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25.08.2000 - 

Neues Tool nutzt AOLs Instant-Messaging-Service

Musiktauschbörse Aimster verspricht Privatsphäre

MÜNCHEN (CW) - Die Download-Software "Aimster" erlaubt Nutzern des Chat-Dienstes "AOL Instant-Messaging" (AIM) den Austausch von Musikdateien. Was Nutzer möglicherweise erfreut, ist der Musikbranche ein Dorn im Auge. Der Online-Dienst hat jedoch noch keine Maßnahmen gegen Aimster ergriffen.

Der Prozess gegen die Internet-Musiktauschbörse Napster wegen des Vorwurfs der Urheberrechtsverletztung ist noch nicht in die entscheidende Phase gegangen - die Verhandlung ist für September anberaumt, da öffnet mit Aimster (www.aimster.com) eine weitere Online-Plattform ihre Pforten für den Musiktausch. Aimster basiert auf AOLs Instant-Messaging-Service AIM. Damit ist der Nutzerkreis auf die Anwender dieses Dienstes beschränkt, doch das sind nicht wenige: Laut AOL zählt AIM weltweit 61 Millionen registrierte User.

Für den Austausch von Musikdateien bedient sich Aimster, das von einer 15-köpfigen Gruppe von Programmierern aus Troy im US-Bundesstaat New York entwickelt wurde, des File-Sharing-Programms "Gnutella", das ebenfalls von einigen Millionen Surfern für die Weitergabe von MP3-Dateien genutzt wird. Im Gegensatz zu Napster, bei dem alle Anwender auf einen zentralen Service zugreifen, verwendet das Aimster-Programm nur die in der "Buddy List" der AIM-Software eingetragenen Teilnehmer für den Datentransfer. Die Buddy List nutzen AIM-User wie ein persönliches Adressbuch, in das sie die Chat-Adressen von Freunden oder Bekannten eintragen. Diesen Sachverhalt machten sich die Aimster-Schöpfer zunutze. Ihrer Meinung nach bevorzugen Internet-Nutzer beim Austausch von Dateien eine gewisse Privatsphäre. Aimster-Anwender sollen sich gegenseitig einen Teil ihrer Festplatte für das File-Sharing zur Verfügung stellen. Sie können über eine Suchfunktion die Computer sowohl der in ihrer Buddy List geführten Aimster-Teilnehmer als auch die anderer Gnutella-Teilnehmer nach Musik-Files durchforsten und von dort Dateien laden. Allerdings ist es Gnutella-Nutzern nicht möglich, auf den PCs der Aimster-Anwender nach Musik zu suchen.

Überraschenderweise hat AOL noch nichts gegen Aimster unternommen, was insofern verwundert, als der Provider sich bisher mit allen Mitteln dagegen wehrte, seinen AIM-Service für andere Anbieter von Instant-Messaging-Diensten, wie beispielsweise Yahoo oder Microsoft, zu öffnen. Nun muss der Online-Gigant mit ansehen, wie Aimster den Chat-Service für die eigenen Zwecke einspannt. "Wir werden es nicht dulden, dass jemand unsere Systeme oder Software ohne Genehmigung nutzt", machte ein AOL-Sprecher die Position des Online-Dienstes deutlich, verband mit dem Statement aber keine Maßnahmen. Das Aimster-Team sieht sich auf der sicheren Seite. Schließlich versende sein Tool via AIM nur Datenpakete, und schon heute tauschten Nutzer der Chat-Software von AOL untereinander Dateien aus. Analysten rieten den Programmierern unterdessen, mit AOL zusammenzuarbeiten. Dies dürfte allerdings schwierig werden, denn der Online-Service verfolgt in Sachen MP3 eine restriktive Politik: Kürzlich löschte das Unternehmen die MP3-Suchmaschine auf der Website des Tochterunternehmens Nullsoft. Der Grund: Die Search Engine sei nicht in der Lage, zwischen legalen und raubkopierten Musikinhalten zu unterscheiden. Die Löschaktion war nicht uneigennützig, denn schließlich steht AOL kurz vor der Fusion mit Time-Warner, zu dem die Musiklabels Warner Music und EMI gehören. Zudem beäugen die Kartellbehörden in den USA und Europa den Zusammenschluss kritisch, weshalb sich der Online-Dienst ein Copyright-Verfahren erst recht nicht leisten kann.