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Hohe Weiterbildungsanforderungen erfordern Innovationen


27.11.1992 - 

Multimedia-Einsatz ermöglicht bald rentables Training am PC

In Verbindung mit Elementen der Multimedia-Technologie ist auf dem weiten Markt für DV-Aus- und Weiterbildung in den nächsten Jahren mit einer Vielzahl neuer Projekte zu rechnen. Michael Wojatzek* stellt im folgenden Beitrag Multimedia-Anwendungen vor, die bereits heute Schulungen sinnvoll unterstützen.

Nachdem der Themenbereich Multimedia mittlerweile ins Bewußtsein einer größeren Öffentlichkeit gerückt ist, werden immer mehr Anwendungen dieses Technologie- Konzeptes umgesetzt. Es sind fünf Felder, wo der Multimedia-Einsatz auch wirtschaftlich bereits durchaus rentabel ist: Videokonferenz, Verkaufsunterstützung, Konsumentenmarkt und die schulische sowie betriebliche Weiterbildung.

In diesen Bereichen könnten die charakteristischen Merkmale von Multimedia, nämlich die Integration von Daten, Text und Grafik mit Audio, Animation und Video sowie die Interaktivität zwischen Benutzer und System vielfältige Problemlösungen mit hohem Nutzungspotential für den Anwender eröffnen.

Akzeptanzprobleme müssen gelöst werden

Entscheidend für den weiteren Erfolg des Multimedia- Gebrauchs ist die Erarbeitung der Programme durch spezifisch ausgebildete Fachleute und die Überwindung einiger Akzeptanzprobleme, die dem ganz großen Durchbruch noch entgegenstehen. So stellen beispielsweise Multimedia-Lösungen im Bereich betrieblicher Aus- und Weiterbildung den Großteil der heute bereits implementierten Applikationen in Westeuropa und den USA dar.

Sie befinden sich zumeist in Großunternehmen, die sich Multimedia-Projekte von 250000 Mark und mehr leisten können. Sinkende Hardwarepreise insbesondere für die Arbeitsplatz-Stationen werden hier, glaubt man den Marktforschern, für weiteres Wachstum sorgen. Auf der anderen Seite stehen aber die relativ hohen Kosten für die Erstellung kundenindividueller Lernprogramme. Die mittelfristig besten Chancen in diesem Bereich haben anwendungsbezogene Lernprogramme, die sich an einen größeren Kundenkreis, etwa bestimmte Berufsgruppen, wenden.

Marktforscher und Systemanbieter sind sich soweit einig, daß der größte Markt für professionelle Multimedia-Anwendungen in der betrieblichen und schulischen Aus- und Weiterbildung liegt. Steigende Ansprüche an die Qualifikation von Mitarbeitern, immer schneller werdende Innovationszyklen und Anpassung an neue Produktions- und Marktgewohnheiten setzen umfassende Weiterbildung voraus.

Nach einer Untersuchung des Baseler Marktforschungsunternehmens Prognos wird allein in Westeuropa die Zahl der Computer-based Training-Stationen (CBT) von derzeit etwa 20000 bis zum Jahr 1995 auf mehr als 70000 anwachsen. CBT-Lösungen

werden in Zukunft auch ein wirtschaftlicher Faktor bei der Aus- und Weiterbildung sein. So stehen PCs bereits jetzt an vielen Arbeitsplätzen, darüber hinaus verfügen zahlreiche Mitarbeiter über private PCs, auf denen sie auch zu Hause CBT-Programme nutzen können.

Die rasante Entwicklung der letzten Jahre sorgte auch beim Multimedia- und CBT-Anbieter M.I.T, Friedrichsdorf dafür, daß man sich voll auf PC-Kernsysteme konzentrieren konnte, die eine Einbindung von Standbild, Bewegtbild und Ton bieten.

M.I.T.-Geschäftsführer Reinhard Wehner setzt hier bereits seit zwei Jahren auf die "Digital- Video-Interactive-Technologie" (DVI), die der Mikroprozessor- Hersteller Intel vermarktet: "Da DVI die Möglichkeit bietet, Videobilder auf CD-ROM zu speichern und abzuspielen, können wir unseren Kunden eine kostengünstige Verteilung der Programme auf CD-ROM bieten - ein nicht unerheblicher Faktor bei der Vervielfältigung und Verteilung der Programme."

Früher steuerte der Lernprogramm-PC noch einen Videorecorder oder Bildplatten-Spieler an, um bewegte Bilder in das Lernprogramm einzubinden, eine technisch aufwendige Lösung, die sich nicht an jedem PC-Arbeitsplatz einsetzen ließ und die schließlich auch noch ziemlich störanfällig war.

Mit DVI werden heute die Videofilme digital gespeichert - der Videorecorder wird in den PC geholt. Selbst große Datenmengen finden auf CD-ROM Platz. Besonders Unternehmen, die viele Mitarbeiter an verschiedenen Orten- möglicherweise auch noch in verschidenen Sprachen- schulen müssen, profitieren von DVI-basierten CBT-Programmen. Es entfallen nicht nur die Seminar- und Reisekosten für die Mitarbeiter, auch das Kopieren der Programme kostet nur noch einen Bruchteil soviel wie bei interaktiven

Lernprogrammen. Ein mit DVI- und CD-ROM ausgestatteter PC genügt als Lernstation.

