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13.11.1974

Monopolist Bundespost

Staatsmonopole wurden zum Schutze des Gemeinwohles geschaffen. Niemand will historisch gewachsene und auch noch heute für notwendig erachtete Tatbestände zurückdrängen. Trotzdem verlangt die Computerfachwelt der Wirtschaft in einigen Punkten eine Revision der am 1. 7.1974 in Kraft getretenen "Verordnung über das öffentliche Direktrufnetz für die Übertragung digitaler Nachrichten" (DirRufV). Die Begründung for diese Forderung lautet schlichtweg: Auch das (vermeintliche) Eigeninteresse der Bundespost hat hinter dem volkswirtschaftlichen Gesamtinteresse der Bevölkerung der Bundesrepublik zurückzustehen! Denn wir stehen erst am Anfang der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Datenverarbeitung.

Aufgabe und unabdingbare Pflicht der Post ist es, alles zu deren Förderung zu tun. Der Computer in Verbindung mit der Datenfernübertragung ist eine der letzten Kraftquellen für die Weiterentwicklung unserer wirtschaftlichen Potenz, für die Erhaltung und wenn möglich Steigerung unseres Lebensstandards.

Welche Änderungen in der Direktrufverordnung werden im einzelnen verlangt:

1. Zusatzeinrichtungen müssen posteigen sein. Das bedeutet den Tod, das Abwürgen jeder technischen Innovation für Neuanbieter auf diesem wachsende Bedeutung bekommenden Markte. Abgesehen von dem großen Investitionsvolumen, das sich die Bundespost trotz ihrer Finanzmisere damit aufgehalst hat, stellen wir die Frage: Kann sich die BRD einen solchen technischen Hemmschuh erlauben ?

2. Es besteht kein Recht für Anschluß auf Zulassung von Datenverbundleitungen; es besteht kein Rechtsanspruch auf Schaltung von Hauptanschlüssen für Direktruf .

3. Es besteht (unabhängig von der DirRufV) kein Rechtsanspruch auf die beschleunigte Behebung von Störungen; Gebührenentlastung wird erst nach mehr als 14 Tagen Störungsdauer erteilt.

4. Die uneingeschränkte Verbindungsmöglichkeit mit Dritten ist nicht sichergestellt. ebenso nicht gleiche Rechte für alle (d. h. auch künftig Postknoten)

5. Computeranlagen und Datenkonzentratoren, die an das öffentliche Direktrufnetz angeschlossen sind, werden zu Endeinrichtungen der Bundespost erklärt. Die weiteren Bestimmungen hierüber wecken unweigerlich die Erinnerung an George Orwells großen Bruder in dessen Buch "1984". Abgesehen davon läßt man sich sämtliche Wege für ein Zur-Kasse-Bitten der Besitzer dieser Endeinrichtungen offen.

6. Von dem leider unumgänglichen Fernmeldegeheimnis ist überhaupt nicht die Rede; ebenso gibt es keine Kompatibilität für die Datenübertragung im internationalen Bereich.

Zusammengefaßt:

1. Die Verordnung wimmelt von überlassen, bestimmen, festlegen, kann werden, sollen, dürfen, soweit zulassen, bedürfen etc. Überall nur Rechte, keine Pflichten für das zur Sicherung gemeinwirtschaftlicher Aufgaben verpflichtete Staatsmonopol.

2. Die Computerchefs als Kritiker wissen selbstverständlich aufgrund der leidvollen Erkenntnisse mit der heimtückischen Technik ihrer Datenverarbeitungsanlagen, daß für das technische Funktionieren komplizierter Vorgänge, wie es auch die Datenfernübertragung ist, eindeutige Schnittstellendefinitionen notwendig sein müssen.

Aber ist es deshalb technisch wirklich notwendig, alle Zusatzeinrichtungen von der Post beziehen zu müssen, damit die technische Funktion sichergestellt ist?

3. Die Domäne der Post ist das Fernmeldewesen. Die Erklärung der Datenverarbeitungsanlagen zu Endeinrichtungen ihrer Teilnehmereinrichtungen verwischt die Grenze zur Datenverarbeitung. Die Post ist Mietleistungsunternehmen. Ist es in ihrem Interesse, ist es im volkswirtschaftlichen Interesse, wenn sie gleichzeitig versucht, in einem behördenumständlichen Regulierungsverfahren die Hand auf die Datenverarbeitung zu legen? Diese Frage stellen heißt sie verneinen.

