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21.09.2001 - 

Weitere 2000 Stellen gestrichen

Motorola setzt auf neue Halbleitertechnik

MÜNCHEN (CW) - Mit der Entwicklung eines neuen Halbleitertyps, der die Material- und Produktionskosten von Handys, Glasfaser-technik und anderer Elektronik drastisch reduzieren soll, ist Motorola nach eigenen Angaben ein technischer Durchbruch gelungen. Vorerst macht dem Halbleiterhersteller jedoch die globale Chipkrise zu schaffen: So musste der Konzern vergangene Woche seine Umsatzerwartungen für das dritte Quartal deutlich nach unten schrauben.

Mit der neuen Technik will Motorola ein Problem gelöst haben, dass die Halbleiterbranche bereits seit 30 Jahren beschäftigt: Den Entwicklern des US-Elektronikkonzerns ist es offenbar erstmals gelungen, zwei bisher nur separat verbaute Materialien zu kombinieren - das herkömmliche Silizium sowie das leistungsfähige, deutlich teurere Gallium-Arsenid (GaA), getrennt durch eine "schwammartige" Schicht. Ein Acht-Zoll-Silizium-Wafer kostet als Rohmaterial gegenwärtig zwischen 25 und 40 Dollar. Ein sechszölliger Gallium-Arsenid-Wafer schlägt mit rund 400 Dollar zu Buche. Motorola will das leistungsfähige Material genau dort verwenden, wo es sich aus Geschwindigkeitsgründen lohnt.

Mit der Einführung einer Zwischenschicht lassen sich nach Angaben des Unternehmens die physikalischen Leistungsbegrenzungen von Silizium überwinden, ohne auf die Vorteile der industriell erprobten Halbleitertechnik verzichten zu müssen. Motorolas Erfindung habe - falls entsprechend vermarktet - das Potenzial, die gesamte Branche zu revolutionieren, wie zuvor nur der Übergang zu integrierten Schaltkreisen, so Dennis Roberson, Senior Vice President und CTO bei Motorola.

Endkunden dürften in etwa zwei Jahren mit ersten kommerziellen Produkten rechnen.

Da Motorola rund 270 Patente auf den neuen Chip angemeldet hat, werden andere Halbleitergrößen wie Intel, AMD und Texas Instruments nach Meinung von Analysten Lizenzen zukaufen müssen, um ihre Produktion entsprechend anpassen zu können.

Bis die neue Erfindung Motorolas Kassen klingeln lässt, dürfte es jedoch noch ein wenig dauern. Vorerst hat der Hersteller am weltweiten Schwächeln des Halbleitermarkts zu beißen. Anders als Rivale Intel, der seine Umsatzerwartungen für das laufende dritte Fiskalquartal kürzlich bekräftigen konnte, musste Motorola die eigenen Prognosen deutlich nach unten korrigieren: Aufgrund der nach wie vor sinkenden Nachfrage im Telekommunikationsbereich rechnet der in Schaumburg, Illinois, ansässige Chiphersteller beim Umsatz nun mit einem Nullwachstum gegenüber dem zweiten Quartal dieses Jahres, in dem das Unternehmen rund 7,5 Milliarden Dollar einnahm. Bislang war Motorola von einem fünfprozentigen Zuwachs im Vergleich zum vorhergehenden Dreimonatszeitraum ausgegangen. Ohne Berücksichtigung einmaliger Sonderaufwendungen erwartet der US-Konzern für das laufende Quartal einen Verlust von fünf bis acht Cent pro Aktie. Im Vorjahreszeitraum wurde ein Umsatz von 9,49 Milliarden Dollar und ein Nettoprofit von 531 Millionen Dollar oder 23 Cent je Anteilschein erwirtschaftet.

Mit der angekündigten Streichung von 2000 Stellen im Global Telecom Solutions Sector (GTSS) will Motorola die Talfahrt stoppen. Damit hätte das Unternehmen sein urspünglich 147000 Mann starkes Team in diesem Jahr um 32000 Mitarbeiter reduziert.

Die Börse quittierte die Korrektur mit einem schmerzhaften Kursverlust: So fiel das Motorola-Papier kurz nach der Meldung um 15 Prozent auf 13,94 Dollar.

Das weltweite Halbleitergeschäft zeigt sich weiterhin rückläufig. Nach einer aktuellen Studie der Semiconductor Industry Association (SIA) für Juli 2001 erlitt der Chipmarkt gegenüber dem Vorjahresmonat einen Absatzeinbruch um gut 37 Prozent. Setzten die Chiphersteller damals noch 17,29 Milliarden Dollar um, betrugen die Einnahmen im diesjährigen Juli lediglich 10,86 Milliarden Dollar. Der Verband der Halbleiterindustrie macht die anhaltende Hightech-Flaute und die vollen Lager bei den IT-Herstellern für den drastischen Rückgang der Verkaufszahlen verantwortlich. Gegenüber dem Vormonat (11,57 Milliarden Dollar) ging der Umsatz um 6,1 Prozent zurück.

In Europa, Japan und dem asiatisch-pazifischen Raum belaufen sich die Umsatzeinbußen auf jeweils rund 30 Prozent, während der Halbleitermarkt in den USA gegenüber Juli 2000 um mehr als die Hälfte einbrach. Nach den Erwartungen von SIA-Präsident George Scalise werden die Bemühungen der Hersteller, ihre Lagerbestände zu reduzieren, im dritten Quartal Früchte tragen. Im Jahresendquartal soll die Chipnachfrage durch den Verkauf von PCs, TK- und Handheld-Produkten steigen und der Halbleiterindustrie wieder ein Wachstum bescheren.