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Durch MS-DOS-Dominanz Vorteile verschafft


22.03.1991 - 

Monopolverdacht: US-Behörde untersucht Microsoft-Praktiken

SAN FRANZISKO/HANNOVER (jm) - Damoklesschwert über Microsoft: Eine bereits im Juni 1990 eingeleitete Untersuchung der US-amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) soll klären, ob sich Microsoft durch bewußt undurchsichtig angelegte Informations- und Marketing-Praktiken unbillige Marktvorteile auch für Windows-Applikationen verschafft hat.

Indizien scheinen ferner darauf hinzudeuten, daß der PC-Riese Software-Entwicklern Windows Development Kits zur Verfügung stellt, die viele Anwendungsschnittstellen (API) nicht dokumentiert.

Wie eine Microsoft-Sprecherin bestätigte, ist gegen den PC-Software-Entwickler aus Redmond, Washington, eine "nichtöffentliche" Untersuchung eingeleitet worden, mit der die amerikanische Behörde FTC prüfen will, ob Microsoft seine absolut dominante Marktposition bei PC-Betriebssystemen dazu ausgenutzt hat, sich einen unfairen Vorteil bei der Entwicklung und Vermarktung von Windows-Anwendungen zu verschaffen.

Die im "Wall Street Journal" veröffentlichten Vorwürfe sind nicht ganz neu: Bereits auf der Herbst-Comdex 1989 hatte eine gemeinsame Verlautbarung von Microsoft und IBM in Sachen OS/2 und Windows für erhebliche Unruhe unter Entwicklern und Irritationen bei Anwendern gesorgt.

Damals kündigte Big Blue unisono mit Microsoft die Co-Vermarktung der vorher totgeschwiegenen DOS-Erweiterung an. Im Gegenzug - wohl um ihren Partner IBM nicht zu sehr zu verärgern - hatte Microsoft sich bereit erklärt, Windows auf dem Entwicklungsstand der Version 3. 0 einzufrieren.

Tatsächlich versuchte Microsoft in der Folge jedoch alles, die Bedeutung von Windows 3. 0 als strategischem Produkt auch für Großkunden zu unterstreichen. Gleichzeitig spielte die Gates-Company - völlig entgegen den vorherigen Strategieplänen - permanent die Position von SO/2 als zukünftigem Betriebssystem herunter.

Jim Manzi, CEO von Lotus, schäumte schon auf der Comdex '89: Lotus habe im Glauben an die brillanten Zukunfts-Chancen erhebliche Entwicklerressourcen auf OS/2-Anwendungen konzentriert. Nun müsse man erkennen, daß Microsoft die ganze Zeit schon andere Pläne verfolgt habe. Lotus, selbst ein Riese im PC-Softwaregeschaft, hatte nicht nur zweieinhalb Jahre Arbeit in "Lotus 1-2-3/G" - die Presentation-Manager-Version ihrer Tabellenkalkulation - investiert, sondern auch seine Windows -Aktivitäten vernachlässigt. Lotus-Deutschland-Geschäftsführer Willi Söhngen trocken: "Wir haben es überlebt. "

Kleine Entwickler-Firmen wurden ausgebremst

Wie Microsoft selbst konzidiert, scheint die damalige Comdex-Ankündigung nun Hintergrund für die FTC-Untersuchung zu sein. Neben Lotus beklagten sich besonders Unternehmen wie die Software Publishing Corp. oder Wordperfect über die irreführende Informationspolitik von Microsoft in bezug auf das zukünftige Betriebssystem. Wegen Microsofts undurchsichtiger Pläne habe man auf das falsche Pferd gesetzt und hinke nun mit Windows-Anwendungen hinter dem PC-Software-Riesen hinterher.

In Branchenkreisen werden hinter vorgehaltener Hand deutlich die Praktiken von Microsoft moniert: Vor allem kleine Software-Unternehmen seien von Microsoft hinters Licht geführt worden: auf OS/2-Strategieveranstaltungen habe man immer wieder Glaubensbekenntnisse für das neue Betriebssystem abgelegt.

Jetzt werde klar, daß Microsoft schon lange geplant habe, die Aufmerksamkeit so lange von Windows und der Entwicklung entsprechender Applikationen abzulenken, bis die Redmonder selbst auf einen Schlag sowohl die DOS-Erweiterung selbst als auch Anwendungen auf den Markt werfen konnten. Gerade kleine Entwickler-Unternehmen seien durch Microsofts Verhalten in die Pleite getrieben worden.

Bewußt habe die Gates-Company auch den OS/2-Mitstreiter Big Blue getäuscht. Intern äußern IBM-Angehörige ganz unverhohlen, James Cannavino, ehemaliger verantwortlicher IBM-Chef der Entry-Systems-Division, habe sich von William H. Gates III über den Tisch ziehen lassen.

Jetzt will die IBM zum Gegenschlag ausholen: Mit einer riesigen Marketing-Kampagne - 40 Millionen Dollar will Big Blue nach Insider-Informationen investieren - soll OS/2 nun in den Markt gedrückt werden. Informationen der CW scheinen die Vorwürfe zu erhärten, Microsoft habe die gesamte Software-Branche bewußt getäuscht - Wordperfect-Geschäftsführer Dirk Sebald: "Wir kamen uns völlig genarrt vor".

Danach kursiert angeblich in Branchenkreisen, daß Microsoft die für die Entwicklung von Windows-Applikationen nötigen Entwicklungs-Kits in zwei Versionen führe: Eine sei für externe Entwickler gedacht. Eine "inoffizielle" stünde nur Microsoft-Entwicklern selbst zur Verfügung. Erstere unterscheide sich von der "inoffiziellen" Version dadurch, daß sie viele Application Programming Interfaces (API) nicht dokumentiere.

Microsoft würde sich durch die bewußte Geheimhaltung vieler APIs nach Meinung von Branchen-Insidern auch entscheidende Vorteile bei der Entwicklung von Windows-Anwendungen verschaffen.

Sollte diese Vorwürfe die FTC-Untersuchung bestätigen, muß Microsoft möglicherweise alle Windows-APIs offenlegen oder die nicht dokumentierten sperren, was die Funktionalität und Qualität von Microsoft-eigenen Windows-Produkten einschränken könnte.