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12.05.2005

MS-Office soll Mysap-Frontend ersetzen

"Mendocino" soll Office mit SAPs ERP-Backend verbinden. Neu an dem von Microsoft und SAP entwickelten Produkt ist der Web-Service-Ansatz. Die Integration beider Welten wird dagegen schon praktiziert.

Das Wort "Mendocino" weckt hierzulande Erinnerungen an einen Schlager von Michael Holm. SAP und Microsoft wählten den Namen für ein gemeinsames Produkt, mit dem Office und Mysap integriert werden sollen. Beide Firmen besannen sich bei der Wortwahl jedoch nicht auf die Hitparadenschnulze, sondern auf einen Ort, der auf der Achse zwischen den SAP Labs im kalifornischen Palo Alto und Microsofts Hauptsitz in Redmond liegt.

"Project Mendocino" hat zum Ziel, Office-Programme mit den Business-Applikationen der Walldorfer zu verknüpfen. Die Vorteile liegen nach Ansicht beider Hersteller auf der Hand: Da ohnehin sehr viele SAP-Anwender Desktop-Software von Microsoft verwenden, könnte eine Kopplung beider Welten mehrfaches Erfassen von Daten, Medienbrüche, sowie Inkonsistenzen zwischen ERP-Backend und Office-Frontend vermeiden helfen. Zudem müssten die Nutzer nicht mehr zwischen Windows-Programmen und dem SAP-Portal hin- und herwechseln. Profitieren sollen jedoch nur solche Kunden, die Office ab Version 2003 und Mysap ERP 2004 verwenden.

Self-Service-Funktionen

Wie eine solche Integration aussehen kann, demonstrierten beide Firmen auf der SAP-Konferenz "Sapphire 2005" in Kopenhagen. So sollen Anwender in der Lage sein, über das Outlook-Interface Projekttermine zu vergeben. Trägt der Nutzer beispielsweise eine Teamkonferenz ein, wird die dabei reservierte Zeit im ERP-Backend verbucht. Somit entfalle das manuelle Nachtragen von Projektzeiten. Vor allem für Self-Service-Funktionen soll Mendocino zum Tragen kommen, beispielsweise um Urlaubs- oder Reiseanträge zu stellen und abzurechnen sowie Projektbudgets oder Kostenstellen zu planen.

Solche Selbstbedienungsmechanismen hatte SAP bereits mit den "Employee Self Services" (ESS) und den "Manager Self Services" (MSS) definiert. Mysap-Anwender nutzen diese Funktionen über das "Enterprise Portal". "Mendocino ist kein Ersatz für ESS und MSS, beide Ansätze verwenden jedoch die gleichen Backend-Funktionen", erläutert Peter Graf, Vice President Market Strategy bei SAP, im Gespräch mit der computerwoche. Mit Mendocino hätten Awender allerdings zusätzlich die Möglichkeit, viele Aufgaben in der gewohnten Office-Umgebung zu erledigen, ohne für den ERP-Zugriff die Oberfläche zu wechseln.

Eine enge Office-Mysap-Integration setzt voraus, dass Datenobjekte und Funktionen beider Softwareumgebungen nahtlos miteinander verknüpft werden. Ferner muss sichergestellt sein, dass beim SAP-Zugriff via Office nur die registrierten Anwender die jeweils für sie freigegebenen Informationen und Prozesse zu sehen bekommen.

Prozessintegration

Für die Datenkopplung zwischen Office-Suite und Business-Lösungen hat Microsoft das auf Web-Services-Technik basierende "Information Bridge Framework" (siehe Kasten "Office-Suite ruft ERP-Backend") aufgesetzt, das neben anderen, noch zu entwickelnden Techniken eine maßgebliche Rolle innerhalb von Mendocino spielen wird. Bis zur Prozessintegration ist es allerdings noch ein langer Weg.

Verfügbare Lösungen

Mit der Vorstellung ihres gemeinsamen Projekts erweckten die Softwarekonzerne fälschlicherweise den Anschein, eine Office-ERP-Kopplung gäbe es bisher nicht. Schon seit Jahren lesen SAP-Anwender über Microsoft-Programme Backend-Daten, um sie beispielsweise in Excel anzuzeigen. Neu an Mendocino ist, dass sich nun die beiden Programmhersteller selbst ernsthaft der Verbindungsarbeit widmen. Sie realisieren die Anwendungsintegration komplett über Web-Services und XML, während die meisten bestehenden Lösungen auf R/3 beziehungsweise BAPIs und RFCs zugeschnitten sind.

