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20.12.1991 - 

IBM muß in Sachen CASE noch nachsitzen

MSP nimmt die Wünsche der AD/Cycle-User zum Maßstab

Als größte deutsche Repository-Konferenz bezeichnet die Pinneberger Manager Software Products (MSP) GmbH ihre diesjährige Benutzerkonferenz. Jochen Ewe* beschreibt, wie MSP dem IBM-CASE-Konzept AD/Cycle langfristig Konkurrenz zu machen gedenkt.

Als "unabhängigen Nischenanbieter, klein und wendig, und - im Rahmen des "Tool Vendor Assistance Program" nur ein bißchen mit der IBM liiert, stellte MSP-Geschäftsführer Alexander von Stülpnagel sein Unternehmen dem Auditorium vor. Gemeinsam sei allen Teilnehmern die Unsicherheit über die Marktentwicklung: Die Ungewißheit über OS/2, Windows NT und andere Betriebssistem-Plattformen schaffe "ein teuflisches Umfeld".

Eine der aktuellen Herausforderungen für Anwender wie Anbieter besteht nach Aussage von Stülpnagel nämlich darin, den eigenen Aktionsradius auf Workstation-Ebene und damit auf Objekt- und Grafikorientierung auszudehnen. Uni ihren Kunden auf diesen Plattformen die vom Mainframe gewohnte Sicherheit bieten zu können, werde NFSP im Bedarfsfall auch auf marktgängige Tools zurückgreifen.

Nachlässigkeiten bei der Kundeninformation

Auch beim Thema CASE müsse Kundeninformation groß geschrieben werden, so der Tenor auf der Darmstädter Konferenz. Hier wurden der IBM Nachlässigkeiten vorgeworfen Eine Teilnehmerbefragung von Stülpnagel ergab, daß keiner der Anwesenden, abgesehen von MSP, jemals die von IBM avisierte "AD/Cycle Integration Check List" in der Hand gehabt hatte.

"Da hat IBM bisher keinen guten Job gemacht," kommentiert der MSP-Geschäftsführer. Big Blue stelle ihren Kunden- gegenwärtig noch immer nicht eine Richtschnur zur Verfügung, mit der diese abchecken können, ob ein anzuschaffendes System ins AD/Cycle-Umfeld passe oder

auf welchem AD/Cycle-Level der Kunde überhaupt agiere.

Die viertägige kostenpflichtige Benutzerkonferenz des Softwarehauses war in diesem Jahr - wohl aufgrund der angespannten Wirtschaftslage in vielen Unternehmen - von der Teilnehmerzahl her nicht ganz so stark frequentiert wie in den letzten Jahren. Dennoch gilt die Veranstaltung als die "größte deutschsprachige Repository-Konferenz". Denn die Zahl der Unternehmen, die sich dazu entschlossen hatten, ihr Know-how in Sachen "Produktivität und Qualität in der Anwendungsentwicklung" aufzubessern, war größer als je zuvor.

Interessant war der praxisorientierte Vortrag von Alldata-Bereichsleiter Dr. Waldemar Hövel zum Thema "Die strategische Bedeutung des Daten- und Informationsmanagements im Unternehmen". Immer mehr Anwender befinden sich laut Hövel in einer Übergangsphase vom Daten- zum Informationsmanagement.

Der Alldata-Mitarbeiter stellte die These auf, daß eine strategische Informationsplanung nur dann erfolgreich sei, wenn sie mit einem Unternehmensmodell operiere, das sich von den Unternehmenszielen bis hinunter zum einzelnen Geschäftsvorfall erstrecke. Ein solch ganzheitlicher Ansatz bedürfe unter anderem eines zentralen Repository. Er müsse "von oben gewollt " und von unten gestützt" sein.

Anwender wollen laut Hövel künftig verteilte Applikationen im Rahmen eines Cooperative Processing realisieren. Der All-data-Manager bestätigte mit dieser Aussage die Thesen von MSP-Geschäftsführer Miguel Martin Calle. Dieser hatte in seinem Vortrag zu Beginn der Konferenz die steigende Nachfrage der Anwender nach ausgereiften Methoden mit dem ebenfalls gestiegenen Bedarf an einer durchgängigen, an den Unternehmenszielen orientierten Informationsstrategie in Zusammenhang gebracht.

Unternehmen der Versicherungsbranche nähmen hier eine Vorreiterrolle ein. Anwender, so der MSP-Chef, müßten von den beiden traditionellen Systembrüchen in der Software-Entwicklung befreit werden: den Lücken zwischen strategischer Informationsplanung und Anwendungsentwicklung sowie zwischen Design und Realisierung. Sein Unternehmen beabsichtige, Anwender in die Lage zu versetzen, mit einer teils klassischen, teils objektorientierten Methodik an eine modellorientierte Spezifikation "bruchlos" eine automatische Programm-Codegenerierung anzuschließen.

