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23.10.1987 - 

36 Anbieter im Rechner-Verbund mit TCPIP:

MultiNET mit mehr Kommunikations-Facetten

MÜNCHEN - Am TCP/IP-Strang ziehen während der MultiNET-Schau auf der Systems (Halle 7 A) insgesamt 36 Anbieter. Mit von der Partie sind diesmal auch die Deutsche Bundespost und unter den Branchenriesen Nixdorf, NCR, Allen-Bradley, Apple sowie Big Blue. Auf der Basis des "Unix-lastigen" Protokolls TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol) werden eine Reihe neuer Netzwerk-Dienste und Datenfernübertragung aus dem LAN mittels X.25-Paketvermittluogsnetzen vorgeführt.

Der Devise treu bleibend, bereits vorhandene Standards zu verwenden, werden fertige Produkte der teilnehmenden Aussteller gezeigt. MultiNET selbst kreiert - wie ausdrücklich betont - selbst keine Normen. An dem gemeinsamen Netz mit mehreren Kabelsegmenten hängen Terminals, Minicomputer und Großrechner. Übertragungsmedien sind verdrillte Kupferadern, Koaxial- und Glasfaserkabel, die über Brücken miteinander verbunden sind. Die gemeinsame Hardware-Unterlage entspricht den Standards IEEE 802.3 und ISO 8802/3 (Basisband- und Breitband-Bus-LAN) sowie IEEE 802.5 (Basisband Ring-LAN).

Neben den ARPA-Diensten Telnet (virtuelles Terminal) nach dem MIL-Standard 1782 und der Datei-Übertragung FTP (MIL Standard 1780; DoD MIL Standards sind formale Normen des amerikanischen Verteidigungsministeriums) werden darüber hinaus auf dieser MultiNET-Schau zunächst der Dienst "Netzwerkfenster" oder auch "X-Windows" vorgeführt. Damit hat man nun die Möglichkeit, von einem Bildschirm aus mehrere Fenster zu unterschiedlichen Computersystemen zu öffnen.

X ist eine portable Fensterverwaltungs-Software, die von vielen Anbietern im Bereich leistungsfähiger Arbeitsplatzrechner als ein De-facto-Standard anerkannt ist. X unterstützt Bitmap-Bildschirme und wird auf unterschiedlichster Hardware implementiert. X-Windowing wurde im Rahmen des Athena-Projektes am MIT (Massachusetts Institute of Technology) auf dem Betriebssystem Berkeley Unix (bsd 4.2) entwickelt.

Mit dem neuen Netzwerk-Datei-System läßt sich ein Zusammenbinden von im Netz verteilten Dateien realisieren. Die Benutzer haben auf diese Art und Weise ein einheitliches Bild, wobei alle Platten beziehungsweise Massenspeicher im Netz umfaßt sind. Dazu MultiNET-Experte Helmut Schäfer von Hewlett-Packard: "Das ist schon etwas Außerordentliches. Unix ist da wahrscheinlich deutlich besser als die meisten anderen Betriebssysteme." Das Nekwerk-Datei-System wird über den PC und Minicomputer hinweg bis hoch zu größeren Systemen, also Superminis oder kleinen Mainframes, demonstriert.

Beim nächsten Dienst handelt es sich um die Prozeßkommunikation, die eine "Unterhaltung" zwischen den Programmen erlaubt. Benötigt wird diese Art der Kommunikation laut Schäfer besonders bei Applikationen, die praktisch 24 Stunden am Tag laufen müssen. Hinzugekommen sind auch elektronische Post - genannt SendMail - und Stapelverarbeitung im Netz, also die Möglichkeit zum Batch-Betrieb.

Die letzte wichtige Erweiterung gestattet es dem Benutzer, nicht nur über lokale Netze zu kommunizieren, sondern auch im weltweiten Verbund über X.25 zu vernetzen. Beispielsweise gelangt man per MultiNET über Datex-P zur Telecom. Zudem existieren Leitungen zu anderen Systems-Ständen, so zum Beispiel zu Apollo, DEC und HP.

Die Zahl der Knoten ist nach Angaben von Klaus Lipinski, dem MultiNET-Koordinator, auf rund 80 gestiegen. Die Zahl der Transceiver liege bei 100, und die Länge des verlegten Ethernet-Kabels betrage mehrere hundert Meter. Dazu käme "kilometerweise" Glasfaser von den Tischen der Einzelfirmen in anderen Hallen.

Neben den Rechnern, Monitoren, der Peripherie und den Leitungen steuern die Hersteller vor allen Dingen Spitter, Multiport-Repeater, Gateways, Router, Controller, Server, Remulatoren, Sternkoppler und Analysatoren bei. Eine Besonderheit auf dem MultiNET-Stand ist nach weiteren Angaben von Lipinski der 100-Megahertz-Ring FDDI (Fiber Data Distributed Interface). Solch ein Netz sei in diesem Jahr in Amerika überhaupt zum ersten Mal gezeigt worden, und auf der MultiNET-Show seien nun solche FDDI-Ringe auch miteingebunden.

Insgesamt gehen die MultiNET-Strategen von

15 000 bis 20 000 Fachbesuchern aus. Lipinksi: "Bedingt durch die Eintrittspreise und die Besuchszeiten von montags bis freitags rechnen wir hier ausschließlich mit Fachpublikum." Während der CeBIT seien rund 5000 Fachleute auf den Stand gekommen. Was die Kosten betrifft, so zahlt jede mitwirkende Firma 15 000 Mark, wobei alle die gleichen Rechte und Pflichten haben. Mit diesem Betrag seien alle Aktivitäten abgedeckt. Der Aufbau des Standes in Halle 7A war gegenüber der CeBIT mit wesentlich mehr Schwierigkeiten verbunden. Dazu Helmut Schäfer: "Wir sind dieses Mal aber auch deutlich professioneller. Das letzte Mal haben wir das gesamte MultiNET innerhalb von vier Tagen aus dem Boden gestampft."

Vor dieser Demonstration jedoch wurden innerhalb der Gemeinschaft Arbeitsgruppen gebildet. Dadurch konnten bestimmte Arbeiten delegiert werden, und die gesamte Organisation ließ sich auf diese Art und Weise vereinfachen. Dennoch gab es Probleme beziehungsweise einen kleinen "Nervenkrieg" mit der Messegesellschaft, da die Hallenstruktur geändert und damit zuächst die eigene Planung - so Lipinski - ad absurdum geführt wurde.

Eine Ausdehnung der Kapazitäten ist dem Vernehmen nach nicht geplant, obwohl insgesamt 54 Unternehmen ihr Interesse an der Teilnahme signalisiert hatten. Die MultiNET Interessengemeinschaft für herstellerübergreifende Vernetzung spekuliert, daß das eine oder andere Unternehmen, dessen Interessenlage bei MultiNET nicht ganz erfüllt wird, wieder abspringt.