Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.04.2001 - 

IT im Anlagen- und Maschinenbau/Restrukturierung durch integrierte IT

Motorenbauer verschafft sich Durchblick

Die mittelständische Loher AG aus dem niederbayerischen Ruhstorf, Spezialistin für elektrische Antriebstechnik, hat sich zum Ziel gesetzt, die Bereiche Vertrieb, Produktentwicklung und Fertigung kundenorientierter zu gestalten. Deshalb leitete das Unternehmen ein umfassendes Re-Engeneering seiner Geschäftsabläufe, Produkte und Fertigungsstätten ein. Von Helmuth Oster und Michael Klimt*

Ein wesentlicher Baustein des Umstrukturierungsprogramms bei der Loher AG war die Einführung eines unternehmensübergreifenden ERP-(Enterprise-Resource Planning-)Systems. An die Stelle bisheriger Insellösungen trat ein Informationssystem, das heute sämtliche Abläufe von der Beschaffung über den Vertrieb bis zum Controlling durchgängig bearbeitet. Dadurch sind nun die Unternehmensdaten für alle Mitarbeiter verfügbar und können auf den verschiedenen Unternehmensebenen weiterführende Abläufe anstoßen. Beispielsweise kann Lohers Montagebereich jetzt nahtlos mit der Fertigungssteuerung kommunizieren, so dass fehlende Teile zeitnah zugesteuert werden.

Vor Einführung des neuen Systems arbeitete Loher mit isolierten Teilprogrammen. Als 1997 außerdem klar wurde, dass die vorhandene Softwarelandschaft nur mit hohem Aufwand Jahr-2000-fähig gemacht werden konnte, fiel die Entscheidung, ein neues ERP-System einzusetzen.

Neue Software für alte PlattformIn den Folgemonaten durchforsteten die bayrischen Motorenbauer systematisch den Markt für Unternehmenssoftware. Eines der entscheidenden Auswahlkriterien war, dass die neue Applikation zur bisherigen Hardwareplattform passen sollte. Ein Wechsel des hochverfügbaren Mainframe-Systems BS2000 von Fujitsu Siemens Computers kam nicht in Betracht.

Schließlich fiel die Entscheidung für die prozessorientierte Unternehmenssoftware von IFS Deutschland. Ausschlaggebend waren sowohl die breit angelegte Funktionalität des neuen Systems als auch seine strukturelle Ähnlichkeit mit dem PPS-System ISI, das bis zu diesem Zeitpunkt eingesetzt worden war. Auf diese Weise konnten die Mitarbeiter ihr bisheriges Know-how weit gehend auch in der neuen Anwendung einsetzen. Außerdem liegt der Quellcode der neuen Software offen, so dass sich Anpassungen teilweise auch inhouse vornehmen lassen.

Anfang 1999 wurde die Software in der Produktion (Einzelfertigung) eingeführt. Loher nutzte die Komponentenbauweise des neuen ERP-Systems und führte es schrittweise ein. Mit dem Modul für das Personalwesen endete das Projekt pünktlich vor dem Stichtag 1.1.2000.

Während der Einführung legte das Unternehmen großen Wert darauf, dass sich das Projektteam aus Mitarbeitern aller betroffenen Unternehmensbereiche zusammensetzte: Ziel war es, das Wissen um die neue DV von Anfang an breit zu streuen, die Akzeptanz für das neue System zu fördern und sicherzustellen, dass die Software auch tatsächlich zu den Geschäftsabläufen passt.

Die konsequente Mitarbeiterbeteiligung war auch Folge des unternehmensweiten Restrukturierungsprogramms. Denn: Lohers Restrukturierung war sehr stark von den Mitarbeitern getragen. Über alle Hierarchien und Funktionsbereiche hinweg arbeitete die Belegschaft zusammen und brachte ihre Ideen ein. Die außergewöhnlich hohe Motivation der Mitarbeiter zeigte sich unter anderem in einem mehrjährigen Lohnverzicht.

