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26.04.1996 - 

Gastkommentar/

Multimedia wird Gesellschaft und Arbeitswelt grundlegend veraendern

These 1: Multimedia ist eine wichtige Zwischenstufe auf dem Weg zur opti- malen Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

Aehnlich wie beim Uebergang von textorientierten zu grafischen, mausbedienbaren Benutzer-Schnittstellen stehen wir mit Multimedia erneut vor einem Paradigmenwechsel. Multimedia ist allerdings nur ein Zwischenschritt zu einer dem Menschen wirklich angepassten Benutzer-Schnittstelle, bei der das Medium Computer nicht mehr wahrgenommen wird. Bei solchen Interfaces aus dem Bereich der virtuellen Realitaet wuerden wir uns in zwar computergenerierten, aber aus dem taeglichen Leben vertrauten dreidimensionalen Welten bewegen. Wenn wir heute einen Blick in die Forschungslaboratorien werfen, bekommen wir einen Eindruck von stereoskopischen Praesentations- und dreidimensionalen Interaktionssystemen wie 3D- Brille und Datenhandschuh.

Erste Anwendungen in den Bereichen Konstruktion und Medizin belegen die hervorragende Eignung dieser Schnittstellen zur Programmbedienung. Damit sie sich auf breiter Ebene durchsetzen, bedarf es jedoch einer Normierung und vor allem einer deutlich leistungsfaehigeren Hardware-Ausstattung, als sie heute im Privatbereich ueblich und erschwinglich ist. Aber auch beim Uebergang von textorientierten zu grafischen Benutzeroberflaechen waren die Ideen und Konzepte wesentlich schneller als ihre technische Umsetzung im Massenmarkt. These 2: Multimedia macht vor allem Sinn im Rahmen (weltweit) vernetzter Anwendungen. Isolierte Anwendungen sind nur Uebergangsloesungen.

Einen der ueberzeugendsten Beweise fuer das Potential von Multimedia-Systemen liefert uns das World Wide Web (WWW) im Internet. Die hohen Wachstumsraten im Netz der Netze sind nicht zuletzt auf die Attraktivitaet dieses Dienstes zurueckzufuehren. Alle Informationsanbieter, also auch Zeitschriften- oder Buchverlage, bei denen Aktualitaet und Medienvielfalt kritische Erfolgsfaktoren sind, werden auf die Praesenz in diesem multimedialen, internationalen Kommunikationsverbund nicht verzichten koennen.

Hier wird allerdings auch ein Engpass sichtbar: die Bandbreite der Uebertragungskanaele, insbesondere zu den Privathaushalten. Auch ein flaechendeckender Einsatz von Schmalband-ISDN wird den Anforderungen zukuenftiger Multimedia-Systeme nur uebergangsweise gerecht werden. WAN-Konzepte auf Basis von ATM stecken noch in den Kinderschuhen. Die CD-ROM ist nur eine Zwischenloesung.

These 3: Die massivste Veraenderung werden vernetzte Multimedia- Systeme im Arbeitsleben bewirken. Die Arbeit der Zukunft wird teilweise Telearbeit sein.

Heute sind bis zu 70 Prozent der Arbeitsplaetze im Verwaltungsbereich nicht mehr buerogebunden. Kommunikation und der Umgang mit Informationen erfolgt im LAN oder WAN. So gesehen ist es aus oekologischer und oekonomischer Sicht ein fast schon unverantwortlicher Anachronismus, dass immer noch Heerscharen morgens und abends im Verkehrsstau stecken und die Umwelt belasten, um im Buero das zu tun, was genausogut auch von zu Hause aus erledigt werden koennte. Der Verkehrsinfarkt und die damit verbundenen oekologischen Probleme lassen sich mit Sicherheit nicht durch ein Drei-Liter-Auto verhindern, schon eher aber durch den Ausbau der Datenautobahn zu den privaten Haushalten. Multimedia erlaubt die Dezentralisierung der Arbeitsorganisation durch synchrone Telekooperation.

Die Frage ist nicht, ob sich die beschriebenen Multimedia- Technologien als Benutzer-Schnittstellen von morgen etablieren werden, sondern eigentlich nur noch, wie schnell dies geschehen wird.