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10.03.1989 - 

DV-Umschüler sollten sich von bombastischen Stellenanzeigen nicht abschrecken lassen, denn:

Mut und Kreativität sind oftmals schon der halbe Job

Immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik geraten die DV-Umschulungen. Den Arbeitsämtern fehlt es an Geld und Personal, die Bildungsträger denken nur an Auslastung, lauten die Vorwürfe der Betroffenen. Hohe Durchfallquoten bei den Prüfungen der Industrie- und Handelskammern lassen auch nicht gerade auf gute Beratungsqualität der Arbeitsberater beziehungsweise Ausbildungsinstitute schließen. Verwirrung stiften zudem die wohlklingenden, aber nichtssagenden Phantasie-Titel der Bildungsträger. Resultat: Viele Unternehmen sind an DV-Umschülern weniger interessiert, als es sich die Schulen aufs Panier schreiben. Deshalb sollten die ehemaligen Kursabsolventen Ihre Jobsuche mit Kreativität und Selbstbewußtsein angehen. Wenn sie durch ihre Persönlichkeit überzeugen können, haben sie den Job schon halb in der Tasche. Ein Ausweg aus der Weiterbildungsmisere läßt sich nur finden, wenn die Vertreter der Industrie, Bildungsträger und des Arbeitsamtes sich an einen Tisch setzen. In der Redaktion der COMPUTERWOCHE fand eine Gesprächsrunde zu dem Thema: Wie kann die DV-Umschulung verbessert werden?" statt.

Teilnehmerkreis der CW-Gesprächsrunde:

Dieter Ballin, Leiter Zentralbereich Produkte,

Peter Littig, Leiter Qualitätssicherung, beide Control Data Institut, München

Josef Hölzle, Referatsleiter Im Landesarbeitsamt Südbayern

Herbert Rotthauwe, Leiter DV-Aus- und Fortbildung, Veba Oel, Gelsenkirchen-Buer,

Bernhard Kaiser, Kitzingen, ehemaliger DV-Umschüler

Ulrich Pesch, Herrsching, ehemaliger DV-Umschüler

Ina Hönicke, CW-Redakteurin

- Vor der Entscheidung zur DV-Umschulung sehen sich potentielle Schüler zunächst einmal hilflos einem Berg von Ausbildungsangeboten gegenüber. Wer sollte den Betroffenen bei der Auswahl der DV-Schule zur Seite stehen, wie können sich künftige DV-Umschüler über Chancen und Risiken ihrer Ausbildung und ihres späteren Berufsweges informieren?

Ballin: Die wichtigste Informationsquelle sind Stellenanzeigen in den überregionalen Tageszeitungen und Fachzeitungen. Aus ihnen kann der Umschüler erfahren, wie das derzeitige Anforderungsprofil des DV-Mitarbeiters sowie das spätere Tätigkeitsfeld aussieht. Bevor sehr viel Geld in eine DV-Ausbildungsmaßnahme gesteckt wird, ist es nicht zuviel verlangt, wenn sich der Betroffene zunächst einmal über den Arbeitsmarkt schlau macht.

Rotthauwe: Ich kann diesen Ausführungen nicht zustimmen. Immerhin kommen die Umschüler, wenn sie vorher bereits einen Beruf gehabt haben, aus den unterschiedlichsten Gruppen. Da ist der Anstreicher genauso vertreten wie der Pädagoge. Die Teilnehmer sind einfach überfordert, wenn sie aus den Stellenanzeigen die erforderliche Qualifikation herauslesen sollen. Hier sind doch wohl eher die Bildungsträger selbst aufgerufen, durch Einführungsabende und Beratung Hilfestellung zu geben. Neue Umschüler sollten vor allem die Möglichkeit erhalten, mit ehemaligen Kursabsolventen über die Erfolgsaussichten zu sprechen.

Kaiser: Der Umschüler muß sich selbst darüber klar werden, was er eigentlich will und sich entsprechend informieren. Vom Arbeitsamt allerdings, das ja Ansprechpartner sein sollte, kommt nicht viel Hilfestellung. Aber es gibt auch die Möglichkeit, sich an ein Bildungsinstitut zu wenden und beraten zu lassen.

