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08.10.1999 - 

Michel-Institut untersucht neue Berufe

Multimedia-Jobmarkt: Viele Generalisten, wenig Spezialisten

MÜNCHEN (CW) - Die Produktion von Multimedia-Anwendungen zählt in Deutschland zu den begehrtesten Tätigkeiten für kreative, computerversierte junge Leute. Bereits jetzt beschäftigen Multimedia-Agenturen rund 30000 Mitarbeiter.

Nach einer Studie, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Auftrag gab und vom Michel-Institut in Essen angefertigt wurde, verdoppelten sich die Arbeitsplätze in Multimedia-Agenturen zwischen 1996 und 1998. Befragt wurden rund 200 Agenturen sowie 80 Mitarbeiter. Das breiteste Angebot gibt es derzeit bei den Multimedia-Designern - dem einzigen Tätigkeitsfeld, das neben verschiedenen Hochschulstudiengängen auch durch den Ausbildungsberuf "Mediengestalter für Digital- und Printmedien" abgedeckt wird.

Etwa 90 Prozent der Mitarbeiter gehören den Tätigkeitsfeldern Konzeption, Design, Programmierung und Projekt-Management an. Die größte Gruppe bilden die Programmierer mit 31 Prozent, gefolgt von Designern (23 Prozent), den Konzeptionern (21 Prozent) und den Projekt-Managern (16 Prozent). Zu den übrigen neun Prozent der Multimedia-Spezialisten gehören Online-Redakteure, Systemoperatoren und Software-Entwickler.

Qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen bezeichnen die meisten Personalentscheider als "schwer" bis "sehr schwer". Als Ursache für den akuten Personalmangel in Multimedia-Agenturen gelten die "generalistischen" Qualifikationen der Bewerber. Sie verfügten über zuwenig Spezialkompetenzen und schraubten auch ihre Erwartungen an einen Multimedia-Job zu hoch. So müßten sich vor allem Einsteiger mit einem relativ niedrigen Anfangsgehalt bescheiden. Schließlich fehle es vielen ansonsten gut ausgebildeten Kandidaten an Teamfähigkeit, Eigenverantwortlichkeit, selbstgesteuertem Lernen, Kundenorientierung sowie Kreativität.

Multimedia ist ein Arbeitsmarkt für Akademiker. Vier von fünf Mitarbeitern haben - wie bereits laut einer 1996 erstellten Pilotstudie - eine Hochschule besucht, nicht selten ohne Abschluß. Daran dürfte sich nicht viel ändern: Rund 70 Prozent der Befragten Unternehmen sehen den Hochschulabschluß als Basisqualifikation an.

Aus insgesamt 80 berufsbiografischen Interviews geht hervor, daß steile, geradlinige Karrieren in Multimedia-Agenturen die Ausnahme sind. Bevor Spezialisten ihre jetzige Arbeitsstelle antraten oder ihre eigene Firma gründeten, brachten sie im Schnitt vier Sta- tionen in Ausbildung und Beruf hinter sich, auch mehr als sechs Etappen sind keine Seltenheit. Multimedia-Karrierewege verlaufen also eher "verschlungen" und entsprechen "Patchwork-Karrieren", die auch in anderen innovativen Branchen verbreitet sind. Eines haben jedoch nahezu alle Multimedia-Experten gemein: Lange vor ihrem Einstieg in die Branche haben sie sich - meist privat - mit dem Computer beschäftigt. Die Hauptgeschäftsfelder der Agenturen haben sich gegenüber 1996 erwartungsgemäß deutlich von Offline- zu Online-Produkten verlagert. Bei mehr als der Hälfte der Multimedia-Agenturen liegt der Schwerpunkt auf der Gestaltung von Internet-Auftritten. Dieser Geschäftsbereich löst die CD-ROM-Produktion ab, die 1996 noch am häufigsten genannt wurde.

Danach folgen Programmierung und Formatintegration sowie elektronische Kataloge und Datenbanken. Neue und stark prosperierende Marktsegmente sind Intranet-Anwendungen sowie Electronic Commerce, während Spiele und Business-TV nur eine nachgeordnete Rolle spielen.

Der Markt der Multimedia-Agenturen kennt nur wenige "Big Players", die eine umfassende Leistungspalette bereithalten. Das Gros der Agenturen hat weniger als 20 Mitarbeiter und ist bestrebt, sich zunächst in Nischenmärkten zu etablieren.

Kaum ein Wirtschaftszweig ist nach Einschätzung der Studie so expansiv wie die der Multimedia-Firmen. Allein im kurzen Zeitraum von 1996 bis 1998 hat sich die Zahl dieser Unternehmen - ausgehend von einem niedrigen Anfangsniveau - mehr als verdoppelt. Nach Schätzungen des Deutschen Multimedia-Verbands (dmmv) gab es Ende 1998 bereits zwischen 1200 und 1500 Unternehmen in der Multimedia-Kernbranche - nicht mitgerechnet Beratungsfirmen, Systemhäuser und Provider.

Ebenso expansiv ist das Wachstum am Arbeitsmarkt. Die Repräsentativstudie zeigt, daß allein in den zwölf Monaten von 1997 auf 1998 etwa 7200 neue Arbeitsplätze entstanden. Weitere 14000 werden zu den gegenwärtig 30000 voraussichtlich bis zum Jahr 2000 hinzukommen. Auch die Firmen in der jungen Multimedia-Branche werden immer größer. Im Durchschnitt hatte eine Multimedia-Agentur 1998 etwa 13 feste Mitarbeiter, im Jahr 2000 werden es bereits 23 sein.

Die Kurzfassung der Studie im Umfang von 40 Seiten ist erhältlich beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Bonn, Telefax 0228/4223462. Eine Langfassung erscheint im Oktober 1999 im Vistas-Verlag, Berlin.