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02.06.1995

"Multimedia ueber ISDN - sinnvoll oder ein teurer Spass?"

Das digitale Telefonnetz scheint noch laengst nicht alle Nutzer zu ueberzeugen. Dabei biete die "Datenautobahn fuer den einfachen Buerger" diverse Moeglichkeiten zur modernen Kommunikation, so die Anbieter von ISDN-Produkten.

Nicht nur vor den anfallenden Kosten schreckt so mancher zurueck. Multimediale Anwendungen mit Text, Bild, Grafik und Ton sind nur ueber entsprechende Medien realisierbar. Nationale und internationale Projekte wie das "Berkom" und die Forschungsvorhaben "Telematics" und "Acts" der Europaeischen Union haben sich dieser Problematik angenommen.

Auf der Basis von Breitbandnetzen (ATM) versucht man innovative Kommunikationsloesungen aufzubauen. Allerdings ist das derzeit von einigen Anbietern beschworene ATM noch in der Erprobung und fuer kommerzielle Anwendungen nicht einsetzbar sowie zu teuer. Grund: Die Produkte der Hersteller wie Switches etc. sind nicht kompatibel.

Trotzdem braucht man im Schmalbandnetz nicht auf multimediale Applikationen zu verzichten. Standardisierte Uebertragungen von Audio- und Videodaten sind in guter Qualitaet ueber ISDN moeglich - unterstuetzt durch die H.320-Familie, die den Transfer und die Codierung der Informationen regelt. Hinzu kommt, dass das digitale Netz, wenn in Deutschland auch noch nicht flaechendeckend, so doch weitraeumig zur Verfuegung steht. Vorteilhaft ist dabei, dass es unterschiedliche Produkte zur LAN-to-LAN-Kopplung gibt wie Bridges und Multiprotokoll-Router, die es dem Anwender per Internetworking ermoeglichen, bereits bestehende multimediale Loesungen in andere lokale Netze zu uebertragen.

So kann ein Nutzer ueber ein LAN A eine Videokonferenzschaltung von seinem Schreibtisch aus mit einem Partner des LAN B abhalten, ohne dass einer von ihnen seinen Arbeitsplatz verlassen muss. Und hier liegt der Hauptvorteil von Multimedia im digitalen Telefonnetz. Er sollte auch Zweifler ueberzeugen, die meinen, dass derartige Anwendungen "zwar nuetzlich, doch viel zu teuer" seien und Low- cost-Anwendungen gehobenen Anspruechen nicht genuegen wuerden.

Der finanzielle Aufwand ist dabei eher gering, da nur die normalen Telefonkosten anfallen. Die Datenuebertragung mit 64 oder 128 Kbit/s ueber ISDN spart jedoch Zeit und Geld. So kostet zum Beispiel die Uebertragung von 10 MB (verteilt ueber zwanzig Arbeitstage) mit Datex-P etwa 7000 Mark; per ISDN zahlt man nur etwa 300 Mark.

Die Caplan GmbH aus Berlin hat Konferenzsysteme verschiedener Hersteller, die etwa um die 10 000 Mark kosten, getestet. Ergebnis: Alle Anwendungen waren fuer den professionellen Einsatz geeignet. Waehrend es geringe Unterschiede in der Qualitaet der uebertragenen Bilder gab, zeigten sich groessere Differenzen bei den Zusatz-Features wie Lauffaehigkeit im Netz und Ausstattung der Telematikmodule (Dateitransfer, Faxen sowie Application-Sharing- Software).

Es koennen also nicht in erster Linie die Kosten der Grund sein, warum sich Multimedia via ISDN fuer viele noch "als ein kostenintensives Vergnuegen" praesentiert.

Christian Scheiter von der Teles GmbH in Berlin meint dazu: "Die CeBIT '95 hat Videokonferenzsystemen fuer das digitale Netz sicherlich zum Durchbruch verholfen." Allerdings bestehe dabei ein direkter Zusammenhang mit der ISDN-Multimedia-Foerderung durch die Telekom. Bis Ende Maerz dieses Jahres habe der Postriese die Installation solcher Loesungen mit 1200 Mark gestuetzt. Seit April seien es nur noch 800 Mark. Durch die Reduzierung der finanziellen Hilfe "agieren Interessierte jetzte bedeutend vorsichtiger".

Die meisten Anwender scheinen sich ueber das zur Verfuegung stehende multimediale Potential im digitalen Netz nicht klar zu sein. Nur um Blickkontakt mit dem Partner zu haben, "brauchen wir solche Verbindungen nicht", heisst es. Leider wird dabei uebersehen, dass solche Konzepte fast immer ueber eine Application- Sharing-Software verfuegen: Dokumente koennen zur gleichen Zeit und von verschiedenen Orten aus bearbeitet werden - ohne dafuer auf Dienstreisen gehen zu muessen.

Stichwort Euro-ISDN: Die Einfuehrung ermoeglicht auch die Zusammenarbeit mit dem internationalen Partner - und zwar auf kurzem und schnellem Wege. Branchen wie Bau, Druckwesen oder Gesundheitsdienst koennen vom Video-Conferencing profitieren.

So will die Caplan GmbH demnaechst ein medizinisches Telediagnosesystem ueber ISDN in vier Berliner Krankenhaeusern praesentieren. Das Produkt uebertraegt Roentgenbilder sowie Computertomografie und ermoeglicht Aerzten die Ferndiagnose.

Das digitale Uebertragungsnetz kann in der Industrie und Wirtschaft nutzbringend sowie kosteneinsparend verwendet werden. Dabei ist es keinesfalls eine exklusive Randanwendung. Wo die zeitkritische Uebertrag grosser Datenmengen verlangt wird, koennte interaktives Multimedia und ISDN eine ideale Kombination sein. Hinderlich ist dabei nur das derzeit kursierende Geruecht, dass die Telekom alle 1994 gestellten Antraege zu ISDN-Installationen erst bis Ende dieses Jahres bearbeitet haben will.

* Der Autor ist Mitarbeiter bei der Caplan Systemhaus fuer Daten- kommunikation GmbH in Berlin.