Hölzle: Ich bin durchaus der Meinung, daß das Arbeitsamt bei diesem Überangebot der Bildungsträger die Umschüler am ehesten beraten kann. Schließlich gibt es in diesem Markt eine Reihe von Scharlatanen, vor denen gewarnt werden sollte. Außerdem sollte nicht jeder Betroffene aufgrund der derzeitigen DV-Euphorie in diesem Bereich ausgebildet werden. Viele Arbeitslose - auch Akademiker - sind für eine DV-Ausbildung absolut ungeeignet.

Rotthauwe: Da ist doch der Wurm drin. Ich sitze im Prüfungsausschuß der Industrie- und Handelskammer (IHK) Essen-Ruhrgebiet. Dort liegt die Durchfallquote bei DV-Ausbildungsgängen allein zwischen 30 und 40 Prozent. Spricht das etwa für die Effektivität der Beratung durch das Arbeitsamt beziehungsweise der Ausbildungsinstitutionen? Interessant ist auch, welche Berufsvorstellungen die Kandidaten eigentlich haben. Durchweg wollen die Prüfungsteilnehmer in der zentralen Computer-Anwendungsentwicklung als Systemprogrammierer tätig sein. Doch in der Großdatenverarbeitung haben die DV-Umschüler gar keine Chance. Diesen Floh haben ihnen aber in den meisten Fällen die Bildungsträger ins Ohr gesetzt.

Pesch: Natürlich geht ein potentieller Umschüler zunächst einmal zum Arbeitsamt, um sich beraten zu lassen. Schließlich muß er ja die Finanzierung des Kurses sicherstellen. Immerhin wußte mein Arbeitsberater ein wenig über DV-Umschulung Bescheid. Wäre es nicht sinnvoller, wenn das Arbeitsamt mit der jeweiligen IHK zusammenarbeiten würde. Dann könnten die Kursinhalte und die Durchführung von Seminaren wesentlich besser kontrolliert werden. Schließlich wollen die DV-Schulen zunächst einmal nur verdienen. Dementsprechend werden ihre Bildungsberater versuchen, die potentiellen Umschüler zu manipulieren. Beratung durch das Arbeitsamt in Zusammenarbeit mit der IHK sowie mit Vertretern der Industrie wäre die beste Lösung.

Rotthauwe: Das müßte tatsächlich unser Ziel sein. IHK, Arbeitsamt und Industrie sollten zusammen ein Angebot auf den Markt bringen und publik machen, bei welchen Stellen sich der Interessent informieren kann. Der potentielle DV-Umschüler muß in Erfahrung bringen können, welche Marktchancen es gibt, welches Berufsbild für ihn in Frage kommt, welche Ausbildungsmöglichkeiten für ihn geeignet sind und wie die Arbeitswelt aussieht, für die er umgeschult wird.

- Apropos Berufsbild: Stiften denn die wohlklingenden, aber nichtssagenden Phantasie-Titel der DV-Schulen nicht Verwirrung oder werden gar als Marketingkonzept der Bildungsträger abgetan?

Littig: Die Ordnung der DV-Berufsbilder ist seit langem ein Problem. Es gibt in der Datenverarbeitung lediglich zwei geordnete Berufsbilder: den DV-Kaufmann und den Wirtschaftsinformatiker, beide mit IHK-Abschluß. Das größere Problem ist indes, daß wir in der Bundesrepublik traditionell ein sehr vielfältig geartetes Bildungssystem haben. Dadurch werden die Abschlüsse und die Prüfungsanforderungen zum DV-Kaufmann oder zum Wirtschaftsinformatiker unterschiedlich von den einzelnen IHKs gehandhabt. Es ist für alle Betroffenen überaus unerfreulich, wenn Vertreter dieser Behörde erklären, daß zwar alle IHK-Berufe neu geordnet werden. Es speziell beim DV-Kaufmann jedoch noch bis zum Jahr 2000 dauern kann, bis eine bundesweite Regelung vorliegt. Warum wird hier nichts getan?

