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20.04.2001 - 

Der Vorzeigehersteller schwächelt

Motorola verzeichnet erstmals nach Jahren Verluste

MÜNCHEN (CW) - Motorola, zweitgrößter Hersteller von Mobiltelefonen, hat nach 16 Jahren erstmals Verluste gemeldet. Das Unternehmen selber erklärt seine Misere mit der allgemein schwachen Konjunktur, während Analysten auch strategische Schwächen geltend machen.

Aus dem ersten Quartal 2001 geht der Handy-Hersteller laut seiner Bilanz abzüglich außergewöhnlicher Belastungen und Zugewinne mit einem Verlust von 206 Millionen Dollar oder neun Cent pro Aktie hervor. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Gewinn in Höhe von 481 Millionen Dollar oder 21 Cent je Aktie melden können. Laut First Call/Thomson hatten Analysten einen Verlust von sieben Cent erwartet. Der Quartalsumsatz von Motorola ging von 8,77 Milliarden Dollar um zwölf Prozent auf 7,75 Millionen zurück. Nach Bekanntgabe der Zahlen fiel der Kurs der Motorola-Aktie, der zuvor auf den tiefsten Stand seit acht Jahren gesunken war, im nachbörslichen Handel von 13 auf 12,83 Dollar.

Am schlimmsten von den Einbußen betroffen war der Bereich Handys. Dort sank der Umsatz um 30 Prozent auf 2,28 Milliarden Dollar. Der Bereich Halbleiter meldete einen Umsatzrückgang von 22 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Beide Bereiche erwirtschaften bisher zusammen mehr als 50 Prozent der Einnahmen. Motorola-Chef Chris Galvin erklärte, viele Kunden hätten in guten Zeiten ihre Lagerbestände aufgefüllt und zehrten nun davon, statt neu zu ordern. In einer Telefonkonferenz mit Analysten verglich er die derzeitige Wirtschaftslage mit den zyklischen Schwächeperioden Mitte der 70er und 80er Jahre.

Nicht nur die Marktflaute, auch strategische Schwächen sind nach Ansicht von Analysten Grund für das schleppende Geschäft. So hat Motorola im Gegensatz zu Mitbewerber Nokia erst spät begonnen, die Herstellungskosten durch den Einbau ähnlicher Komponenten in verschiedene Mobiltelefone zu verringern. Zudem werfen Analysten dem Unternehmen vor, dass es sich zu sehr auf Modelle für das obere Preissegment konzentriere. Immer wieder geäußerte Zweifel an seiner Liquidität wies der Handy-Hersteller zurück. Die langfristigen Schulden sind demnach von 4,9 Milliarden Dollar auf 2,4 Milliarden Dollar gesunken und die Liquidität dank dem Verkauf von Beteiligungen in Höhe von einer Milliarde Dollar um 700 Millionen Dollar auf vier Milliarden Dollar gestiegen.

Mit der Ankündigung, 26000 der insgesamt 147000 Stellen zu streichen und weitere Geschäftsbereiche zu verkaufen, hat das Unternehmen weit reichende Maßnahmen zur Umstrukturierung ergriffen. Die Produktion von GPRS-fähigen Mobiltelefonen soll das Produktangebot wieder wettbewerbsfähig machen. Zudem soll die Produktion an günstigere Fertigungsstätten verlagert werden.

Die Erwartungen, die Motorola für die nahe Zukunft hat, fallen gering aus. CEO Growney geht für das zweite Quartal von einem nochmals höheren Verlust aus. Der Verkauf im Halbleitergeschäft werde sich weiter verringern, die Margen weiter sinken. Für das laufende Geschäftsjahr sei nur mit bescheidenen Gewinnen zu rechnen. Fraglich ist, ob der Konzern, der als Gradmesser der Branche gilt, damit Zeichen des Abschwungs gesetzt hat. Jedoch warnen auch die Analysten des Investmenthauses Merrill Lynch davor, dass sich die Konjunktur für Halbleiter nur langsam erholen wird.