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06.03.1998 - 

IT-TrainingProjekt "Musin" setzt auf Pädagogik und Technik

Münchner Schüler sollen mit Medien umgehen lernen

Die dynamische Entwicklung des Internet führte sehr schnell zur Entscheidung, in dem Projekt herkömmliche Mailbox-Systeme hintanzustellen und die Anbindung ans Netz der Netze voranzutreiben. Bereits im Mai 1996 wurde beim Verein "Schulen ans Netz" der umfassende Förderungsantrag eingereicht, der sowohl Einstiegs- und Modellschulen als auch Infrastrukturmaßnahmen und Lehrerfortbildung umfaßte. Im November 1996 billigte der Stadtrat die Gesamtkonzeption einstimmig. Seit Juli 1997 sind die ersten Schulen am Netz.

Natürlich sind in Zeiten knapper Haushaltsmittel die Kosten ein zentraler Gesichtspunkt. Die Anbindung möglichst vieler Schulen via Standardfestverbindung (SFV) erschien als preiswerteste und am besten überschaubare Möglichkeit. In der ersten Ausbaustufe können mit der vorhandenen technischen Ausrüstung acht Standorte mit 64-Kbit/s-ISDN-Standleitungen angeschlossen werden. Alle anderen Schulen können sich per ISDN-Wählverbindung beim Amt für Informations- und Datenverarbeitung (Afid) einwählen. Derzeit haben sich 60 Schulen aller Schularten für diese Art von Verbindung entschieden. Auf Dauer sollen möglichst viele weitere Schulen eine direkte SFV erhalten.

Eine analoge Einwahlmöglichkeit wurde verworfen, da diese Übertragungsart bei vernetzten Systemen zu langsam ist, und zudem die technische Lösung im Gesamtprojekt zu teuer geworden wäre. Doch denkt man darüber nach, Lehrerinnen und Lehrern gegen eine einmalige Gebühr den Zugang zum Afid zu ermöglichen, das laut Stadtratsbeschluß vom 27. November 1996 als Provider fungiert. Dann müßte die analoge Einwahl wieder ein Thema sein, da unter Privatanwendern ISDN noch nicht so verbreitet ist.

Das Schulreferat hat die gesamten Provider-Leistungen einschließlich der Hardware zum Festpreis von 110000 Mark pro Jahr für die Dauer von fünf Jahren eingekauft. Das Afid hat seinerseits die Firma ECRC-Network-Services GmbH, München, als Provider gewählt. Damit haben die Schulen einen leistungsfähigen Anschluß an den kommerziellen Teil des Internet mit entsprechenden Übergängen zum Bildungsnetz Win-Shuttle.

Das Afid ist seinerseits mit einer 2-Mbit/s-Leitung mit ECRC verknüpft. Die Internet-Anbindung überträgt 128 Kbit/s. Eine Testphase unter Vollast muß zeigen, inwieweit diese Kapazität ausreichend ist. Auf Dauer dürfte eine 2-Mbit/s-Verbindung ins Internet angestrebt werden. Vielleicht können die Kommunen von der Konkurrenz auf dem nun liberalisierten Sprachtelekommunikationsmarkt finanziell profitieren.

Die angebotenen Dienste

Unter der Adresse- http://www.musin.de/ ist der gesamte Bereich des Schulreferats im Web vertreten.Die Schulen können ihre Homepages unter der Adresse- http://www.musin.de/schulname/ oder- http://www.schulname.musin.de/ablegen.

Jede Schule bekommt bei Anmeldung die E-Mail-Adresse- sekretariat(a).musin.de zugeordnet.

Weitere Mail-Adressen lassen sich in beliebiger Zahl einrichten.

Personelle Konzeption

Die Stadt München sah sich gezwungen, für ein Projekt dieser Größenordnung ein eigenständiges Personalkonzept zu entwickeln. Der materielle Wert der Hardware und die aufwendige Systemadministration erfordern einen zeitraubend sorgfältigen Umgang und einige technische Kompetenz, ist also nicht von Lehrern neben ihren eigentlichen Aufgaben her zu leisten. Die technische und pädagogische Betreuung des Projektes wurde daher im Pädagogischen Institut der Landeshauptstadt München (PI) untergebracht. Dessen Zuständigkeit reicht von der Systemadministration über technische Pflege, Web-Design und Beratung der Schulen bis zur Lehrerfortbildung.