Rotthauwe: An den hochtrabenden Berufsbezeichnungen ist die Industrie ebenfalls nicht ganz unschuldig. Aus der Putzfrau wurde die Raumpflegerin, aus dem Vertreter der Vertriebsbeauftragte, aus dem Programmierer der Datendesigner. Die Unternehmen sollten hier ehrlicher sein und die Behörden mehr unterstützen. Auf der einen Seite gibt es noch immer die Richtlinien zum DV-Kaufmann, die aus dem Jahre 1969 stammen, auf der anderen Seite werden die DV-Umschüler neun Monate lang in den alten Programmiersprachen ausgebildet. Wenn sich die Betroffenen bei einer Firma bewerben, werden sie gefragt, ob sie sich mit dem PC auskennen, ob sie Tabellenkalkulation beherrschen und ob sie das entsprechende Know-how über Datenbanken besitzen. DV-Kaufleute sollten aber auch kaufmännisches Wissen haben, sollten arbeitsplatzorientiert ausgebildet worden sein.

Ballin: Das öffentliche Bildungssystem ist nicht in der Lage, schnell genug Anforderungsänderungen in den DV-Tätigkeitsbereichen aufzunehmen. Die Produktzyklen betragen drei bis fünf Jahre, ehe sie der Anwender Oberhaupt einsetzt. Das Bildungswesen dagegen benötigt zehn bis dreißig Jahre für ein staatlich anerkanntes neues Berufsbild. Es gibt ferner viel zu wenig engagierte Anwenderunternehmen, die ihre Forderungen an die Bildungsträger herantragen.

Rotthauwe: Das ist wieder typisch. Immer abwarten, bis der andere auf einen zukommt. Bildungsträger, Arbeitsämter und Unternehmen sind alle zusammen aufgefordert, aufeinander zuzugehen. Nur so können wir etwas bewegen. Die Einstellung: "Ich sitze auf meinem Stuhl, wenn keiner daran wackelt, brauche ich mich auch nicht zu engagieren", kann für die Zukunft gefährlich werden.

- Wie reagiert eigentlich das Arbeitsamt, wenn Kursteilnehmer mit ihrer DV-Umschulung nicht zufrieden sind und wenig Aussicht auf Erfolg sehen?

Hölzle: In einem solchen Fall ist der Arbeitsberater gehalten, der Beschwerde nachzugehen, das heißt den Bildungsträger um eine Stellungnahme zu bitten. Leider sind unsere Mitarbeiter zeitlich häufig überfordert, jeden Lehrgang zu begleiten. Bei freien Maßnahmen sind unsere Möglichkeiten außerdem eingeschränkt. Einen großen Einfluß haben wir lediglich bei den sogenannten Auftragsmaßnahmen. Mit ein Grund für die Überforderung unserer Mitarbeiter ist die politische Entscheidung, der Bundesanstalt für Arbeit weniger finanzielle Mittel zu genehmigen und personell nicht mehr aufzustocken. Außerdem wird heuer im gesamten Bereich des freien Maßnahmeangebotes deutlich weniger gefördert. Vielleicht kommt es auch in der Vollförderung demnächst zu Kürzungen. Der Finanzdruck der Bonner Politiker auf die Bundesanstalt ist derzeit so stark, daß ich nicht an eine Verbesserung der Situation glaube.

Littig: Ein Kernproblem: Man kann nicht einerseits über Qualität reden und gleichzeitig die Kosten senken. Qualität kostet nun einmal einen gewissen Mindestpreis. Wir würden es jedenfalls begrüßen, wenn die Arbeitsämter die vom Bundesinstitut für Berufsbildung ausgearbeiteten Qualitätskriterien, die für Auftragsmaßnahmen gelten, auch bei allen freien Maßnahmen zur Anwendung bringen würden. Auf längere Sicht sollte das Thema Vermittlungsmonopol für AFG-geförderte Teilnehmer (AFG: Arbeitsförderungsgesetz) in Frage gestellt werden. Das Problem sieht doch so aus: Die Bildungsträger sind durchaus in der Lage, ihre Kursabsolventen an die richtigen Unternehmen zu vermitteln. Doch wenn der Absolvent ein Qualifizierungsprogramm mitgemacht hat, können wir ihm aus juristischen Gründen nicht weiterhelfen. Damit geht dem DV-Umschüler ein potentieller Arbeitsplatz verloren.