Parallelläufe verzögern AkzeptanzBei der Umstellung auf die einzelnen Module des neuen ERP-Systems wurde auf Parallelläufe verzichtet. Anderenfalls hätten zusätzliche Schnittstellen zwischen Alt- und Neusystem entwickelt werden müssen. Der Nutzen solcher Schnittstellen ist jedoch zweifelhaft, da viele Mitarbeiter dann mit der gewohnten Anwendung weiterarbeiten. Parallelläufe verzögern somit häufig die Akzeptanz. Soll eine neue Software sicher eingeführt werden, ist es sinnvoller, im Vorfeld eine detaillierte Ist-Analyse der Geschäftsprozesse durchzuführen. Im Anschluss daran lässt sich die Softwarequalität durch ebenso frühzeitiges wie ausführliches Testen sichern.

Bevor die neue Applikation rund lief, mussten die Daten der vorherigen Systeme bereinigt werden. Insbesondere in der Datenstruktur des alten PPS-Systems lagen zahlreiche Mängel vor, die im laufenden Betrieb durch die Improvisationsfähigkeiten der Mitarbeiter ausgeglichen wurden. Demgegenüber verlangt das neue ERP-System eine korrekte Bearbeitung der Eingabemasken: Erst wenn die nötigen Grunddaten vollständig erfasst worden sind, können die Dispositionsläufe starten. Das erfordert zwar eine höhere Konzentration im Vorfeld, doch diese lohnt sich, da die Geschäftsprozesse danach automatisiert ablaufen. Zudem lässt sich auf diesem Weg der administrative Aufwand für die Datenpflege entsprechend minimieren.

Echtzeit-Informationen für alle BereicheSeitdem das neue System im Einsatz ist, verfügen sämtliche Unternehmensbereiche über Echtzeit-Informationen. Zeitintensive Batchabläufe zur Synchronisation der Daten gehören der Vergangenheit an. Gleichzeitig wurde auch die Qualität der Informationen deutlich gesteigert. Beispiel Rechnungswesen: Sahen sich die Controller durch die Brüche der alten Systeme immer wieder dazu veranlasst, eigenhändig Sekundärdatenbanken zu pflegen, profitieren sie jetzt vom direkten Zugriff auf das integrierte ERP-System. Beispiel Disposition: Hier liegt einer der entscheidenden Produktivitätsgewinne darin, dass Loher nun komplett über alle Ebenen hinweg, das heißt vom Kundenauftrag bis zu den Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, in einem einzigen System disponieren kann.

Da die neue Software erst seit einem Dreivierteljahr vollständig im Einsatz ist, gibt es noch keine quantitativen Auswertungen zu den Produktivitätsgewinnen. Loher geht allerdings davon aus, dass die Fortschritte, die man durch das übergeordnete Restrukturierungsprogramm bereits erzielt hat, weiter ausgebaut werden. So wurden seit 1998 die Liefer- und Durchlaufzeiten um ein Drittel verkürzt, teilweise sogar halbiert. Zusätzlich sorgten Kapazitätserweiterungen und Qualitätsverbesserungen dafür, dass trotz des verschärften Wettbewerbs Marktanteile hinzugewonnen werden konnten. Dabei verzeichnete das strategisch wichtige Großmotorengeschäft ein besonders kräftiges Wachstum. Damit diese erfreuliche Entwicklung anhält, setzt das Unternehmen auch weiterhin auf den prozessorientierten Ausbau seiner IT.

*Helmuth Oster ist Leiter Produktion, Michael Klimt ist Leiter Informationstechnologie der Loher AG in Ruhstorf.

Das Unternehmen

Die Loher AG, Ruhstorf, ist ein Tochterunternehmen der Flender AG, Bocholt, und als Einzelfertiger auf dem Gebiet der elektrischen Antriebstechnik tätig. Loher wurde 1895 gegründet. Seit 1920 entwickelt und produziert das Unternehmen sowohl Norm- als auch Transnorm-Motoren. Loher-Antriebe werden unter anderem im Anlagenbau, der Aufzugstechnik, der Kraftwerksindustrie, der chemischen und petrochemischen Industrie, der submarinen Erdölförderung und der Windenergie eingesetzt. Von Privatkunden über Händler bis hin zu Industrieunternehmen hat Loher insgesamt 6000 Kunden. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1100 Mitarbeiter. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 1999/2000 betrug der Umsatz 232 Millionen Mark, wozu die Großmotoren erstmals über die Hälfte beitrugen. Der Anteil der Exporte belief sich auf 30 Prozent.