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22.06.1979

Muffensausen vor dem Nachwuchs?

Generationskonflikte - meinen Soziologen - entstehen dadurch, daß erlerntes Wissen nicht mehr vorbehaltlos angewendet werden kann. Bedingt durch den permanenten, mit anderen Disziplinen kaum vergleichbaren Innovationsprozeß, macht sich der "Human-Gap" in der EDV besonders kraß bemerkbar. Überall dort, wo "alte Hasen" auf ehrgeizige Newcomer stoßen, gibt es Probleme. "Junge DV-Leute" - so Sigmund Braun, DV-Leiter der Chase Bank AG in Frankfurt, seien oft "das Schreckgespenst und die Faust im Nacken der Älteren". Denn "aufgrund gezielter Vorbildung paßt der Nachwuchs eben besser ins Personalkonzept", bekräftigt Franz Lamine, DV-Chef bei Döhler in Darmstadt. Trotz allem werde man die "alten Hasen" immer brauchen. COMPUTERWOCHE befragte vier DV-Leiter zum Thema "Generationskonflikt in der EDV".

Sigmund Braun

DV-Leiter, Chase Bank AG, Frankfurt

Der Konflikt der Generationen war, ist und wird ein stets aktuelles Thema sein, mit dem sich die Menschen auseinandersetzen müssen Lösungsmöglichkeiten für die allgemeinen und zeitspezifischen Konflikte sind oft nur hypothetisch und scheitern meist am Egoismus und an der individuellen Verhaltensweise des Menschen.

Der Generationskonflikt in der DV muß nach meiner Auffassung in zwei Konfliktgruppen aufgeteilt werden, nämlich in generelle und DV-spezifische Generationskonflikte. Die DV-spezifischen Konflikte werden hervorgerufen durch die ständige Innovation der Technik und die damit stets verbundenen Implementierungen von Systemen und veränderten Organisationsformen.

Die Konsequenz ist der Zwang zur steten Wissenserneuerung und die damit verbundene Flexibilität. Aus diesen beiden Aussagen lassen sich bereits die wesentlichsten Konfliktpunkte zwischen jung und alt herauskristallisieren. Schlagworte wie Dynamik, Streß, Nerven-Energie, Lernfähigkeit, Realisierung der Gedanken und schöpferische Leistung sprechen für sich. Die Einsicht und der Wille zur notwendigen Erweiterung des Wissens ist sicherlich vorhanden, jedoch mangelt es leider oft an Zeit und Geld. Viele "alte DV-Hasen" werden mir vermutlich zustimmen. Mit Wissen vollgestopfte, junge DV-Leute sind oft das Schreckgespenst und die Faust im Nacken der Älteren. Ein angekratztes Selbstbewußtsein und Angststreß sind in vielen Fällen die Folge.

Notwendige Schulung und Lehrgänge sind in der Regel teuer, und nicht alle Firmen verfügen über einen entsprechenden Etat, was sich schon oft als Bumerang erwiesen hat. Neue Leute sind oft kostspielig und nicht immer verfügbar. Der derzeitige EDV-Personalmarkt ist ein Beispiel dafür.

Es gibt jedoch Werte, die wie zu allen Zeiten, glücklicherweise auch heute noch und im besonderen Maße in der DV gefragt sind. Urteilsfähigkeit, verantwortungsbewußtes Handeln und schließlich ist Erfahrung eben durch nichts zu ersetzen.

Diese Werte können sicherlich oft ein Minderwissen kompensieren und einen vernünftigen Ausgleich zwischen den Generationen herbeiführen.

Franz Lamine,

Leiter der Datenverarbeitung Döhler GmbH & Co. KG, 6100 Darmstadt

Das Generationsproblem in der DV - ein Thema, welches lohnenswert ist, zu diskutieren, oder eines, dessen Ausgang bereits vorprogrammiert ist?

Schließen wir einmal den technisch-wissenschaftlichen Bereich der DV aus und bleiben bei der kommerziellen Anwendung "Pioniere der EDV" oder "Männer der ersten Stunde" - was ist eigentlich aus ihnen geworden oder was wird aus ihnen?