- Prima. Dann vermitteln Sie also nur "zufriedene" Absolventen?

Ballin: Das hat doch überhaupt nichts mit der Zufriedenheit der Teilnehmer an der Schulung zu tun. Bei dieser Anregung handelt es sich lediglich um einen Service der Bildungsträger. Für die Arbeitsämter, die viel Geld in die Fortbildung stecken, sollte die Überlegung doch zumindest überdenkenswert sein.

Hölzle: Das hört sich ja so an, als würden bürokratische Hürden die Vermittlung behindern. Dabei gibt es solche Kooperationen zwischen DV-Schulen und Arbeitsamt bereits. Der Vorschlag hat aber etwas für sich. Letztendlich wird es allerdings so sein, daß die Bildungsträger vor, allem die guten Leute, die sowieso leicht unterkommen, an die Unternehmen vermitteln. Mit den Problemfällen geben sie sich gar nicht erst ab. Die Betroffenen müssen also zum Arbeitsamt gehen, sind dadurch erst recht abgestempelt und haben überhaupt keine Chance mehr.

Ballin: Könnten denn nicht auch die Unternehmen künftig einen Teil der Finanzierung von DV-Umschülern übernehmen? Warum soll nur der Staat investieren? Dadurch würden Bildungsträger und Firmen enger zusammenarbeiten und die Ausbildungswege absprechen.

Rotthauwe: Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich die Industrie an der Finanzierung beteiligen wird. Viel wichtiger ist, Möglichkeiten ergänzend zu Umschulungsmaßnahmen anzubieten. Bei Veba Oel bedeutet dies, kostenlos ein Praktikum anzubieten. Finanzierung würde die Forderung nach einem beträchtlichen Mitspracherecht bei Bildungsmaßnahmen bedeuten - da sehe ich große Probleme.

Littig: Ein zusätzliches Betriebspraktikum ist eine gute Lösung. Allerdings setzt dies die Bereitschaft der Industrieunternehmen voraus, Nach meiner Erfahrung sind Firmen nur schwer dafür zu gewinnen. Die Erkenntnis, daß ein Betriebspraktikum vor allem bei der Personalauswahl für das Unternehmen von großem Vorteil ist, muß sich noch viel stärker durchsetzen.

- Der Arbeitsmarkt für DV-Mitarbeiter ist leergefegt. Wo bestehen die größten Engpässe, wie können die Unternehmen auf die immer knapper werdenden Mitarbeiterressourcen reagieren? Wo liegen die Chancen der DV-Umschüler?

Hölzle: Wir haben vor drei Jahren bei verschiedene n Kammern der IHK Südbayern eine Umfrage über den zukünftigen Qualifikationsbedarf der Wirtschaft durchgeführt. Das Ergebnis war niederschmetternd. Viele Unternehmen - erstaunlicherweise auch Großunternehmen - waren nicht in der Lage oder willens, diesen Bedarf zu definieren. Weder erhielten wir eine Antwort über die Anzahl der benötigten Mitarbeiter noch über die inhaltlichen Anforderungen an deren Qualifikation. Wie sollen wir also den Bedarf definieren? Die Leute werden fehlen - mehr wissen wir nicht.

Rotthauwe: Wir haben in unserem Konzern mit immerhin 70000 Mitarbeitern ebenfalls untersucht, wie der Bedarf in den nächsten Jahren aussehen wird. Es hat sich gezeigt, daß im Bereich der zentralen DV die Anzahl des benötigten Personals stagnieren wird, die Anforderungen an die Qualifikation indes zunehmen werden. Im PC-Bereich sehen wir hohe Zuwachsraten für engagierten und qualifizierten Nachwuchs. Für die Einführung flächendeckender Netzwerke und Kommunikationssysteme sind Informatiker gefragt. DV-Umschüler haben nur in den Fachbereichen eine Chance.

