angesichts der wachsenden Nachfrage wird das Geschäft in den kommenden sechs Jahren enorm zulegen, so die Expertin. Bei einer jährlichen Steigerungsrate von 40 Prozent soll der weltweite Markt für Desktop-LCDs von derzeit 23,1 Milliarden Dollar auf 51 Milliarden Dollar im Jahr 2007 zunehmen.

Die Hersteller stützen sich dabei auf die Prognose, dass die Preise für TFT-Monitore nicht mehr weiter fallen. Spätestens Ende des Jahres wird die Nachfrage das Angebot übersteigen und einen Preisanstieg auslösen, so die einhellige Meinung in der Branche. Zudem seien dann auch die Überkapazitäten aus der Panel-Produktion für Notebooks weitgehend abgebaut. Nur bei großformatigen LCDs (18 Zoll und höher) werde sich der Preisverfall fortsetzen, allerdings in verlangsamter Form.

Bei den Billigangeboten, den "B-Brands", ist laut Sharp-Manager Grashorn bereits seit Juli eine leichte Preiserhöhung spürbar. Ab September werde sich die Preisentwicklung allgemein "normalisieren". Auch die Analysten von Displaysearch gehen davon aus, dass die Preise bereits im dritten Quartal kaum noch weiter nachgeben werden - im vierten Quartal sei sogar mit einem leichten Anstieg bei zehn- bis 15-Zoll-Panels zu rechnen. Dann werden Billiganbieter keine Chance gegen Hersteller mehr haben, die ihnen aufgrund ihres technischen Know-hows und guter Vertriebskanäle überlegen sind, hofft LG-Mann Philipp.

Effektive Produktion gefordertDa die Produktion von LC-Monitoren teuer ist - eine einzige Fertigungsstraße schlägt mit rund 1,3 Milliarden Dollar zu Buche -, kommt es nach Ansicht von Grashorn vor allem darauf an, wie effektiv die Hersteller aus dem so genannten Motherglass schneiden und dadurch günstiger produzieren können. Aus diesem Grund seien beispielsweise Samsung und Acer im 17-Zoll-TFT-Bereich besonders gut positioniert. Sharp dagegen sei bislang als einziger Hersteller in der Lage, sechs 16-Zoll-Stücke aus einem Glas zu schneiden - die anderen Anbieter kommen bislang nur auf sechs 15-Zoll-Panels.

Diesen Vorsprung will sich der Panel-Marktführer, der Hersteller wie Apple, Eizo und Iiyama mit Bildschirmkomponenten beliefert, zunutze machen und selbst in den europäischen Monitormarkt einsteigen. Sharp-Manager Grashorn räumt zwar ein, dass die Situation derzeit schwierig ist. Er sieht das aber auch als Chance: "Der Markt ist in Bewegung geraten - jetzt werden die Karten neu gemischt."

Neue QualitätsnormDa die Markenhersteller mit den Preisen der Billiganbieter nicht mehr mithalten können, versuchen sie sich über die Qualität abzugrenzen. Hoffnung setzt man vor allem in die neue Zertifizierung ISO-13406-2, die reine Qualitätskriterien erfasst. Das Problem ist allerdings, dass der Standard speziell bei Privatkunden, aber auch Behörden und kleinen Firmen weitgehend unbekannt ist - oder schlicht auf kein Interesse stößt, da diese ihre Wahl in erster Linie nach dem Preis treffen: Einer Umfrage von IDC zufolge lesen nur 20 Prozent der Endverbraucher vor dem Kauf eines Monitors Testberichte. Unter den Geschäftskunden sind es mehr als 50 Prozent.

Abb.1: Preisunterschied LCD - CRT weltweit

Die Preise für LC-Monitore sind in den vergangenen zwölf Monaten stark gesunken. Sie nähern sich den CRT-Preisen immer stärker an. 2005 soll ein LCD nur noch doppelt so viel wie ein CRT-Monitor kosten. Quelle: Displaysearch

Abb.2: Marktanteile TFT-Monitore

Weltweiter Marktführer nach Umsatz war im vergangenen Jahr Samsung. In Deutschland ist es derzeit Eizo, nach Stückzahlen allerdings Maxdata mit der Marke Belinea. Quelle: IDC