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18.12.1992 - 

Interaktivität kennzeichnet die neue Technologie - Teil 3 und Schluß

Mulimedia-Konzepte verändern Mensch-Maschine-Kommunikation

Dr. Dirk Nouvortne ist Teamleiter Bürokommunikation, DV und Arbeitsverfahren beim Gerling-Konzern, Köln.

TK-Experten sprechen schon seit längerer Zeit von der Integration der Kommunikationsformen Daten, Sprache, Text und Bild. Eingeleitet wurde diese Diskussion durch die Einführung des ISDN. Für den Anwender ungleich interessanter ist jedoch die Integration der Informationstypen an seinem Arbeitsplatz. In der abschließenden Folge seiner dreiteiligen Serie befaßt sich Dirk Nouvortne mit Eingabe- und Ausgabe-Tools sowie den Möglichkeiten der hausinternen und überregionalen Vernetzung.

Client-Server-Konfigurationen beruhen auf der Vernetzung zentraler und dezentraler Komponenten. Diese ist bei Multimedia-Applikationen aufgrund der benötigten Bandbreite keine triviale Aufgabe. Die nebenstehende Abbildung verdeutlicht dies am Beispiel von Kunst-, Feuer- und technischer Versicherung.

Die Umsetzung der Anforderungen der verschiedenen Fachbereiche muß von der Eingabeseite ausgehen. Es ist zu entscheiden, inwieweit altes Bildmaterial erhalten und wo auf die neuen Techniken der Bildaufnahme umgestellt werden soll. Für den Altbestand beziehungsweise die Eingabe von Bildern mit veralteter Technik bietet sich zunächst ein Farbscanner an. Hochwertige Scanner sind aber langsam. Für Aufgaben wie die Kunstversicherung ist dieses Verfahren daher schon wegen der Fülle des zu erfassenden Bildmaterials unzweckmäßig.

Analoge oder digitale Speicherung

Eine schnellere Alternative ist die Eingabe mit Hilfe einer hochwertigen Videokamera. 3-Chip-Kameras sind mittlerweile in der Lage, über 700 Linien darzustellen. Zur Schadensverhütung und -forschung wäre es wünschenswert, auch verschiedene Mikroskope als Eingabemedien in die Konfiguration einzubeziehen.

Bei der datentechnischen Fixierung von Bildmaterial gibt es zwei Verfahren: die analoge und die digitale Speicherung. Nicht immer ist es sinnvoll, ausschließlich digitale Speichermedien einzusetzen, vielmehr muß das Problem von Fall zu Fall gelöst werden. Fragen der Qualität (technisch bedingte Verluste), der Anwortzeiten im Retrieval (Dauer von Kompressions- und Dekompressionsverfahren) und der Wirtschaftlichkeit sind anwendungsindividuell zu beantworten.

Für die Arbeit der Versicherungen hat es sich beispielsweise als sinnvoll erwiesen, eine doppelte Strategie zu verfolgen. Überall dort, wo Bilder in einem Schwebezustand gehalten werden, etwa während der Dauer einer Schadensregulierung, erfolgt die Ablage auf digitalen Bildspeichern. Diese Übertragung auf wiederbeschreibbare Disks ist immer dann sinnvoll, wenn das Material nach Abschluß des Vorgangs gelöscht werden kann. Die Informationen werden bis dahin entweder auf einem Magnetspeicher oder auf einer magneto-optischen Disk festgehalten.

Foto-CD ist erheblich teurer

Bilder, die langfristigen Dokumentationswert besitzen, weil sie Gegenstand einer Präzedenzfall-Betrachtung oder Schadensauswertung sein können, werden auf einem analogen Bildspeicher abgelegt, der schnellen Zugriff ermöglicht, da sich Kompressions- und Dekompressionsverfahren erübrigen. Die Nicht-Überschreibbarkeit ist aufgrund des Dokumentcharakters gewollt. Darüber hinaus bietet diese Archivierung wirtschaftliche Anreize: Sie kostet pro Bild einen Pfennig, während bei der traditionellen Bilderstellung auf Silberoxydbasis jeweils 56 Pfennige zu Buche schlagen.