Als einer der ersten deutschen Anwender realisierte BMW ein DVI-Pilotprogramm für die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter. Damit setzt das Unternehmen eine Linie in Aus- und Weiterbildung fort, die 1981 mit der Einführung von interaktivem Video in das Kundendienst-Training begonnen wurde. Der Erfolg dieser Lernsysteme war ausschlaggebend dafür, daß man sich schließlich auch für eine neue Technologie, nämlich CBT mit DVI, entschied.

Die erste Phase einer solchen Produktion besteht aus Autorenarbeit, genauer gesagt, der Erstellung der Programmunterlagen. Bereits hier ist ein intensiver Informationsaustausch zwischen Kunde und Entwickler über sämtliche Möglichkeiten des neuen Lernprogramms nötig.

Das Ineinandergreifen der verschiedenen Medien in einem System erfordert ein anderes Vorgehen als bei den früher üblichen Lösungen. Es muß gewährleistet sein, daß jeder der Teilproduzenten - Video-Hersteller, Grafiker, Programmierer, Pädagogen und Techniker - die Vorstellungen des Autors eindeutig versteht und von Anfang an einen klaren Begriff von der späteren Integration seines Produkts in das Gesamtprogramm hat.

Wie immer bei CBT bildet auch beim DVI-Programm das Drehbuch den ersten Schritt zum Ziel. Es faßt alle für den Bildschirmaufbau und den Ton wichtigen Elemente zusammen. Im Vergleich etwa zu einem Filmdrehbuch muß beim interaktiven Lernprogramm aber auf eine größere Zahl an Elementen geachtet werden: Schließlich kommen zum Bild auch noch Texte und Interaktionen. Während Zuschauer in einen Film in der Regel nicht eingreifen können, besteht beim DVI-CBT-Programm die Möglichkeit, je nach Wissensstand des Aus- oder Weiterzubildenden verschiedene Abläufe zu wählen.

Auf der Grundlage von Briefing-Gesprächen des CBT-Autors mit den Fachleuten von BMW nahm das Programm zunächst auf dem Papier konkrete Gestalt an. Entsprechend der Zielgruppen gliedert es sich in drei Teile.

1. Technischer Kundendienst: Hier geht es um Simulation von Arbeitsvorgängen. In diesem Teil können Mitarbeiter Einstell- und Reparaturarbeiten trainieren, indem sie auf dem PC grafisch simulierte Motor vorgänge interaktiv beeinflussen. Ein solches Üben an realen Motoren wäre teuer und nur mit personalintensiver Trainerbetreuung möglich.

2. Verkauf: Der User erhält hier eine Vorbereitung auf Verhaltenstraining. Am Beispiel des aerodynamischen Außenspiegels lernt der Verkäufer die Unterschiede zwischen Merkmal, Vorteil und Nutzen eines Produktes kennen. Mit diesen Kenntnissen will der Automobilbauer den Grundstock für ein weitergehendes Seminar.

legen, in dem die Teilnehmer die Techniken der Gesprächsführung trainieren.

3.Teilevertrieb: Die Anwendung bietet eine bildunterstützte Datenbank in Gestalt eines Teilekatalogs. Zu den einzelnen Teilen des M50-Motorblockes lassen sich detaillierte Informationen in Wort und Bild abrufen.

Drei Grundsätze gelten für alle Teile des Programmes: einfache Bedienung, kurze Sequenzen und Ausschöpfung der multimedialen Möglichkeiten.

Alles in allem entstanden Programmunterlagen für etwa 10 Minuten Video, 40 Minuten zweisprachigen Ton, 250 Standbilder, mehr als 100 Grafiken und 220 Computertext-Seiten. Auf dieser Basis erfolgte die Produktion der Video- und Audio-Passagen durch das mit der Arbeit an interaktiven Programmen vertraute Videostudio sowie die Erstellung der Grafiken durch Computergrafiker.

Erst fügt die Programmierung sämtliche zunächst separaten Teile zusammen. Die wichtigste Arbeitsgrundlage des Programmierers ist dabei das Ablaufdiagramm, das den Programmverlauf mit allen Verzweigungen und das Zusammenspiel der Einzelkomponenten aufzeigt. Darüber hinaus zieht der Programmierer weitere Unterlagen wie das Drehbuch, Schnittlisten oder Text- und Grafikvorlagen hinzu. Ein Vorteil der DVI-Technologie gegenüber Bildplatten-Programmen liegt unter anderem darin, daß sich alle Programmdaten auf der Festplatte der Autorenstation befinden und damit schon vor der Pressung der CD- ROM das komplette Endprodukt vorliegt. Dadurch werden Testläufe und Abnahme vereinfacht und beschleunigt. Die Erstellung der CD-ROM auf dieser Basis ist ebenfalls kein Problem.

