Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.03.1995

Multimediale Features durch grafisches User Interface Telekom peppt Datex-J-Service mit Internet-Gateway weiter auf

BERLIN (pg) - Die Telekom AG setzt alles daran, den juengsten Erfolg des Datex-J-Dienstes auszubauen. Mit der grafischen Benutzeroberflaeche "KIT" sowie dem Online-Zugriff auf Angebote im Internet hofft der Carrier, seinen Mehrwertdienst weiter aufzupeppen und fuer PC-Nutzer als Tueroeffner zur Multimedia-Welt vermarkten zu koennen. Ausserdem beabsichtigt die Telekom, kuenftig selbst als Anbieter von Inhalten in Datex-J und Internet aufzutreten.

Das jahrelange Sorgenkind der Telekom scheint kurz vor Ultimo den Sprung ans rettende Ufer zu schaffen. 1996, so die Vorgabe des Telekom-Vorstandes, muss der Dienst endgueltig schwarze Zahlen schreiben, soll er nicht eingestellt werden. Gegenwaertig deutet alles darauf hin, als koennten die Bonner dieses Ziel in die Tat umsetzen. "Wir werden 1995 noch leichte Verluste einfahren, 1996 aber den Break-even realisieren", sagte Eric Danke, Fachbereichsleiter Mehrwertdienste Text, Daten und Images gegenueber der COMPUTERWOCHE.

Btx-Pionier Danke koennte mit seiner Prophezeiung recht behalten. 1994 wuchs die Zahl der Datex-J-Teilnehmer um 43 Prozent auf 700000 Anwender. Unterdessen vermeldet der Telekom-Service bereits rund 730000 Nutzer - Tendenz weiter steigend. Damit sind in den letzten beiden Jahren seit der Umbenennung von Btx in Datex-J mehr Anschluesse hinzugekommen als in acht Jahren zuvor, seit Btx als oeffentlicher Dienst existiert.

Noch ein wenig Statistik: Derzeit erfolgen laut Telekom im Monat mehr als 13 Millionen Abrufe, wobei eine Session im Schnitt 15 Minuten dauert. Die Nutzungsdauer pro Abruf ist damit ruecklaeufig. Datex-J-Pabst Danke fuehrt diese Entwicklung auf die steigende Zahl privater Nutzer zurueck. Momentan wird der Online-Dienst des Carriers zu 60 Prozent von privaten Anwendern und zu 40 Prozent gewerblich genutzt. Mit dem juengsten Boom ist eine Aenderung des Nachfrageverhaeltnisses eingetreten. Vor kurzem dominierte noch die professionelle Anwendung.

Fuer die boomartige Entwicklung von Datex-J zeichnet nach Ansicht von Telekom-Vorstandsmitglied Horst Gellert der PC verantwortlich. Zunehmende Prozessorleistung und Speicherkapazitaet, die Verbreitung von CD-ROM-Laufwerken sowie Multimedia-Faehigkeit der Rechner haetten, so der Manager, die explodierende Nachfrage in Datex-J erzeugt. Mittlerweile seien rund 85 Prozent der Teilnehmer sogenannte PC-Nutzer - laut Gellert Nutzer im wahrsten Sinne des Wortes, weil sie "Aufgaben des taeglichen Lebens ueber das Medium Datex-J erledigen".

Der Vorstand nannte in diesem Zusammenhang Home-Banking, Home- Shopping, Telesoftware, den Zugriff auf Flug- und Bahnfahrplaene sowie oeffentliche Diskussionsforen. Mittlerweile werden, so die offizielle Telekom-Angabe, hierzulande ueber eine Million Girokonten ueber Datex-J gefuehrt und mehr als 500 Millionen Mark im Versandhandel durch Online-Bestellungen umgesetzt.

Um sowohl die Klientel der privaten als auch der professionellen Nutzer zeitgemaesser zu bedienen, planen die Bonner Strategen jetzt unter der Bezeichnung "Telekom Online" ein multimediales Facelifting ihres Info-Service. "Wir werden noch in diesem Jahr dafuer sorgen, dass Datex-J zu einem Multimedia-Dienst wird, der allen heutigen Anforderungen genuegt", kuendigte Gellert anlaesslich des Internationalen Pressekolloquiums der Telekom in Berlin an.

Ein Ziel des Carriers ist, die Online-Interaktivitaet des Dienstes sowie die Intelligenz und Speicherfaehigkeit des Endgeraetes in Telekom Online zu kombinieren. Das Unternehmen hat zu diesem Zweck mit der Industrie eine grafische Benutzeroberflaeche unter der Bezeichnung KIT - Kernel Software for Intelligent Terminals - entwickelt, die laut Gellert zur internationalen Standardisierung eingereicht wird.

