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28.01.2000 - 

Vereinigung feiert ihr 25jähriges Jubiläum

Münchner Kreis: Mittelstand verspürt wenig E-Commerce-Euphorie

von Beate Kneuse* MÜNCHEN - Der Münchner Kreis, eine internationale Vereinigung für Kommunikationsforschung, hat rund 400 in- und ausländische Experten verschiedener Arbeitsgebiete befragt, um ihre Einstellung bezüglich der zukünftigen Entwicklung im Internet- und Mediensektor zu erfahren.

Arnold Picot, Vorsitzender des Münchner Kreises und an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Leiter des Instituts Organisation, legte bei der Präsentation der Zukunftstudie "2014" Wert darauf, dass es sich bei den Ergebnissen der Untersuchung lediglich um Einschätzungen handle. Die Vergangenheit habe hinlänglich bewiesen, dass vieles anders komme als erwartet. Trotzdem gab es schon während der Darstellung der wichtigsten Ergebnisse durch Jörg Eberspächer, Professor an der Technischen Universität München und Vorsitzender des Forschungsausschusses des Münchner Kreises, rege Diskussionen.

Besonders am allgegenwärtigen Thema Internet und E-Commerce erhitzten sich die Gemüter. Nach Meinung der befragten Experten wird es beispielsweise noch zehn Jahre dauern, bis auch die kleinen und mittleren Unternehmen intern wie extern umfassend vernetzt sind und ihre Geschäftsprozesse mit Kunden und Lieferanten durchgängig digital abwickeln werden. Eine Katastrophe nicht nur für Volker Jung, stellvertretender Vorsitzender des Münchner Kreises und Vorstandsmitglied der Siemens AG. Ein Unternehmen, das sich tatsächlich zehn Jahre Zeit für die eigenen E-Commerce-Aktivitäten lasse, habe kaum eine Überlebenschance. "Unsere Zulieferanten werden in unsere Vernetzung einbezogen. Alles andere ist für uns zu teuer. Wer da nicht bald mithalten kann, bekommt Probleme", stellte Jung unmissverständlich fest.

Auch die jüngsten Kooperationen der Automobilriesen General Motors und Ford mit America Online (AOL) beziehungsweise Yahoo dürften Zulieferer und Vertriebspartner weltweit in enormen zeitlichen Zugzwang bringen. Die beiden US-amerikanischen Autobauer hatten schon vor Monaten mitgeteilt, aus Kostengründen ihren Vertrieb künftig über das Internet steuern zu wollen.

Einig waren sich die Münchner-Kreis-Vertreter indes in Bezug auf ein anderes Ergebnis der Untersuchung. Demnach werden vom deutschen Bildungssystem auch mittelfristig kaum erkennbare Impulse auf die Informationsgesellschaft von morgen ausgehen. Eberspächer kritisierte in diesem Zusammenhang unter anderem, dass es noch immer kein spezifisches "Technik-Fach" an den Schulen gebe, selbst die Informatik weiterhin ein Schattendasein führe. Allerdings mache das Engagement der jüngeren Lehrer und nicht zuletzt der Schüler Hoffnung. Siemens-Vorstand Jung argumentierte: "Die innovativste Phase eines Menschen liegt vor dem 30. Lebensjahr. In dieser Zeit sollten die jungen Leute deshalb nicht an der Uni sein, sondern in der Industrie. Wir brauchen das frühere Abitur sowie kürzere Studiengänge und Promotionen."

25 JAHRE MÜNCHNER KREIS

Der Münchner Kreis wurde am 17. September 1974 ins Leben gerufen. Es war eine spontane Aktion von 13 Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien. Sie wollten vor dem Hintergrund des absehbaren technologischen Umbruchs - Ablösung der Feinmechanik durch die Elektronik und neue Perspektiven für Telekommunikation und DV - eine übergreifende Diskussions- und Aufklärungsplattform schaffen. Dabei ging es von Beginn an nicht nur um Technik. Vielmehr setzte sich der Münchner Kreis immer auch mit den menschlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Problemen auseinander. Besonders geprägt wurde die Organisation durch ihren früheren Vorsitzenden Eberhard Witte. Der Betriebswirtschaftler war als Berater mehrerer Bundesregierungen am Zustandekommen der Postreformen I und II federführend beteiligt und gilt als einer der Wegbereiter der Öffnung des deutschen TK-Marktes. Längst hat sich die einst nationale Vereinigung für Kommunikationsforschung zu einer internationalen Institution mit 194 persönlichen Mitgliedern entwickelt.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.