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09.08.2002 - 

Kolumne

"Müssen Berater neutral sein?"

09.08.2002
Christoph Witte Chefredakteur CW

Was die IBM mit den Consultants von Pricewaterhouse-Coopers (PWC) vorhat, ist klar: Das Servicegeschäft soll um die strategische Komponente erweitert werden. Big Blue will zum Vollsortimenter im Beratungsgeschäft aufsteigen. Die Frage ist nur, ob das eine gute Idee ist. Wer heute mit IBM Global Services (IGS) Geschäfte macht, weiß, dass am Ende eines Projektes viele Anwendungen auf Big-Blue-Maschinen und systemnaher Software laufen. Das ist insofern unproblematisch, weil niemand, der eine Aversion gegen IBM-Produkte hegt, auf den Gedanken käme, das Unternehmen als Dienstleister zu verpflichten oder von seinen Mitarbeitern absolute Plattformneutralität zu verlangen. Selbst bei Big Blue bestreitet niemand, wie viel Global Services zum Vertrieb der IBM-Produkte beiträgt.

Kunden von PWC erwarten jedoch etwas anderes. Sie legen Wert auf Prozess- und Branchen-Know-how sowie auf die besagte Plattformunabhängigkeit. Zwar arbeiten auch die Berater von PWC mit verschiedenen Anbietern partnerschaftlich zusammen - unter anderem mit HP und Sun -, aber sie sind eben nicht der verlängerte Arm dieser Hersteller.

IBM behauptet, diese Neutralität sei den Kunden nicht mehr wichtig. Sie führt ins Feld, ihre Klientel lege viel größeren Wert darauf, dass der Consultant in der Lage ist, umzusetzen, wozu er geraten habe. Auch eine Kostenbetrachtung könnte einem zukünftigen Vollsortimenter Global Services in die Hände spielen. Ein Arrangement mit der Kombination aus IGS und PWC dürfte billiger sein, als sich Unternehmens- und IT-Berater getrennt ins Haus zu holen.

Andererseits ist einiges, was anfangs teuer ist, auf lange Sicht preiswerter. Unternehmen kommen heute ohne Berater nicht mehr aus. Sie helfen ihnen, die Komplexität modernen Wirtschaftens zu verstehen und gefundene Lösungen durchzusetzen. Vor allem in dem stets latent herrschenden Konflikt zwischen IT und Business kontrollierten sich bisher Unternehmens- und DV-Berater gegenseitig. Diese Aufsicht geht bei der Wahl eines Vollsortimenters verloren. Vielen potenziellen Kunden ist offenbar klar, dass Beraterfehler dann sehr teuer werden können. Denn bisher haben sich Beratungshäuser, die sich auf der strategischen Schiene verstärken wollten, nicht leicht getan, ihre Klientel zu überzeugen: Man denke nur an Debis und Diebold oder an Cap Gemini und Ernst & Young.