Nachdem die Telekom seit Anfang 1995 ueber die bestehenden Verzeichnisse hinaus ein neues Navigationssystem anbietet, das Kunden ueber Rubriken gezielter zu Angeboten fuehrt, soll KIT mit der fensterorientierten Oberflaeche jetzt fuer noch mehr Komfort sorgen. Das grafische User Interface (GUI) bezieht die Ressourcen des PCs in vollem Umfang mit ein. Dabei werden nicht mehr wie bisher vollstaendige Seiten, sondern nur noch einzelne Objekte mit Text-, Grafik-, Foto- und Soundinformationen uebertragen. Laut Telekom sind auch kurze Videosequenzen moeglich. Die Objekte werden im PC gespeichert, so dass beim erneuten Aufruf eines Textdokumentes die Daten nicht mehr ueber das Netz transportiert werden muessen. Vielmehr erkennt der Rechner die bereits vorhandenen Daten und laedt sie direkt von der Festplatte. Dadurch werden Verarbeitungszeiten und Kommunikationskosten reduziert. KIT, das auf der CeBIT '95 als Betaversion demonstriert wird, soll bereits im Sommer allen Datex-J-Kunden als Decoder zur Verfuegung gestellt werden. Anbietern will die Telekom Tools zur Editierung liefern, um KIT-Anwendungen erstellen zu koennen. KIT wird laut Datex-J-Spezialist Danke zunaechst unter Windows lauffaehig sein, spaeter sollen GUIs fuer Apple Macintosh, OS/2 X-Window sowie OSF/Motif folgen.

Ein zusaetzliches Schmankerl fuer Datex-J-Teilnehmer plant die Telekom mit einem Internet-Gateway. Btx-Anwender sollen dadurch online auf Angebote im Internet zugreifen koennen. Nach der Messe in Hannover wird der Carrier ein Pilotprojekt starten, das noch 1995 in den Regelbetrieb uebergehen soll.

Mit diesem Angebot hofft Gellert, "Datex-J zum Information-Highway fuer jedermann" ausbauen zu koennen.

Ein Bestandteil des Internet-Portfolios im Zusammenhang mit Telekom Online wird eine E-Mail-Funktion sein. Jeder Datex-J- Teilnehmer erhaelt kuenftig eine Internet-Mail-Adresse, ueber die er weltweit erreichbar ist. Der Versand von Dateien direkt aus einer PC-Applikation auf Basis der verbreiteten Mail-Clients wird laut Telekom ebenso moeglich sein wie der Austausch von Nachrichten ueber das Internet oder den weltweiten X.400-Verbund. Neben E-Mail- Verbindungen streben die Datex-J-Verantwortlichen ausserdem Zugaenge zu den Internet-Diensten World Wide Web, Telnet, FTP sowie Usenet an.

Gegenueber der COMPUTERWOCHE raeumte Datex-J-Manager Danke ein, die Telekom beabsichtige, im Internet auch als Service-Provider aufzutreten. Die Integration von Internet in Datex-J werde ohne Preiserhoehung in den monatlichen Gebuehren von acht Mark enthalten sein. Unklar sei hingegen noch, welche Tarife der Netzbetreiber fuer die Services im Internet erheben werde. Laut Danke denken die Strategen ueber einen Zeittakt mit einer Tarifierung zwischen zehn und 15 Pfennigen pro Minute nach. Bei grossen Volumina schloss Danke eine Preisstaffelung mit niedrigeren Gebuehren nicht aus.

Der Decoder wird die Session zwischen Datex-J und Internet in TCP/IP umwandeln, erklaerte Danke das noetige Verfahren. In Sachen Browser ist allerdings noch keine Entscheidung gefallen. Mosaic in Lizenz zu nehmen sei fuer die Telekom als Service-Provider sehr kostspielig, erklaerte der Fachbereichsleiter. Die Telekom ueberlege deshalb, ein eigenes Navigations-Tool zu entwickeln.

Im Rahmen von Telekom Online wird der Netzbetreiber ferner bis zum Herbst 1995 alle 30 000 Netzzugaenge zu Datex-J auf mindestens 14 400 Baud aufruesten und in Ballungszentren sogar Sonderzugaenge mit 28 800 Baud installieren. Last, but not least wollen die Bonner kuenftig auch auf mehr Qualitaet im Datex-J achten. Geht es nach dem Willen von Gellert, wird das Gesamtangebot in Zukunft kein Sammelsurium zufaelliger Einzelofferten mehr sein. "Wir haben durch die Privatisierung jetzt die Moeglichkeit, selbst Inhalte anzubieten und Luecken im Angebot zu schliessen", skizzierte der Mann aus dem Telekom-Vorstand die neue Marschrichtung.