Einige dürften den Sprung geschafft haben, Positionen zu besetzen, bei denen das Generationsproblem weniger ins Gewicht fällt oder aber erst recht von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die anderen jedoch, so wie deren unmittelbare Nachfolger, sehen sich mit der immensen Schnellebigkeit unserer Branche in der Praxis Tag für Tag konfrontiert. Hinzu kommt (oder kam?) der frustrierende Blick in den DV-spezifischen Stellenmarkt führender Zeitschriften. Wem von uns ist die Möglichkeit gegeben diesen Anforderungen noch gerecht zu werden?

Häufig sind es Nachwuchskräfte, die aufgrund gezielter Vorbildung eben besser in das Konzept des Stellenausschreibers passen und die mit dem Wissen um entsprechende Vertragsgestaltung und einer "gesunden" Selbsteinschätzung ihren Karrieretrip - durch ständig angepaßte Fortbildung abgesichert - antreten. Die Basis für steigende Wertigkeit sowohl der Titulatur als auch der Position ist somit bereits geschaffen.

Ständig wachsende Anforderungen an die Aussagekraft des bestehenden oder neu zu erstellenden betrieblichen Zahlenmaterials oder auch nur die Installation kompakter Hersteller-Software zwingen den "alten EDV-Hasen" jedoch teilweise zu unmittelbarer Reaktion. Beabsichtigte oder unbeabsichtigte, verschuldete oder unverschuldete Wechsel des Arbeitsplatzes machen diese Situation erst in aller Dimension deutlich.

Trotz allem Man wird die "alten Hasen" immer brauchen - dann nämlich, wenn Erfahrung und Wissen um Erfolgsaussichten so mancher Innovation die graue Theorie vom Schreibtisch fegen!

Warum also nicht einfach "alter EDV-Hase" (sprich -Spezi) bleiben? Ein alter Wein braucht keine neuen Schläuche, sprich Etiketten. Vielleicht sollten dennoch die Fertigungsmethoden in der Datenverarbeitung von Fall zu Fall überprüft werden!

Hartmut G. Schütz,

Leiter der Organisation und Datenverarbeitung Carl Schenk AG, 6100 Darmstadt

Ich glaube, es gibt keine größere DV-Abteilung, die nicht schon mit diesem Problem in Berührung gekommen wäre, Angesichts der Tatsache, daß das DV-Wissen sich in einem Turnus von etwa fünf bis acht Jahren vollständig erneuert, werden hier hohe Anforderungen an die geistige Mobilität der DV-Mitarbeiter, insbesondere in Systemanalyse und Programmierung sowie in der Ausführung, gestellt. Wohl eine Ursache dafür, daß das Durchschnittsalter in diesen Bereichen unter dem der Fachabteilungen liegt.

Wir haben mit gutem Erfolg Mitarbeiter, bei denen sich eine solche Problematik ankündigte, in Fachabteilungen untergebracht. Wir haben dabei den Vorteil, daß wir sie als Gesprächspartner behalten sowohl bei neuen Projekten als auch bei der Nutzung bereits eingeführter Anwendungen. Das hat uns schon einige Male erheblichen Reibungsverlust erspart. Andererseits habe ich festgestellt, daß Mitarbeiter, die seit Ende ihrer Ausbildung in der Datenverarbeitung tätig sind, wegen der permanent an sie gestellten hohen geistigen Anforderungen kaum in ihrer Leistung abfallen, wie das bei anderen der Fall ist, die aus einer bereits langjährigen Sachbearbeitertätigkeit zur DV kamen.

Hans Hettig,

Leiter der Abteilung EDV/ORG, Refa-Feinstanzwerk GmbH, 7071 Ahlsdorf

In unserer EDV/ORG-Abteilung beträgt der Altersunterschied maximal zehn Jahre. Ich bin der Überzeugung, daß ein altersbedingter Generationskonflikt im herkömmlichen Sinne, genau wie in jedem anderen Lebensbereich, nur durch gegenseitige Toleranz zu lösen ist.

Vielleicht sollte man aber dieses Thema nicht zu sehr unter dem Gesichtspunkt des Altersunterschieds, sondern vielmehr unter dem des Wissensgefälles sehen, da man ja davon ausgehen kann, daß sich das Wissen in der Datenverarbeitung zirka alle fünf Jahre verdoppelt und meiner Ansicht nach hieraus am ehesten "Generationskonflikte" entstehen können. Von diesem Konflikt ist jede Altersstufe betroffen.