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18.03.1994

Multimedia-Training rechnet sich ab 500 Lernern Teilnahmslose Teilnahme ist bei guten Programmen unmoeglich Von Eleonore Beinghaus*

Bildungsverantwortliche stehen derzeit vor der schwierigen Aufgabe, notwendige Schulungsmassnahmen moeglichst kostenguenstig, aber dennoch effizient zu realisieren. Nicht selten wird das multimediale Lernen mit Computer-based Training (CBT) als Alternative zur herkoemmlichen Schulung mit Trainern erwogen.

Die individualisierte Form des Lernens mit CBT bringt im Vergleich zur personalen Schulung in einer Lerngruppe einen Zeit-vorteil von eins zu drei. Diese Zeitersparnis schlaegt auf der Kostenseite in zweierlei Hinsicht po-sitiv zu Buche: Der Produktivitaetsausfall sinkt, und die Trainerkosten koennen reduziert werden. Da CBT in der Regel am Arbeitsplatz oder in betriebseigenen Lernzentren eingesetzt wird, entfallen zusaetzlich die Reisekosten.

Wer diese Kostenvorteile nutzen will, muss jedoch vorab nicht unerhebliche Summen investieren. Die Entwicklungskosten fuer eine Stunde multimediales Lernen, Video einbezogen, belaufen sich auf 120 000 Mark, ohne Video reichen schon 60 000 Mark. Die Anzahl der zu schulenden Mitarbeiter muss daher in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Auch hier gibt es Orientierungsgroessen. Demnach rechnet sich der Einsatz einer multimedialen CBT-Schulung mit Video ab 500 Lernern; ohne Video gilt CBT bereits ab 200 Lernern als kostenguenstiger**.

Diese Zahlen stellen natuerlich nur mittlere Werte dar. Letztlich ist im Einzelfall zu entscheiden, ob CBT einer personalen Schulung vorzuziehen ist. Diese Pruefung sollte jedoch nicht nur die Kosten der jeweiligen Schulungsmethode im Blick haben. Ein ganzheitliches Bildungs-Controlling beruecksichtigt auch zeitliche Rahmenbedingungen, Lern-erfolg sowie Lernerakzeptanz und - motivation. Dabei faellt die Bilanz fuer den Einsatz von CBT durchaus guenstig aus.

Wer wie der VW-Konzern vor der Aufgabe steht, 20000 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten moeglichst schnell in ein Anmeldeverfahren fuer den Grossrechner einzuweisen, kann mit CBT mehrere Vorteile nutzen. Zeitlich und raeumlich unabhaengig koennen viele Mitarbeiter gefahrlos die Anmeldung in einer simulierten Echtumgebung ueben.

Auch Aussendienstschulungen nutzen gern die Flexibilitaet der CBT- Methode. Bei der Sandoz AG Basel konnten die Aussendienstmitarbeiter auf diese Weise Kenntnisse ueber ein neues Produkt erwerben. Die CBT-Schulung kann zudem schnell und zentral an Produktveraenderungen angepasst werden.

Auch die Lerner selbst geniessen Vorteile, denn computergestuetztes Lernen ist selbstbestimmtes Lernen. Der Lerner entscheidet selbst, was wann gelernt und wie oft wiederholt wird. Teilnahmslose Teilnahme ist zumindest bei guten Programmen nicht moeglich. Der Lerner wird vielmehr interaktiv zum Lernerfolg gefuehrt (Man merkt sich am besten, was man selbst getan hat, vgl. die Abbildung). Er kann vertiefende Informationen ebenso abrufen wie weiterfuehrende Hilfen, und zwar ohne Druck und Kontrolle seitens der Gruppe oder des Trainers. Dieser Faktor sollte im beruflichen Umfeld nicht unterschaetzt werden.

Dass selbstbestimmtes Lernen die Lerneffizienz positiv beeinflusst, gilt als gesichert. Ebenso die Annahme, dass eine hohe Lernerakzeptanz eine wichtige Voraussetzung fuer den Lernerfolg darstellt. Eine abwechslungsreiche Darbietung des Lernstoffes sowie das Ansprechen verschiedener Wahrnehmungskanaele, zum Beispiel durch die Einbindung von Ton und (Bewegt)- Bildsequenzen, verbessert das Lernergebnis. Feedbacks geben dem Lerner unmittelbar Auskunft ueber seinen Wissensstand und im Fehlerfall Hilfen. Multimediales Training haelt dem kritischen Blick des Bildungs-Controllings also durchaus stand.

Wer in der Aus- und Weiterbildung von CBT profitieren moechte, wird allerdings vorab fragen muessen, ob die Methode den angestrebten Lernzielen ueberhaupt angemessen ist. Als besonders hilfreich erweist sich der Einsatz von CBT im DV-Bereich. Neben kognitiven Lernzielen, zum Beispiel Kenntnissen ueber den Leistungsumfang eines Programmpakets, eignet sich der Lerner auch das Handling an, zum Beispiel den Umgang mit Tastatur und Maus.

DV-Anwendungssimulationen kommen in der Regel ohne Video aus und rechnen sich daher auch. Statt DV-Lernprogramme mit Videosequenzen auszustatten, sollte lieber in ergaenzende personale Schulungsmassnahmen investiert werden. Dagegen wird die Einbindung von Videosequenzen unverzichtbar sein, wenn es um die Vermittlung kommunikativer Kenntnisse, zum Beispiel im Verkaufstraining, geht. Hier stoesst die CBT-Methode an ihre Grenzen: Der Computer kann nur sehr eingeschraenkt kommunizieren. Auf Gestik und Mimik reagiert er nicht. Wohl aber kann mit der Beobachtung und Auswertung von Gebaerden und Minenspiel durch multimediales CBT Basiswissen ueber Kommunikation vermittelt werden.

**Pausch, Rolf und Callies, Frank: Interaktive Medien Multimedia, in: Teletech, NRW-Landesinitiative Telekommunikation. Bd. 18, Ministerium fuer Wirtschaft,Mittelstand und Technologie des Landes NRW (Hrsg.), Duesseldorf 1993