Mit einer Foto-CD kann der Anwender neuerdings die auf einer CD gespeicherten Altbestände erfassen und elektronisch abrufen. Der Preis von einer Mark pro Bild liegt allerdings noch über dem für die traditionelle Bilderstellung und analoge Bildspeicherung.

Als Zentralkomponente hat sich bei den in dieser Serie vorgestellten Versicherungsanwendungen eine Workstation auf CISC-Basis mit dem Unix-Betriebssystem angeboten. Diese Lösung ist kein Dogma, denn 486-Systeme verfügen längst über ein ähnliches Leistungsspektrum. Wesentlich aus Performance-Gründen ist jedenfalls eine ausreichende Ausstattung mit Arbeitsspeicher. Je nach Workstation werden bis zu 32 Mb vorgesehen. An den Server sollte neben dem Magnetspeicher ein Streamer zur Datensicherung angebunden sein.

Die Darstellung hochwertigen Bildmaterials und die Notwendigkeit, Bilder partiell zu bearbeiten, stellen hohe Ansprüche an den Monitor und die Grafikkarte. Die Bandbreite reicht von der 8-Bit-Tiefe mit 256 Farben bis zu 16 Millionen Farben. Diese Anforderungen hat Auswirkungen auf die gesamte Konfiguration. Alle Peripherieeinheiten müssen aufeinander abgestimmt sein, denn nützt die beste Videokamera, wenn Displays oder Ausgabeperipherie-Einheiten wie Drucker nicht in der Lage sind, die erfaßte Qualität zu reproduzieren? Für die Auswall der Ausgabeeinheiten ist deshalb neben dem Qualitätsanspruch die prinzipielle Kompatibilität mit den Eingabe-Tools entscheidend.

Unter bürokommunikativen Aspekten sollte die Ausgabe von Papier wesentlich reduziert werden. Das Bild-Retrieval, etwa bei der Bewertung von Kunstgegenständen, kann direkt am Terminal erfolgen. Andere User sind aber auf ausgedruckte Broschüren, Berichte, Informationsblätter etc. angewiesen. Unter Umständen reicht bereits für Ausdrucke mittlerer Güte ein ohnehin vorhandener Farbkopierer aus.

Bildqualität hat ihren Preis

Über ein Interface kann der Benutzer solche Systeme in eine Konfiguration einbinden und gegebenenfalls auch Dias erzeugen oder belichten. Hochwertige Ausdrucke liefern Sublimationsdrucker, deren Bildqualität natürlich auch ihren Preis hat. Ausgabeeinheiten wie nicht so hochwertige Tintenstrahl-Drucker, Videoprinter oder Thermotransfer-Drucker sind von Anwendung verschieden zu bewerten.

In den einzelnen dezentralen Fachbereichen einer Versicherung können RISC- oder CISC-Workstations mit unterschiedlichem Arbeitsspeicher sowie als Ausgabeeinheit ein Tintenstrahl-Drucker zum Einsatz kommen. Da die Eingabe zentral organisiert wird, entfallen entsprechende Perpherieeinheiten. Daneben besteht die Option, einzelne PCs für Schreibkräfte, die die Texte für Gutachten Beratungsbereichs erfassen, in das Netzwerk einzubeziehen.

Für die Verbindung von Scanner und Videokamera mit der Digitalkonfiguration, aber auch von analogen Speicherkomponenten mit digitalen Systemeinheiten sind Analog-Digital-Wandler notwendig. Diese Framegrabber können sich zu Engpässen entwickeln, wenn viele User gleichzeitig auf sie angewiesen sind. Deshalb ist je nach Konfiguration eine entsprechende Anzahl von Wandlern, gegebenenfalls als Boards in Workstations, vorzusehen.

Vernetzung als kritischer Erfolgsfaktor

Kritischer Erfolgsfaktor einer Multimedia-Konfiguration ist die Vernetzung. Die Ausgestaltung des Netzes wirkt sich auf die Verfügbarkeit sowie die Antwortzeiten des Gesamtsystems aus und damit auch auf die Akzeptanz bei den Anwendern.

