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10.06.1983 - 

Kooperation von CII-HB, ICL und Siemens nimmt konkrete Form an:

München wird Standort für Forschungsinstitut

BONN/MÜNCHEN/BRÜSSEL - Das von CII-Honeywell Bull, ICL und Siemens geplante gemeinsame Forschungsinstitut (CW Nr. 16 vom l5. April 1983, Seite 5) wird seinen Sitz in München haben und zunächst 60 Mitarbeiter umfassen. Das bestätigte ein Sprecher des Bundesforschungsministeriums (BMFT) in Bonn der COMPUTERWOCHE auf Anfrage. Die drei Unternehmen selbst zeigen sich dagegen in ihrer Informationspolitik sehr zurückhaltend, lediglich von Siemens war zu erfahren, daß man voraussichtlich in den letzten Junitagen "einen Vertrag unterschreiben wird".

Dieser Termin wäre dann der zweite Anlauf, um das Projekt endgültig unter Dach und Fach zu bringen. Ursprünglich war nämlich vorgesehen, daß Jacques Stern, Chef von CII-HB, ICL-Boß Robb Wilmot und Claus Kessler, Mitglied des Siemens-Vorstandes und für den Unternehmensbereich Datentechnik verantwortlich, nach der Hannover-Messe Ende April in einem "letter of intent" ihre Kooperationsabsichten bekunden.

Jetzt ist geplant, gleich die Gründung eines "Joint Research Institute" - so die Bezeichnung, unter der das Projekt derzeit läuft - vertraglich zu vereinbaren.

Die Terminverschiebung deutet darauf hin, daß die Hürden auf dem Weg zur gemeinsamen Grundlagenforschung der drei größten europäischen Computerbauer höher waren, als man zunächst geglaubt hatte. Noch das unrühmliche Ende der Unidata 1976 vor Augen, als die Regierung Giscard d?Estaing die schon fixierte Kooperation von CII-HB, Philips und Siemens aufkündigte und statt dessen den Amerikanern den Vorzug gab, drängten die Münchener jetzt auf verbindliche Zusagen der Regierungen. Die Verstaatlichung der französischen DV-Industrie im vergangenen Jahr durch den Sozialisten Mitterrand hob das Projekt ohnehin auf die politische Ebene.

Aus diesen Gründen wirkten bei den Verhandlungen der Unternehmen auch drei regierungsamtliche "Paten" im Hintergrund mit: das französische und das englische Industrieministerium sowie das Bundesforschungsministerium. Diese politische Rückendeckung war offenbar notwendig, um zu einer grundsätzlichen Einigung zu kommen, wenngleich das BMFT eine Geburtshilfe von offizieller Seite herunterspielt: "Das ist eine Initiative der Industrie und soll es bleiben, aber die beteiligten Ministerien sehen das mit größtem Wohlwollen; von Regierungsseite gibt es keine Probleme".

Die Entscheidung für den Standort - und damit gegen das französische Valbonne - ist zumindest aus der Sicht der Regierung in Paris eine politische Entscheidung, für deren Zustimmung sich die Franzosen sicherlich an anderer Stelle Ausgleich verschafft haben. Schließlich müssen die Arbeitssprache festgelegt und der Posten des Institutschefs besetzt werden. Dem Proporzgedanken käme es wohl am nächsten, wenn die 60 Forscher in München unter der Leitung eines Franzosen auf Englisch miteinander kommunizieren.

Da sich die drei Unternehmen nach Angaben von Siemens bis Ende Juni einigen wollen, hoffen sie offensichtlich zumindest in der Anfangsphase auf Fördergelder aus dem Topf der Europäischen Gemeinschaften (EG) in Brüssel. Am 28. Juni nämlich beraten die Forschungsminister aus den zehn Mitgliedsländern der EG über das von der Kommission ausgearbeitete "Esprit"-Programm. Je zur Hälfte von der Kommission und von der Industrie finanziert, sollen von 1984 an in den nächsten fünf Jahren rund 3,5 Milliarden Mark für Grundlagenforschung in der Informationstechnik zur Verfügung gestellt werden. Gefördert werden sowohl Forschungsprojekte als auch kleinere Vorhaben.

Bevor der gemeinsame Zögling von CII-HB, ICL und Siemens aber überhaupt in den Genuß der Brüsseler Gelder kommen kann, müssen sich die Muttergesellschaften erst einmal zusammenraufen und ein attraktives Forschungsprojekt vorlegen. Selbst wenn die Kommission ihr Plazet zu dem gemeinsamen Vorhaben gibt und sich mit 50 Prozent an der Finanzierung beteiligt - da das "Esprit"-Programm nur eine projektbezogene, nicht aber eine institutionelle Förderung vorsieht, bleibt die Frage zu lösen, wie das gemeinsame Institut der drei langfristig und notfalls auch ohne Zuschüsse über die Runden kommt.