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06.04.1984 - 

Grenze zwischen Anwendungs- und Systemprogrammierern verwischt:

Mumps-Flexibilität beugt Verzettelung vor

HAMBURG - In "Mumps" sieht die Hamburger Hafen- und Lagerhaus-Aktiengesellschaft (HHLA) seit 1975 die Grundlagen für ihre Eigensysteme und zugleich auch für sämtliche betriebsübergreifenden Computeranwendungen. Damit hat sich die HHLA nach eigenen Angaben für ein Systemkonzept entschieden, das zwar weltweit eine beachtliche Anhängerschaft hat, im Vergleich mit anderen Konzepten aber nicht gerade als Favorit gelten kann.

Die HHLA baute Mumps durch Eigenentwicklungen so aus, daß es jetzt die Voraussetzungen für eine flexible und wirtschaftliche Entwicklung von Anwendungsprogrammen erfüllt. Zunächst wurden bei den Hamburgern nur die eigenen Aufgaben durch Computer unterstützt. Seit einigen Jahren ist jedoch die systemtechnische Betreuung von Kunden in aller Welt ein ebenso wichtiger Zweck. Um das umfangreiche Know-how im gesamten Hafengeschäft zu vermarkten, gründete die HHLA 1978 die Hamburger Port Consulting GmbH.

Zunächst wurden bei den Hamburgern nur die eigenen Aufgaben durch Computer unterstützt. Seit einigen Jahren ist jedoch die systemtechnische Betreuung von Kunden in aller Welt ein ebenso wichtiger Zweck. Um das umfangreiche Know-how im gesamten Hafengeschäft zu vermarkten, gründete die HHLA 1978 die Hamburg Port Consulting GmbH. Die Informationsbedürfnisse ihrer Kundenbetriebe sind individuell von ihren Branchen und Geschäftsaktivitaten geprägt. Deshalb steht die HHLA bei jedem Kunden aufs neue vor einem Ziellkonflikt. Einerseits müssen die system- und programmtechnischen Lösungen individuell auf die Kundenforderungen zugeschnitten werden. Zugleich darf dieser Stil aber nicht zur unwirtschaftlichen Verzettelung führen. Ganz besonders gilt das in der Produktion von Anwendungssoftware. Dieses Problem verlangt ein modulares Systemdesign und ein methodisches Software Engineering.

Mumps ist Anfang der Siebziger in den USA entwickelt worden, ursprünglich für medizinische Aufgaben (Massachusetts General Hospital Utility Multi-Programming System). Das Grundkonzept des Ganzen ist die hierarchische Zuordnung von Datenelementen in Form einer Baumstruktur. Damit ließ sich aus Betriebssystem, Datenbank und Programmiersprache eine Einheit bilden. Alle drei Teile des Software-Systems bleiben ständig im Hauptspeicher der Computer resident und besetzen hier eine Kapazität von 80 KB.

In Hamburg wird Mumps auf Computern von Digital Equipment angewandt, die in der Aufbaustruktur und Größenordnung sehr unterschiedlich sind:

- Bei zwei VAX-Systemen mit 32-Bit-Architektur laufen alle Hauptanwendungen mit Mumps unter dem Betriebssystem VMS, so daß hier lediglich von den Datenbank- und Interpreter Funktionen Gebrauch gemacht wird.

- Bei vier PDP 1 1 /70-Rechnern mit 16-Bit-Architektur wird diese Software in ihrer originären Art als Einheit von Betriebssystem, Datenbank und interpretierender Programmsprache eingesetzt.

- Der Mikro Professional 350 ist unter Einsatz dieser Software erstmals mehrplatzfähig geworden. Hierbei können gleichzeitig bis zu acht Multiprogramming-Anwendungen ablaufen.

50 Prozent Zeitersparnis

Alle Lösungen sind ohne Vorbilder im eigenen Unternehmen herangereift. Solange man sich auf diese systemtechnische Basis ausschließlich im Container-Bereich stützte, setzte das Unternehmen in der Softwareentwicklung ein Team von fünf Mitarbeitern ein. Heute sind insgesamt 14 Mumps-Spezialisten am Werk. Sie alle sind Anwendungsprogrammierer, denn die Systemprogramme zeichnen den gleichen Lösungsansatz wie die Anwendungsprogramme vor.

Das Arbeitsergebnis sind bis heute rund 6800 Anwendungsprogramme und 1000 Systemprogramme. Sie alle laufen in 10 KB großen Partitions ab. In der herkömmlichen Programmentwicklung entfallen rund 50 Prozent des Aufwands auf die Konzeptionsaufgaben, der Rest auf die Programmierung selbst. Bei diesem Software-System ist der Aufwand in der Konzeptionierung wesentlich geringer, zum Beispiel in der Dateiorganisation und Datensicherung. Nach den Hamburger Erfahrungen braucht die Entwicklung von Anwendungslosungen, zusammen mit weiteren Einsparungen in der Programmierung, nur 50 Prozent der sonst erforderlichen Zeit.

Zum Grundsystem gehören einige Testhilfen, die sich schon aus den Eigenschaften einer interpretierenden Programmiersprache erklären. Wesentlich weiter gehen jedoch die Software-Tools bei der HHLA. Unter dem Namen Mustang (Mumps Software-Tools and Generator) sind in diesem Hause Programmierer-Werkzeuge entwickelt worden, deren Kern immer wieder ein komfortables Data Dictionary ist.

Das Dictionary ist zur Zeit noch projektorientiert aufgebaut. Später soll es integrativ eingesetzt werden. Es dient zur Definition der Informationsbausteine der Anwendungen und zur Abspeicherung der normierten Begriffe. Das Tool stellt damit in der Programmierung und Systemdokumentation einheitliche Regeln sicher. Es beugt aber nicht allein der Verzettelung vor.

So ist das Data Dictionary etwa durch Sortierprogramme ergänzt worden, die seinen Datenbestand nach Codes und den ihnen zugeordneten Bezeichnungen (freie Texte) auflisten, die Reiferenzcodes zur Anzeige oder zum Ausdruck bringen oder erweiterte Beschreibungen liefern. Mit dem Dictionary ist eine effiziente Verwaltung der Datenbank-Strukturen verwirklicht worden. Dieses Tool stellt sicher, daß die Records einer Datenbank ausschließlich aus den dokumentierten Strukturen bestehen.

Im Einklang mit den definierten Strukturen erzeugt ein selbstentwickelter Maskengenerator die Bildschirmformate. Dafür brauchen lediglich die Feldnummern und die dazu gehörigen Dictionary-Codes eingegeben sowie die Positionen der Felder auf dem Bildschirm festgelegt zu werden. Dieses Tool legt zugleich auch die Speicherplatze der Feldinhalte in der Datenbank fest. Individuell brauchen nur noch die logischen Prüfungen und die problemspezifischen Verarbeitungen programmiert zu werden.