Bei rein lokaler, hausinterner Vernetzung bietet sich ein LAN auf Ethernet-Basis an. Liegen zwischen den Komponenten öffentliche Straßen, gibt es zwei Alternativen, wobei in den lokalen Einheiten jeweils LAN- oder Stand-alone-Systeme installiert sein können.

Erstens steht die Nutzung von ISDN-Verbindungen zur Debatte. Gravierender Nachteil dieses Verfahrens ist, daß im Fall der Trennung von lokalen Workstations und Zentralsystemen wegen der relativ geringen Bandbreite ein zweiter, duplizierter Fileserver gebraucht wird.

Die zweite Möglichkeit ist die Einrichtung eines FDDI-Rings. Der Vorteil liegt neben dem Fortfall von zwei ISDN-Severen und dem redundanten Fileserver in einer besseren Performance aufgrund der hohen Übertragungsbandbreite.

Die Bildkommunikation, wie man sie beispielsweise im Rahmen der gutachterlichen Tätigkeit bei der Kraftfahrt-Schadensregulierung einsetzen kann, erfordert ortsübergreifende Integration auch mit Hilfe öffentlicher Netze. Technisch gibt es auch hier unterschiedliche Systeme, um Bildmaterial zwischen zwei Orten zu übertragen. Bei der Kraftfahrzeugschadens-Begutachtung ist es naheliegend, zwei Systeme via Modems über das Telefonnetz zu verbinden. Die Eingabestellen in Drive-In-Stationen arbeiten je nach Anforderung mit magneto-optischer Disk, Video-Printer, Videokamera sowie mit Schreibtableaus zur Kennzeichnung besonders wichtiger Bildstellen.

Die Kommunikation über das Telefonnetz beziehungsweise ISDN ist besonders preiswert. Die Übertragung eines qualitativ hochwertigen Bildes im analogen Telefonnetz kostet im Ferntarif 2,30 Mark. Bedenkt man, daß durch diese Methode Entscheidungen schneller und fundierter erfolgen können, ohne daß zusätzliche Reisekosten anfallen oder ein dezentral stationierter Gutachter in Aktion treten muß, wird der materielle Wert dieser Investition deutlich.

Anwendungen der geschilderten Art können insgesamt sehr wirtschaftlich sein. Freilich gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Versicherungssparten. Unmittelbar lassen sich im wesentlichen Fotokosten einsparen. Da Filme im traditionellen Verfahren nur noch entwickelt und nicht mehr in Positivdarstellung benötigt werden, reduzieren sich die Kosten einer überschlägigen Rechnung zufolge auf ein Drittel. Bei Kameras mit 2-Zoll-Disketten fallen Filmkosten ganz fort.

Wesentlich höher sind die kalkulatorischen Einsparungen. Die Produktivität steigt, und die Durchlaufzeiten bei der Vorgangsbearbeitung, insbesondere bei der Schadensakten, reduzieren sich. In manchen Fachbereichen sinkt der Zeitaufwand um bis zu 80 Prozent.

Neue Potentiale der Kundenorientierung

Kaum exakt anzugeben sind die Folgen verbesserter Entscheidungsfundierung. Es ist mangels Vergleichsmöglichkeit schwer zu berechnen, was die Analyse von Bildern bringt, die man früher wegen knapper personeller Ressourcen erst gar nicht angefordert hätte.

Mit Sicherheit Verbessert der multimediale Bildeinsatz die Präsentation eines Unternehmens. Es lassen sich farbig illustrierte Veröffentlichungen, etwa für ein Kundeninformationsblatt oder für Geschäftsberichte, erstellen. Ein gesteigertes ästhetisches und kompositorisches Niveau der Druckerzeugnisse trägt positiv zum Erscheinungsbild des Unternehmens bei.

Alles in allem erschließt die Multimedia-Technologie neue Potentiale der Rationalisierung und der Kundenorientierung Zukünftig wird die Bildbearbeitung trotz hoher Investitionen ein kaum fortzudenkendes Arbeitsinstrument in der Sachbearbeitung sein.