ERP-Nutzer greifen heute auf Software von Spezialisten zurück, um ihre Desktop-Applikationen mit SAP-Systemen zu verknüpfen. Zu ihnen zählt die Firma Inpuncto (www.inpuncto-gmbh.com) aus Ditzingen mit dem Produkt "Biz2Office Synchronizer". Die Software erlaubt es, Schriftstücke im "Dokumentenverwaltungssystem" (DVS) von R/3 über Word, Excel oder Outlook zu verwalten. Für die Anbindung nutzt der Hersteller SAPs Transportwesen beziehungsweise BAPIs und RFCs. An einer Netweaver-Kopplung arbeiten die Entwickler derzeit.

Konkurrenzsituation

Bei Inpuncto ist man sich im Klaren darüber, dass Mendocino das Geschäftsumfeld verändern wird. In Panik geraten die Softwareentwickler deshalb aber nicht. "Technisch ist bei beiden Firmen noch viel im Fluss", so Geschäftsführer Frank Marcial. Zudem dürfte es eineinhalb bis zwei Jahre dauern, bis das SAP-Microsoft-Produkt den Kunden zur Verfügung steht. Grundsätzlich wird sein Unternehmen die Produkte weiter pflegen. Er schließt jedoch auch nicht aus, sich von der Eigenentwicklung zu trennen und künftig Kundenprojekte auf der Grundlage von Mendocino zu realisieren. "Wenn der Druck zu groß wird, müssen wir uns unter Umständen aus der Produktentwicklung zurückziehen."

Partner sind bei Microsoft durchaus willkommen: "Sowohl Anwender als auch Partnerfirmen werden in der Lage sein, Mendocino an die jeweiligen Kundenbedürfnisse anzupassen", verspricht Lewis Levin, Corporate Vice President, Business Intelligence. Ihm zufolge werde das Produkt zwar eine Reihe vorgefertigter Self-Service-Prozesse beinhalten, grundsätzlich sei es jedoch möglich, individuelle Applikationen zu bauen.

Project nicht berücksichtigt

Ein weiterer, unmittelbar von Mendocino betroffener Integrationsspezialist ist The Project Group (www.TheProjectGroup. de). Die Firma liefert mit "Pslink 3.0" eine bidirektionale Anbindung von "Microsoft Project" an die SAP-Module "Projektsystem" (PS) und "Controlling" (CO). Doch auch dieser Anbieter sieht seine Felle nicht davonschwimmen. "Im ersten Schritt konzentriert sich Microsoft auf die Integration von Office und Sharepoint und nicht auf die Project-Kopplung, die unsere Spezialität ist", so Geschäftsführer Stavros Georgantzis. Ohnehin sei die Anbindung der Projekt-Management-Lösung aufwändig und erfordere viel Know-how. Auch The Project Group entwickelt eine Netweaver-Integration, jedoch würden viele SAP-Kunden diese Plattform noch nicht nutzen und seien eher an einer direkten R/3-Integration interessiert.

Nicht nur für SAP

Ein der Beschreibung nach mit dem künftigen Mendocino vergleichbares Produkt hat der Integrationsanbieter Iway Software (www.iwaysoftware.de), eine Tochter von Information Builders, bereits im vergangenen Jahr vorgestellt. "Smart Services für Microsoft Office System" basiert auf dem Information Bridge Framework und erlaubt es Office-Anwendern, Funktionen unterschiedlicher Business-Applikationen aufzurufen. Laut Iway gelingt dies mit Produkten von Siebel, SAP und Oracle. "Mendocino ist auf die SAP-Kopplung beschränkt, doch vor allem große Kunden nutzen Business-Lösungen verschiedener Hersteller", beschreibt Ralf Meyer, Managing Director SAP Adapter Factory bei Iway, die Vorteile des Ansatzes. Die Darstellung der SAP, Mendocino funktioniere nur mit Mysap ERP 2004, hält Meyer für eine Finte, um R/3-Anwender zu einem Upgrade zu bewegen: "Die Office-Anbindung lässt sich bestimmt auch für R/3 über den Web Application Server realisieren."

Iway ist im SAP-Umfeld vor allem als Adapterlieferant bekannt. "Die Office-ERP-Lösung ist für uns nur ein Nebenprodukt, denn unser Kerngeschäft sind Bausteine für die Backend-Integration", so Meyer.

Trotzdem dürfte Mendocino einiges im Markt bewegen: Die Office-ERP-Integration wirkt schlüssig und kam auf der Sapphire auch beim Publikum gut an. Doch für Nigel Montgomery von AMR Research gehen die bislang präsentierten Funktionen nicht weit genug. "Richtig profitieren werden Anwender erst, wenn es beispielsweise möglich sein wird, sämtliche Kundeninteraktionen und -daten am Desktop zu verwalten."

Wie viele Kunden Mendocino kaufen werden, lässt sich schwer abschätzen. Ein Anwender steht aber jetzt schon fest: Microsoft hat vor, alle Mitarbeiter via Office an die hauseigene SAP-Installation anzubinden.