Pädagogische Konzeption

Das PI hat für interessierte Lehrer einen Zyklus von Fortbildungsveranstaltungen mit dem Namen "Internet-Führerschein" konzipiert, der im Schuljahr 1997/98 durch den Verein "Schulen ans Netz" finanziert wurde. Zusätzlich gibt es Kurse zu den einzelnen Internet-Diensten sowie zur Hard- und Software-Installation.

Diese Einführung in die technische Handhabung ist jedoch nur ein erster Schritt. Entscheidend wird ein noch zu entwickelndes pädagogisches Konzept sein. Gerade weil das Schulnetz noch neu ist, kann es gut an die gewünschten Lernphilosophien angepaßt werden.

Bereichsübergreifende Arbeitsgemeinschaften

Fachübergreifende Arbeitsgruppen interessierter Pädagogen kümmern sich zum Beispiel um Sprachlern-, Ökologie- und politische Bildungsprojekte. Die Teilnehmer verstehen sich auch als Ansprechpartner für Einsteigerschulen.

In regelmäßigen Workshops wie zum Beispiel am "Tag des Beruflichen Schulwesens" werden der Öffentlichkeit bereits erprobte Konzepte präsentiert und damit auch anderen Schulen Anregungen geliefert.

Für interessierte Jugendliche sollen Medienwerkstätten eingerichtet werden, eventuell in Zusammenarbeit mit außerschulischen Bildungsträgern und Einrichtungen. Gemeinsam mit der Akademie für Lehrerfortbildung in Dilligen (AfL) will Musin eine virtuelle Lehrerfortbildung konzipieren.

Mit Trägern der außerschulischen städtischen Jugendarbeit möchte das Projekt ebenfalls kooperieren. Über die gemeinsame Nutzung der technischen Ressourcen sollen Online-Angebote für Jugendliche (Chatrooms, Schwarze Bretter, Mailing-Listen, Kreativwerkstätten, Online-Spiele etc.) entstehen. Gemeinsam mit der Münchner Volkshochschule will Musin an Bildungskonzeptionen arbeiten.

Private Public Partnership

Für die Finanzierung der Leistungen der nächsten Jahr wird eine Kraftanstrengung der Kommune notwendig sein. Unkonventionelle Wege wie zum Beispiel Sponsoring von Schulen durch private Träger könnten hier zum Gelingen beitragen. Es wäre im Sinne einer umfassenden Qualifizierung der nachwachsenden Generationen wichtig, die Kommunen von Online-Kosten ganz zu befreien, sei es über die Finanzierung durch Bund und Länder oder über gesetzlich gesicherte Maßnahmen.

Die bundesrepublikanische Unternehmerschaft ist aufgefordert, "Private Public Partnership" intensiver zu betreiben, zumal von der Wirtschaft fast täglich eine kommunikationstechnisch umfassend qualifizierte Generation gefordert wird.

Hoffnungsträger

Wirtschaft und Politik sehen Multimedia und Datenautobahn als Hoffnungsträger, wenn es um die Sicherung von Industriestandorten und Arbeitsplätzen geht. Deshalb werden derzeit Millionen in Modellprojekte investiert.

Auch die Schule muß sich dieser Herausforderung stellen. Zum einen gilt es, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Zukunft bestmöglich zu qualifizieren, zum anderen muß ihnen auch der kritische selbstbewußte Umgang mit den technischen Möglichkeiten, mit einer steigenden Informationsflut und Verlockungen aller Art vermittelt werden. Es gilt, Medienkompetenz als Basis- oder Schlüsselqualifikation zu vermitteln.

Gerade in München als Standort vieler Hochtechnologie-Firmen bündeln sich Telekommunikations- und Multimedia-Entwicklungen. In diesem Umfeld entsteht eine enorme Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften. Eine verantwortungsvolle Bildungspolitik, die an die Zukunftschancen ihrer Absolventinnen und Absolventen auf dem Arbeitsmarkt denkt, muß diesen eine Infrastruktur zur Verfügung stellen, die sie in die Lage versetzt, den Anforderungen der Wirtschaft in dieser Region zu entsprechen. Angesichts der kurzen Innovationszyklen der Informations- und Kommunikationstechnologien und der zunehmenden Knappheit kommunaler Finanzressourcen wird das jedoch immer schwieriger.

*Horst Tahetl-Matheis vom Schulreferat (Pädagogisches Institut der Landeshauptstadt) München ist Studiendirektor und Projektleiter des "Musin" (Münchener Schulen im Netz).