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Fremdkommerzialisierung nach Ansicht von Fachleuten als Gegenargument ungeeignet:

Münchner Kreis plädiert für Informationsfreiheit

07.11.1980

MÜNCHEN (je) - Eine Bestandsaufnahme der Probleme und Lösungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit der Nutzung der Satellitentechnik war Ziel und Ergebnis des vom Münchner Kreis zu diesem Thema veranstalteten Kongresses. Professor Dr. Eberhard Witte, Vorsitzender des Kreises, resümierte zum Ende der Tagung: "Wir sind heute sehr viel mehr erleichtert, wenn wir vergleichsweise an die Ausgangsbasis zur zurückdenken, mit der wir in den Kongreß gegangen sind."

Witte würdigte mit diesen Worten, daß unter Referenten wie Diskussionssprechern das Bekenntnis zum Primat der Informationsfreiheit vor allen Restriktionen im Vordergrund gestanden hatte. Auf der rein technischen Seite ist das Thema "Satellitenkommunikation" nicht problembehaftet, eher schon unter ökonomischen Aspekten (und hier mit abnehmender Tendenz); dies war - zusammengefaßt - die Erkenntnis des ersten Veranstaltungstages.

Kongreßleiter Professor Dr. Wolfgang Kaiser von der Universität Stuttgart prophezeite dem Satelliten die Funktion des Zubringers zu regionalen Kabelfernsehnetzen. Es sei für den Zuschauer wirtschaftlicher, meinte Kaiser, "an ein Kabelnetz mit 30 Programmen und Rückkanal" angeschlossen zu sein, als zum ungefähr gleichen Preis zahlenmäßig sehr viel weniger Satellitenprogramme empfangen zu können. Für zirka drei Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung wird nach Kaisers Ansicht der Anschluß an das Kabelfernsehen wegen geographisch extremer Streulage allerdings an den Kosten scheitern und nur der Empfang direkt über Satellit übrigbleiben.

Satelliten-TV ist nach den Worten von Professor Witte in den 80er Jahren zu erwarten, wenn die Politiker mitziehen. Die Technik liege vor, ebenso entsprechende vertragliche Vereinbarungen; und die deutsche Industrie könne sich sehen lassen, was die Preise und die Bildqualität angehe. "Immer wieder", charakterisierte Witte den ersten Kongreßtag, "wetterleuchtete die medienpolitische Seite" des Satelliten-Themas, und der Begriff der "Fremdkommerzialisierung" habe in München "eine bezaubernde Rolle gespielt".

Im Rückblick auf den zweiten, politisch-rechtlich ausgerichteten Kongreßtag erinnerte Witte mit Genugtuung an klare Äußerungen von Referenten aus Bonner Bundesministerien, denenzufolge es einen medienpolitischen "Westwall" nicht geben wird. Ministerialdirektor Wolfgang Finke vom BMFT: "Ein Land, in dem es normal ist, Zeitungen. aus anderen Ländern anzubieten und ihre Rundfunksendungen nicht zu stören, sollte auch deren Fernsehsendungen ertragen können."

Kongreßleiter Professor Dr. Ulrich Lohmar kommentierte abschließend: "Man kommt zu allerlei lächerlichen Gedankenspielen, wenn man das Wort, Fremdkommerzialisierung mal genauer durchdenkt. Das werden wohl auch in Bonn bald alle merken; an dieser Turnstange ist nicht gut turnen."