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13.11.1992 - 

Entwicklung des PC eng mit MS-DOS verbunden

MS-DOS hat weiter gute Chancen auf dem Hard- und Softwaremarkt

Kaum ein Begriff hat sich in der Welt der Datenverarbeitung so etabliert wie MS-DOS. Hierfür gibt es zahlreiche Gründe, deren Betrachtung lohnt.

Die Geschichte und Entwicklung der Personal Computer ist eng mit MS-DOS verknüpft. Als IBM im August 1981 den Personal Computer einführt, schlägt gleichzeitig die Geburtsstunde von MS-DOS. Rund 4000 Zeilen Assembler sollten den Computermarkt revolutionieren .

Wer sich 1981 bereits mit Computern beschäftigt, hat kein einfaches Los: Dutzende konkurrierender Rechner bevölkern den Markt unter diversen Betriebssystemen wie CP/M in zahlreichen Ausprägungen, proprietären Lösungen, Unix-Varianten sowie unzähligen Kombinationen von einer Programmiersprache - meist einem Basic-Interpreter - mit Systemfunktionen.

Bald kristallisiert sich heraus, daß sich der IBM-PC mit MS-DOS durchsetzt. Gründe hierfür sind unter anderem die Erweiterbarkeit durch zahlreiche Steckkarten von Fremdanbietern, relativ niedrige Anschaffungskosten sowie eine stark wachsende Palette an Applikationen .

1982 wird MS-DOS zum Binärstandard für alle kompatiblen Systeme, als 50 Hersteller MS-DOS lizenzieren. Auf diesen Standard bauen nun gleichermaßen Software- und Hardwarehersteller. 1984 erhöht sich die Anzahl der PC-Anbieter die MS-DOS-Lizenzen ausgeben, auf über 200. Im August dieses Jahres bringt IBM mit dem AT einen Rechner, der in Verbindung mit MS-DOS 3.0/3.1 den Markt für Personal Computer erweitert.

1983 der Anwenderwunsch nach grafischer Oberfläche

Bereits jetzt zeichnet sich der Siegeszug der PC-Welt ab: Viele andere Systeme haben ihre Marktrelevanz verloren; allerdings sind auch neue Trends zu beobachten. So trägt beispielsweise Microsoft schon 1983 dem Wunsch mancher Anwender nach einer grafischen Benutzeroberfläche mit der Ankündigung von Windows Rechnung. Kurz darauf betritt im Januar 1984 der Apple Macintosh die Szene.

1984 finden jedoch diese Systeme - teils aus technischen teils aus Preisgründen - noch nicht allzu viele Anwender. Dies soll sich auch die nächsten Jahre nicht ändern, das Gros der Personal Computer läuft unter MS-DOS.

Gegen Ende der 80er Jahre wächst die Zahl der MS-DOS-Installationen weltweit auf rund 60 Millionen, dies übertrifft alle anderen Systeme um den Faktor Zehn. Nahezu jedes Softwarehaus bietet entsprechende Applikationen. Die Palette reicht von Standardanwendungen wie Textverarbeitung oder Kalkulation bis hin zu Speziallösungen wie Meßwerterfassung, Computer Aided Design (CAD)-Systemen oder Bildverarbeitung. Analog entwickelt sich der Markt für Rechner und Zusatzhardware. Hochleistungs-Grafikkarten beschleunigen den Bildaufbau selbst bei hohen Auflösungen, Ganzseiten-Monitore mit spezieller Karte erlauben das digitale Layout von Schriftstücken (Desktop Publishing), und große Festplatten stellen den Speicherplatz für alle diese Anwendungen zur Verfügung. Die Verwaltung großer Platten ist denn auch unter MS-DOS 3.3 (April 1987) möglich, die mehrere Partitionen auf einer Festplatte unterstützt; die Version 4.01 (November 1988) erlaubt Partitionen, die mehr als 32 MByte umfassen.

Längst hat die Dynamik auch die PC-Hersteller erfaßt. Die ersten 80386-Boards kommen parallel zu hochgetakteten 80286-Prozessoren auf den Markt. Allen derartigen Geräten ist jedoch eines gemeinsam: Sie sind bis auf einige unfreiwillige Ausnahmen MS-DOS-kompatibel.