Auch die IBM hatte versprochen, in dieser Richtung aktiv zu werden. Wie der MSP-Geschäftsführer mitteilt, erwartet die Anwendervereinigung Guide derzeit eine umfassende Erklärung von Big Blue. Vor den Konferenzteilnehmern wurden Auszüge eines Protokolls verlesen, in dem der amerikanische Guide über den Zwischenstand seines "Application Development Joint Project" berichtet.

Im Rahmen dieses Projektes hatte der Verein weltweit 1000 Anwender befragt, aus deren Antworten 361 "Requirements" herausfiltriert und diese der IBM im Mai 1989 unterbreitet. Rund 18 Monate nach der ersten Stellungnahme von IBM konnte der Guide dann melden, IBM habe auf 14 dieser Forderungen geantwortet und sechs davon bereits als "verstanden" klassifiziert. Eine ganze Anzahl von Requirements sei jedoch noch "under study".

Die Hälfte der Forderungen erfüllt

Zwei Jahre nach der Vorlage der 361 Requirements übergab der Guide IBM ein "AD/Cycle-Manifest, in dem 242 der 361 Requirements nochmals als "AD/Cycle-related" aufgeführt waren. Daraufhin hatte sich die IBM Bedenkzeit ausgebeten und versprochen, sich noch in diesem Jahr zu jedem einzelnen Punkt zu äußern.

Bei MSP ergab die Abprüfung der hauseigenen Produktreihe anhand der AD/Cycle-Checkliste, daß die derzeitige Funktionalität der MSP-Produkte bereits 50 Prozent der erhobenen Forderungen abdeckt. Auf 75 Prozent soll der Deckungsgrad im Laufe der nächsten anderthalb Jahre erhöht werden - das verbleibende Viertel will MSP mit Third-Party-Produkten bestreiten. Entwicklungsarbeiten stehen dem Unternehmen beispielsweise in den, Bereichen Projektmanagement und Qualitätssicherung ins Haus.

Anwender stellen nach Angaben von Stülpnagel seltener die Frage "Wie erhalte ich aus meinen Daten Informationen?", als vielmehr die Frage: "Wie komme ich von der Integration der Daten, Informationen und Anwendungen zur Automation der Software-Entwicklung?" Wichtig für eine Software-Architektur sei daher die Berücksichtigung der Faktoren Qualität, Integration, Automation und Flexibilität.

Für die Qualität sorgen laut von Sülpnagel Modelle, die wiederum auf Methoden beruhen. Die Integration werde durch Framework-Komponenten sichergestellt. Ein vollständiges Tool-Konzept aus Planning/ Controlling, CASE, Wartung und Cross Life Cycle gewährleiste die Automation. Für Flexibilität, so von Stülpnagel, stehe die Offenheit zu verschiedenen Repository-Produkten, CUA-Implementierungen und Hardwareplattformen.

Generiert werden im Rahmen der neuen Architektur nicht mehr herkömmliche, sondern nur noch Verbundanwendungen, die auf mehreren Plattformen an verschiedenen Standorten von mehreren Benutzern unter einer einheitlichen Oberfläche und mit dezentral gehaltenen Datenbeständen "gefahren" werden können. Diese Architektur soll dem Anwender auch im realen DV-Umfeld, in dem er sich bewegt, eine verläßliche Orientierung geben.

Von Stülpnagel ging auch auf eine Meldung der "Computerworld" ein, nach der IBMs Repository Manager bei den Anwendern "nicht ankommen werden. Mehrere IBM-Kunden hätten sich von diesem Repository aufgrund seiner unzureichenden Produktivität wieder getrennt. Das erweitertete Entity-Relationship-Repository von MSP sei kompatibel zum IBM-Repository und unterstützte zudem den kommenden ISO-IRDS-Standard. "Was im IBM-Repository 43 Entity-Relationship-Konstrukte benötigt, macht unser Repository mit sieben", rühmte von Stülpnagel das eigene Produkt.

Anwendern der Knowledgeware-CASE-Tools IEW und ADW stellte der MSP-Verteter in Aussicht, künftig alternativ zum Repository Manager auch die neue IEW/ADW-Schnittstelle zu MSPs Dictionary/Repository nutzen zu können. Um nicht in den Sog eines möglicherweise untergehenden OS/2-Systems zu geraten hat sich MSP unter anderem die User-Interface-Entwicklungssoftware "Easel" zunutze gemacht, die auch Windows 3.0 bedient.