Ballin: Das Problem, in den Kernbereichen der DV eine Bedarfslücke zu haben, werden wir noch ein paar Jahre vor uns herschleppen. Bis heute weiß niemand, wo die pro Jahr benötigten 10000 DV-Profis, herkommen sollen. Die Hochschulkapazitäten reichen dafür nicht aus. Vor allem im Kommunikationsbereich kommen neue Berufe auf uns zu. Der Hauptwachstumsbereich liegt nach Zahlen der Bundesregierung in den sogenannten Mischberufen. Die Zukunft gehört der Verquickung von DV-Know-how mit anderen Berufsinhalten.

Rotthauwe: Derzeit bilden wir für die Rechneranlagen Jahrgang 1980 aus. Dabei wäre es dringend erforderlich, die Schulungen für die Bedürfnisse ab 1990 aufwärts auszurichten. Von den DV-Umschülern wird nicht Vergangenheits- sondern Zukunftsbewältigung erwartet. Künftig ist also nicht mehr Cobol wichtig, sondern Netzwerk-Know-how.

Pesch: Von der Industrie werden aber auch DV-Positionen gesucht, die es als Ausbildungsgang überhaupt nicht gibt. Ein Beispiel dafür ist der Informations Manager. Gesucht wird er seit einiger Zeit, aber die Inhalte dieses Berufes scheinen mir noch nicht klar definiert.

Littig: Das stimmt. Gerade beim Informations Manager weiß keiner so recht, was seine Aufgabe ist oder wer die Position bekleiden soll. Informations Manager kann der DV-Chef sein, der Job kann unterhalb des Vorstandes angesiedelt sein, kann aber auch zum Vorstand gehören. Wenn jetzt eine Ausbildung mit diesem Titel entstände, wäre dies unlauterer Wettbewerb.

Ballin: Noch zu Herrn Rotthauwe: Unsere Auswertung überregionaler Stellenanzeigen zeigt aber, daß Cobol mit Abstand an erster Stelle liegt, Trotzdem tragen die Offerten zur Verunsicherung unter den DV-Umschülern bei. Der potentielle Mitarbeiter soll zwischen 25 und 35 Jahre alt und Informatiker sein. Zusätzlich wird eine betriebswirtschaftliche Ausbildung und einige Jahre Berufserfahrung verlangt. Wie soll ein Kursabsolvent diese Qualifikationen bieten können?

Rotthauwe: Ich kann den potentiellen Bewerbern nur raten, sich von solchen bombastischen Jobofferten nicht abschrecken zu lassen. Wie entstehen denn diese Stellenausschreibungen? Die Mitarbeiter des DV-Bereiches haben seit Jahren gegenüber ihren Kollegen ein weitaus besseres Gehaltsniveau. Um diese hohen gehaltlichen Forderungen rechtfertigen zu können, werden anspruchsvolle Anzeigen konstruiert. Gesucht wird der Akademiker mit vielen Jahren Berufspraxis und einer Body-Building-Figur, damit er sich gegen die Anwender erfolgreich zur Wehr setzen kann.

Wenn nun ein Bewerber beim Personalleiter erkennen läßt, daß er die Offerte lediglich für eine utopische Wunschvorstellung des Unternehmens hält und seine Einstiegsleistung zu einem Einstiegsgehalt anbietet, hat er durchaus Chancen.

- Sind die Personalleiter wirklich so flexibel?

Rotthauwe: Die Personalleiter sind bei der Bewerbung lediglich eine Durchlaufstation. Ob der Mann geeignet ist, entscheidet letztendlich der DV-Leiter. Selbst wenn der DV-Verantwortliche ihn nicht gleich einstellen kann, so wird er ihn in die Kartei der potentiellen Mitarbeiter aufnehmen. Mein Rat an Jobsuchende ist der: Da das Arbeitsamt so gut wie gar nicht helfen kann, muß man seine Zukunft selbst in die Hand nehmen. Gehen Sie doch einfach an die Pforte und fragen, ob der DV-Leiter zu sprechen ist. Bloß nicht den Personalleiter verlangen, der wimmelt Sie sowieso ab. Wenn Sie dagegen bei dem DV-Chef einen guten Eindruck machen, haben Sie schon gewonnen. Sie müssen sich bemühen, müssen in Erscheinung treten, die Initiative ergreifen. Eine DV-Umschulungsmaßnahme hilft nur dann weiter, wenn .Sie in der Lage sind, durch persönliche Qualitäten zu überzeugen.