Der Schweizer Handelskonzern Migros, mit 72 000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in der Schweiz, testet derzeit ebenfalls ein Lernprogramm auf DVI-Basis. Migros setzt bereits seit 1984 interaktive Lernprogramme auf Basis von Computern ein. Mit der DVI-Technologie hofft man in diesem Bereich Kosten und Zeit zu sparen.

Eine erste für Migros entwickelte Lern-CD enthält drei Lern- einheiten, die jeweils in vier verschiedenen Sprachen abrufbar sind. Zur Verfügung stehen Hochdeutsch, Schweizerdeutsch, Französisch und Italienisch. Damit befinden sich auf einer CD-ROM zwölf Programme, die früher zwölf U- Matic-Kassetten erfordert hätten. Damit ist die Speicherkapazität der CD aber noch nicht erschöpft.

Kostengünstiger als früher sind auch hier die Lernstationen. In der Regel genügt es, bestehende PC-Arbeitsplätze mit einer DVI-Karte und einem CD- Laufwerk aufzurüsten. Gegenüber den bisherigen Migros Lernsystemen entfällt der Einsatz eines U- Matic-Videorecorders.

Die neuen Programme vermitteln Basiswissen über das Unternehmen, verdeutlichen wichtige Maßnahmen im Brandfall und erläutern die notwendigen Hygienevorschriften in Großbetrieben.

Auch bei Bosch in Stuttgart testet man zur Zeit, inwieweit PC-gestützte Lernprogramme auf DVI- Basis für die Mitarbei- terschulung geeignet sind. Eines der Programme stellt das neue Fahrzeugsicherungs-System "Bloctronic" vor. Es zeigt die gefährdeten besonders die von Autodieben bevorzugten Bruchstellen an Fahrzeugen und erläutert, wie Bloctronic das Auto vor Diebstahl und Einbruch sichert und welche Basis-, Kompakt und Zusatzanlagen es gibt. Leistungsumfang der Anlagen, technische Details und Verkaufsargumentationen sind ebenfalls Programmbestandteile.

Ein weiteres Programm unterrichtet Techniker in der Anwendung des " Motronic"-Systems einschließlich Fehlersuche. Sie erfahren, wie das System in den einzelnen Betriebszuständen des Automotors Einspritzung und Zündung anpaßt, um beste Leistung bei niedrigstem Kraftstoffverbrauch und geringstem Schadstoffausstoß zu erreichen.

Das dritte Programm schult Mitarbeiter für den Bereich "Aktives Verkaufen". Das Personal lernt hier Techniken des Verkaufsgespräches und der Kundenberatung kennen : Kontaktaufnahme, Bedarfsermittlung, Produktpräsentation und Abschlußphase.

Schritt für Schritt werden Verkaufssituationen durchgespielt. Der Lernende muß selbst entscheiden, welchen Verlauf das Verkaufsgespräch nimm. Fehler werden aufgearbeitet und richtige Entscheidungen bestätigt.

Unternehmen, die solche Programme erstellen, haben in Zukunft nur dann eine reelle Marktchance, wenn sie den Schritt vom reinen Dienstleister zum Multimedia-Systemhaus wagen. So müssen sie ihren Kunden wesentlich mehr als die reine Produktion von Aus- und Weiterbildungsprogrammen bieten .

Die richtige Beratung und die didaktische Konzeption müssen in Zusammenarbeit mit dem Kunden erfolgen.

Ein Schulungs-Schema für alle Mitarbeiter

An jedem Multimedia-Projekt arbeitet beispielsweise bei M.I.T. ein Experten - Team. Dazu gehören der Projekt-Manager, der für Planung, Koordination und Durchführung des Auftrages verantwortlich ist, der Autor der didaktischen Konzeption, Grafikdesigner für das Layout und die Gestaltung der Bildschirmmasken, das Video- Produktionsteam sowie der Programmierer, der die Koordination und Programmierung der audiovisuellen Elemente übernimmt.

Dieser hohe Aufwand macht CBT-Programme dann auch ziemlich teuer. Kosten von 250000 Mark und mehr für eine Anwendung sind keine Seltenheit. Demgegenüber stehen aber die Kosten für konventionelle Weiterbildung. Gerade Großunternehmen müssen hier bedenken, welcher Aufwand nötig ist, alle Mitarbeiter zu Schulungen zu schicken.

Ein gut konzipiertes CBT-Programm ist dann doch um ein vielfaches wirtschaftlicher. Besonders in Unternehmen, wo die Mitarbeiter über einen PC-Arbeitsplatz verfügen, können die Weiterbildungsmaßnahmen an Ort und Stelle und zum günstigsten Zeitpunkt erfolgen. Ein weiterer Vorteil: Alle Mitarbeiter werden nach dem gleichen Schema geschult und nicht von verschiedenen Trainern mit möglicherweise unterschiedlichem Kenntnisstand.

*Michael Wojatzek arbeitet als Journalist in München.