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08.10.1993

Multiserver-Netzwerk unter Unix ersetzt Mainframe Knorr-Bremse lenkt den Host auf das Abstellgleis

MUENCHEN (ciw) - Vom Main- frame weg zu einer Client-Server- Konzeption unter Unix geht die Muenchner Knorr-Bremse AG. Der Unternehmensbereich "Brem- sen fuer Schienenfahrzeuge" spielt dabei die Vorreiterrolle fuer die neue, auf einer Geschaeftsprozess-Analyse basierenden DV-Strategie des Zulieferers.

Bis Anfang 1995 sollen alle Teilprojekte abgeschlossen, die neue Hardware installiert und nach einer Uebergangszeit der Mainframe abgeschaltet werden. "Wir loesen uns mit diesem Konzept von unserer zentralistischen, unflexiblen und zu teuren Mainframe-Architektur und integrieren in Unix-Netzen gleichzeitig technische, logistische und kaufmaennische Applikationen ueber alle unsere Werke", erlaeutert Wolfgang Stubenrauch, verantwortlicher IS- Manager bei der Knorr-Bremse.

Das "Logistik 2000" genannte Projekt hat nicht nur die Abloesung des IBM-Mainframes zum Ziel, sondern auch das Aus fuer die teilweise ueber 20 Jahre alten und in Assembler geschriebenen 4000 Individual-Programme.

Standardsoftware unter Unix heisst die Devise. Im PPS-Bereich hat sich Knorr fuer Manman/X von ASK entschieden. Der kommerzielle Teil soll mit bestimmten Modulen von SAP R/3 abgedeckt werden. "Auf die noch nicht fertigen PPS-Module von SAP R/3 konnten und wollten wir nicht laenger warten", sagt der DV-Leiter. Damit eines der wichtigsten Ziele der DV-Neuorganisation - die Schaffung eines gemeinsamen Datenpools - erreicht werden kann, einigte man sich bei Knorr-Bremse auf Oracle als zentrales Datenbank-Management- System. Welche Standard- software fuer das ebenfalls geplante technische Informationssystem verwendet wird, ist noch nicht entschieden.

Im Gespraech sind Produkte von Sherpa, Computer-Vision, VW-Gedas, Straessle und Hewlett-Packard.

Darueber, welche Hardware-Komponenten letztlich den IBM-Mainframe abloesen und die 400 Anwender in Deutschland unterstuetzen sollen, ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Geplant ist ein Multi- Server-Netz, das auf der obersten Ebene aus wahrscheinlich mehreren "Zentral"- oder Datenbank-Servern bestehen wird.

Die zweite Ebene stellen die "Abteilungsserver" dar; auf der dritten Ebene sind Endbenutzersysteme wie CAD-Workstations, PCs, Terminals und Drucker angesiedelt.

Dabei sollen die bisher schon vorhandenen Unix-Systeme wie der DEC-Alpha-Rechner und die IBM RS/6000-Systeme in der Niederlassung Berlin-Marzahn weiterverwendet werden. Entfernt werden duerfte allerdings das dort erst 1990 eingefuehrte PPS-System PKS-2000 von Straessle.

Nicht ausrangieren will das Unternehmen dagegen die bereits in Muenchen im CAD-Umfeld installierte Client-Server-Infrastruktur mit Sun-Systemen unter Solaris, einer CAD-Datenbank (Oracle) sowie mehreren PC-Novell-Netzen. Als gemeinsames Kommunikationsprotokoll hat sich Knorr-Bremse fuer TCP/IP entschieden.

"Die Informationsverarbeitung muss dem Trend unseres Geschaeftes, das sich in Richtung standortuebergreifender Verbundorganisation bei Entwicklung, Vertrieb, Logistik und Produktion entwickelt, Rechnung tragen", betont Stubenrauch. Die IT muesse deshalb flexiber, einfacher und wirtschaftlicher werden. Nicht zuletzt deshalb habe man sich fuer Manman/X von ASK entschieden, das aus dem PPS-System der hollaendischen Softwareschmiede Baan entstanden ist.

"Wir haben mit ASK einen weltweiten Rahmenvertrag geschlossen und erste Softwarelizenzen in Deutschland fuer Berlin und Muenchen sowie unsere spanischen Tochtergesellschaft bezogen. Weitere Lizenzen fuer Suedafrika, Brasilien und eventuell auch fuer den zweiten grossen Unternehmensbereich "Bremsen fuer Nutzfahrzeuge" mit seinen ebenfalls zahlreichen in- und auslaendischen Niederlassungen sollen folgen", berichtet der IT-Manager.

Allerdings werde im Fahrzeugbereich die Software noch daraufhin getestet, ob sie den spezifischen Geschaeftsanforderungen des Automobil-Zuliefersektors, wie beispielsweise Lieferabrufe und Electronic Order-Processing gerecht werde.

Zur Zeit haengt die DV dieses Unternehmensbereichs vom selben Mainframe und von denselben Assemblerprogrammen ab wie der Sektor "Bremsen fuer Schienenfahrzeuge". "Das hat uns unflexibel gemacht", erklaert Stubenrauch. "Damit sind die Geschaeftsprozesse fuer den einen wie fuer den anderen Bereich nur sehr schwer spzifizierbar gewesen." Deshalb kommt die DV-technische Trennung der beiden wichtigsten Geschaeftsbereiche der Knorr-Bremse nicht von ungefaehr.

Nach einer Geschaeftsprozessanalyse, die im vergangenen Jahr unter Moderation des Beratungshauses Diebold stattfand, wurde eine staerkere Divisionalisierung des Unternehmens beschlossen und in die Wege geleitet. Diese Massnahme machte Stubenrauch zufolge die Erneuerung der DV einfacher: "Weil wir fuer den Fahrzeug- und den Schienenbereich getrennte DV-Systeme aufbauen, koennen wir den sehr stark divergierenden Anforderungen aus den unterschiedlichen Geschaeftsprozessen von der DV her besser gerecht werden." Ausserdem verringere die Trennung der Bereiche die Zahl der Anwender und vereinfache damit den Einstieg in die Unix-Welt. Bis auf das technische Informationssystem, das der Fahrzeugbereich wahrscheinlich nicht benoetige, werde das System dort eine aehnliche Auspraegung haben wie im Schienensektor.

Das Einsparungspotential schaetzt Stubenrauch auf rund 30 Prozent gegenueber der herkoemmlichen DV.

Wichtiger ist fuer ihn und fuer das gesamte Unternehmen allerdings die effizientere Gestaltung der Geschaeftsprozesse, die von der DV moeglichst optimal unterstuetzt werden muessen: "Deshalb nennen wir das Projekt auch Logistik 2000 und meinen damit mehr die Organisation der Zukunft als das dazugehoerige DV- Instrumentarium."