Die ab 1. 7.1974 gültigen Preise haben bereits jetzt sowohl geschäftsschädigende Wirkung für die Bundespost ganz generell, noch mehr leider geschäftsschädigende Auswirkungen auf die Klein- und Mittelunternehmen. Die Bundespost besitzt genügend Computerfachleute, um dies selbst beurteilen zu können, und es ist geradezu makaber anzusehen, wie dieser Tatbestand rundweg abgestritten wird.

Die Datenübertragungsinteressen der Klein- und Mittelunternehmen liegen im Gegensatz zu denjenigen der Großindustrie im nahen Umkreis. Bei den für Entfernungen bis zu 50 km geltenden Preisen (ab 1. 7. um 100 Prozent erhöht, d. h. z. B. 1 km 40 Mark pro Monat bei 4800 bit/sec) ist für diesen von unserer Regierung angeblich als besonders schützenswert anerkannten Wirtschaftsbereich die Datenübertragung bereits gestorben (oder im Hinblick auf die doch spätestens 1976 kommenden weiteren Preiserhöhungen als nicht mehr realistisch anzusehen). Der Beweis einer tiefgreifenden Benachteiligung der betroffenen Firmen läßt sich unschwer führen. Es sei nur auf das Beispiel der Lagerbestands- und Dispositionsrechnung für Handelsunternehmen mit mehreren Verkaufsstellen hingewiesen. Für sie ist bei den jetzt gültigen Preisen der "break-even-point" für einen rentablen Einsatz der Lagersteuerung durch den Computer erreicht oder sogar schon überschritten.

Schlechtere Lieferbereitschaft, höherer Kapitalbedarf, höherer Verwaltungsaufwand bewirken eine echte Benachteiligung im Konkurrenzkampf. Das Geschäft geht an die Großkaufhäuser; diese sind lieferfähig, sie haben Kapital im Gegensatz zu den durch den Steuerdruck unterkapitalisierten Klein- und Mittelunternehmen.

Eine Gruppe von ca. 30 Groß- und Mittelanwendern von Datenverarbeitungsanlagen sowie einige Verbände haben sich im "Arbeitskreis Datenfernverarbeitung" des Verbands der Postbenutzer, Frankfurt, Gemündener Straße34, zusammengetan und sind entschlossen, den Kampf gegen die unberechtigten Forderungen des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen aufzunehmen.

Hier geht es nicht um ein unwichtiges Detail einiger Spezialisten, hier geht es um die Effizienz des Computereinsatzes für die nächste Generation. Diese wird entscheidend, auch und vor allem für Klein- und Mittelanlagen, von den technischen Möglichkeiten und der Wirtschaftlichkeit der Datenfernübertragung geprägt werden. Die Zweifler an dieser Aussage mögen sich die Mühe einer Analyse der EDV-Bedingungen für das nächste Jahrzehnt machen.

Diese Bemühungen werden nur bei ausreichender Beteiligung der Computeranwender erfolgreich sein. Hugo Schwenk ist Leiter der Datenverarbeitung der PWA Papierwerke Waldorf-Aschaffenburg AG, Raubling.

Alle wollen fernsehen: Online-Sachbearbeitung per Bildschirm "Der Computer kommt zum Arbeitsplatz" - haben die irgendwo gelesen. Wir aber müssen es ausbaden. Bei mir nicht - wenigstens nicht sobald.

Da sollen wir nun - wie heißt das so schön - "wirtschaftliche, kostengünstige Datenverarbeitung" machen. Vorbei die Zeiten, als sich keiner mit dem Rotstift an die Computerei traute. Letzte Woche noch: "Die Wirtschaftslage zwingt zu einschneidenden Maßnahmen. Sparen, Trauerwein, Sparen."

Jetzt aber wollen sie am liebsten jedem Mitarbeiter einen Bildschirm auf den Schreibtisch stellen - wohl als Prestigesymbol. So'n Vertreter, so'n Mix-Exote, hat da oben - wer hat ihm wohl die Tür geöffnet - von 600 Mark Monatsmiete geschwätzt.

Wer aber spricht von Steuereinheiten, von Hauptspeicherbereichen, von TP-Monitoren und Systemprogrammierung. Das sollen wir wohl alles virtualisieren. Hollerith sei's geklagt, aber der Bildschirm am Arbeitsplatz kostet inkl. anteiliger Hardware und software, mein Wort: 25000 Mark pro Jahr, pro Stück.

Da sollen die mir erst mal nachweisen, daß auf zwei installierte Fernseher ein Sachbearbeiter eingespart werden kann. Und bis dahin habe ich wohl meine Ruhe.

m.f. G.