Ab hier verläuft die Entwicklung des PC-Marktes in immer kürzeren Zyklen, sowohl in bezug auf Hard- als auch im Hinblick auf Software. Insbesondere die Softwaretechnologie bringt immer neue Innovationen hervor, die klassische DV-Segmente wie Großrechner oder Minicomputer hinter sich lassen. Aber auch die Hardware holt langsam auf: Die Preise für Personal Computer fallen dramatisch, das Gerät wird für jedermann erschwinglich. Die steigende Verbreitung leistungsfähiger 80386-Computer wird im Juni 1991 von MS-DOS 5 begleitet, das unter anderem Verbesserungen der Speicherverwaltung enthält.

1992 existieren nach Branchenschätzungen über 100 Millionen PCs mit dem Betriebssystem MS-DOS. Was hat die Dynamik um ein anfänglich unscheinbares System in Bewegung gesetzt? Primär wohl die Offenheit des MS-DOS-Standards. Die Schnittstellen liegen offen und sind jedem Entwickler zugänglich, die Erweiterung des PC durch andere Anbieter ist von Anfang an vorgesehen. Zudem konnten alle PC-Hersteller MS-DOS lizenzieren und so ihren Kunden zur Verfügung stellen. Diese Strategie trug Früchte: Für die meisten Peripheriegeräte existieren bis heute MS-DOS-Treiber. Dies führte gelegentlich dazu, daß eine Applikation fünf Disketten voller Treiber enthielt.

Ferner hatten die Entwickler die Gewißheit, daß die Binärkompatibilität zur jeweiligen Vorgängerversion von MS-DOS gewahrt blieb. Somit waren die Anbieter von Hard- und Software nicht gezwungen, bei Erscheinen einer neuen Version ihre Produkte zu überarbeiten. Zu guter Letzt wurde der Erfolg des PC auch von der Entwicklung leistungsstarker Prozessoren und Peripheriegeräte getragen, die den Personal Computer

heute in Leistungsbereiche katapultieren, die bis vor kurzem noch Workstations und Minicomputern vorbehalten waren.

Ein wesentlicher Punkt ist die Kontinuität, die der MS-DOS-Markt trotz der rasanten Fortschritte gezeigt hat. Dies stärkte wesentlich das Vertrauen großer Firmen, in diese Technologie zu investieren und den PC als Arbeitsgerät einzuführen. Kein Zweifel: Der Personal Computer ist aus dem modernen Büroalltag nicht mehr wegzudenken.

Eine komplette Industrie hat sich etabliert

Die langfristige Perspektive von MS-DOS bewog gleichzeitig Schulungsunternehmen, MS-DOS zu favorisieren; ebenso verhält es sich mit Buch- und Zeitschriftenverlagen, Service-anbietern und dem Fachhandel. In jüngster Zeit hält der PC sogar Einzug in Kaufhäuser und Direktvertriebe.

All diese Faktoren haben einen Kreislauf in Gang gebracht, der in seinem Umfang seinesgleichen sucht. Um den PC mit MS-DOS hat sich eine komplette Industrie inklusive peripher zuzurechnender Anbieter von Zusatzprodukten aller Art bis hin zu Sekundärliteratur und Schulungsseminaren gruppiert.

Bei allen positiven Aspekten besitzt MS-DOS in den bisherigen Versionen auch Schwächen. Hierzu zählt unter anderem das Fehlen einer allgegenwärtigen grafischen Oberfläche (wenngleich seit MS-DOS 4.01 die Benutzer-Shell grafisch orientiert ist). Aus diesem Grund ist heute häufig zusätzlich zu MS-DOS Microsoft Windows zu finden, das derzeit weltweit über 10 Millionen Installationen aufweist.

Dennoch dürfte MS-DOS seine Marktstellung noch längere Zeit halten. In gewisser Weise ist die Aussage richtig, daß die Zukunft von MS-DOS Windows heißt; auch als Basis von Windows wird MS-DOS noch einige Zeit unverzichtbar sein. Windows NT, das nicht auf MS-DOS basiert - aber sehr wohl eine MS-DOS-Kompatibilitätsbox enthält - eignet sich aufgrund seiner Hardware-Anforderungen nicht als universaler Ersatz von Windows für MS-DOS, sondern ergänzt die Windows-Linie im High-end-Bereich. Ähnlich sehen es viele Marktforschungsinstitute, die MS-DOS in den nächsten Jahren eine glänzende Zukunft prognostizieren.

Thomas Müller ist Pressereferent der Microsoft GmbH.