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21.07.1995

Multi-Modem? Nein Danke!

Es war schon begeisternd, was die versammelte Phalanx der Modem- Juenger zum Besten gab. Nachdem die Formel-1-Boliden der neuesten Modemgeneration auf den analogen Feldwegen der Carrier nicht sinnvoll einsetzbar sind - einige unverbesserliche professionelle Anwender schaffen es sogar, dank effizienter Programmierung und Planung ihre Unternehmenskommunikation ueber 2400er Modems abzuwicklen - soll der Absatz kuenftig ueber die Multifunktionalitaet angekurbelt werden. Angedacht sind Features wie integrierter Anrufbeantworter, Freisprechen, sowie die simultane Uebertragung von Daten und Sprache.

Der Gedanke, nicht mehr etliche Meter Telefonkabel fuer Fax, Telefon und Anrufbeantworter unter dem Schreibtisch verstauen zu muessen und mehrere dieser klobigen sogenannten "Mini- Steckernetzteile" nach langem Kampf in eine Dreiersteckdose zu pressen, klingt verlockend. Doch der Mehrwert? Haben Sie schon einmal versucht, eine Freisprech-Telefonfunktion im Grossraumbuero zu nutzen - wohl kaum, denn das babylonische Sprachkauderwelsch fuehrt jede Kommunikation ad absurdum.

Und der PC als Anrufbeantworter? Als technischer Gag sicherlich witzig, doch im Dauereinsatz, der Rechner muss schliesslich alle Funktionen steuern, entpuppt sich das gute High-Tech-Stueck als teurer Stromfresser. Zwar kontert die Modemindustrie mit dem Argument, Siemens, AT&T und andere wuerden an neuen Rechnern arbeiten, die dank Sleep-Modus auch als Kommunikationszentrum weniger Strom verbrauchen. Doch legen Sie 3000 Mark und mehr auf den Tisch, nur um den billigen, zuverlaessigen Taiwan- Anrufbeantworter durch ein digitales absturzgefaehrdetes, dafuer aber unter Windows gesteuertes Pendant zu ersetzen?

Und im Falle eines Falles - PCs stuerzen ja bekanntlich nie ab und ihre Festplatten sind fuer die Ewigkeit konstruiert - koennen Sie endlich ruhig arbeiten: Denn bis zur Reparatur stoert kein Fax, kein Telefongespraech Ihre himmlische Stille, dass dabei allerdings auch ihre Geschaefte ruhen, sei nur am Rande erwaehnt.

Der groesste Fehler der Modemindustrie ist jedoch, dass sie die Rechnung ohne den Wirt macht. Falls die Telekom ab 1996 den kostenguenstigen analogen Doppelanschluss, wie ihn die meisten Professionellen sowie die Soho-User nutzen, wirklich abschafft, duerfte der analoge Feldweg endgueltig an Attraktivitaet verlieren. Denn wer zahlt schon Maut fuer ein Schnekkentempo, wenn er fuer den fast gleichen Preis auf der digitalen Ueberholspur ISDN mit hoeherem Komfort vorbeiziehen kann. Entgegen den Ausfuehrungen der Modemindustrie duerften dabei auch die 300 bis 500 Mark fuer einen a/b-Terminaladapter, um die analogen TK-Endgeraete anzuschliessen, kaum ins Gewicht fallen. Zumal eine ISDN-Karte unter Ausnutzung der Telekom-Foerderungsbetraege fuer den Preis eines Modems in Geschwindigkeitsregionen vorstoesst, wovon die analogen Boliden nur traeumen koennen.