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Damit die Mauern zwischen IT- und Fachabteilung einstürzen

Mutige Führung: Der CIO muss sich ins Kreuzfeuer begeben

04.02.2000
Deutsche Chefetagen entdecken die Position des Chief Information Officer. Wer dafür geeignet ist und welche Aufgaben ein CIO hat, wollte Ina Hönicke* von Daniel Hartert, oberster IT-Verantwortlicher der Bertelsmann AG in Gütersloh, wissen.

CW: Langsam wird der Titel des Chief Information Officer in Deutschland populär. Seine Aufgaben scheinen allerdings nicht genau definiert. Was hat ein CIO eigentlich zu tun?

HARTERT: Zu seinen Kernaufgaben gehört die Entwicklung einer IT-Strategie, die sich hundertprozentig an den Geschäftszielen des Unternehmens orientiert. Diese Ziele haben in der Regel vielfältige Dimensionen - und Prioritäten können sich gemäß den Anforderungen des Marktes schnell verändern. Deshalb darf eine IT-Strategie kein starres Gerüst sein, sondern muss heute vor allem definieren, wie man schnell auf neue Situationen reagieren kann. Der CIO muss die Umsetzung der strategischen Lösung verantworten, nicht aber jede Komponente der Ausführung in seiner eigenen Organisation besitzen. Bei der enormen Komplexität der heutigen IT-Landschaften und dem wuchernden Zuwachs an Anbietern und Tools erreicht man Schnelligkeit und Professionalität gezielter über strategische Partnerschaften.

CW: Wer ist für die Position eines CIO geeignet?

HARTERT: Der Informatiker und der Wirtschaftsinformatiker gleichermaßen. Entscheidend ist, dass der CIO über einen Hintergrund im Bereich Wirtschaftswissenschaften verfügt. Dieses Know-how kann er sich entweder durch eine akademische Ausbildung angeeignet haben oder auch autodidaktisch. Ich wehre mich gegen die oft vertretene Meinung, dass Technikfachleute von der wirtschaftlichen Seite grundsätzlich keine Ahnung hätten. Dafür gibt es zu viele Gegenbeispiele. Umgekehrt kann der CIO über eine klassische BWL-Ausbildung verfügen und sich einen Technologie-Background über ein Nebenstudium oder seinen beruflichen Werdegang angeeignet haben.

CW: Welche Anforderungen kommen auf den CIO zu?

HARTERT: Meines Erachtens ist Leadership der wichtigste Faktor. Dazu gehört ferner der Mut, sich bei wichtigen Problemen auch selbst ins Kreuzfeuer zu begeben. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört es deshalb, Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen, vorrangig Fachabteilung und IT, zu einer effektiven Zusammenarbeit zu bewegen. Um das zu erreichen, muss der CIO für alle Beteiligten eine gemeinsame Vision definieren und die Skeptiker vom Erfolg überzeugen. Er übernimmt also die Rolle des Integrators, Motivators und Leaders.

CW: Bevorzugen die Unternehmen für die Position eines CIO eher einen bereits im Haus tätigen oder einen neuen Manager?

HARTERT: Das wird individuell gehandhabt. Grundsätzlich ist es aber nicht ganz ungefährlich, einen langjährigen Mitarbeiter aus den eigenen Reihen in die Position eines CIO zu heben. Schließlich will die Unternehmensleitung gerade in puncto Business-Prozesse und Technologieeinsatz neue Impulse erhalten.

CW: Wo ist der CIO angesiedelt?

HARTERT: Er zählt entweder zum Vorstand oder berichtet an ein Vorstandsmitglied.

CW: Wie arbeiten CEO und CIO zusammen?

HARTERT: Das hängt von der Größe des Unternehmens ab. Mit dem Vorstandsvorsitzenden muss naturgemäß zusammengearbeitet werden, wenn konzernübergreifende Projekte oder Prozesse vorangetrieben werden sollen. Zum Beispiel sind Wissens-Management und interne Kommunikation ein Unternehmenskultur-Thema, das direkt vom CIO vorangetrieben werden muss. Wenn es sich aber um spezifische Themen des Buch- oder Musikgeschäfts handelt, werden sie nicht mit dem CEO der Bertelsmann AG, sondern direkt mit dem jeweiligen Vorstandsbereich besprochen.

CW: Wenn die IT immer stärker als strategischer Faktor gesehen wird, wie wirkt sich das auf das Verhältnis zwischen CEO und CIO aus?

HARTERT: Wenn ich einen Blick weiter in die Zukunft wage, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es aufgrund der immer größeren Technologie-Durchdringung irgendwann Unternehmen geben wird, in denen der CEO gleichzeitig die CIO-Funktion wahrnimmt. Bei vielen CEOs der Internet-Startups handelt es sich doch um technologisch versierte Manager, die die Strategie ihrer Company auf Basis von Technologie-Know-how und Ideen definieren. Hier ist es also möglich, dass der CEO gleichzeitig der CIO ist.

CW: Muss ein Unternehmen, das die Position eines CIO schafft, die IT-Organisation anders aufbauen?

HARTERT: Nehmen wir einmal den Fall an, aus einem klassischen IT-Manager wird ein CIO. Hier ist es dringend erforderlich, die Organisation zu überholen, wenn nicht gar neu zu strukturieren. Schließlich gibt es in vielen IT-Organisationsstrukturen noch immer die traditionelle Aufgabenteilung. Das heißt, die eine Mitarbeitergruppe ist für die Netzwerke, die andere für die Datenbankadministration, die dritte Gruppe für die Software zuständig. Der CIO muss dafür sorgen, dass es in der neuen Organisation IT-Competence-Center mit spezifischem Business-Know-how gibt. Die Leiter dieser Einheiten sollten beim internen Kunden voll in die Denk- und Strategieprozesse integriert werden, um weitblickend planen statt nur reagieren zu können.

CW: Welche Rolle nimmt ein CIO ein, wenn es um die Zusammenarbeit zwischen IT- und Fachabteilung geht?

HARTERT: Wie bereits erwähnt, muss er in erster Linie als Integrator fungieren. Darüber hinaus muss es sein Ziel sein, das IT-Verständnis der Fachabteilungen und das Business-Verständnis der IT-Profis zu erhöhen. Leider tun sich auch heute noch zwischen IT- und Fachabteilung große Gräben auf. Um diese zu überwinden, ist es dringend erforderlich, das Wissen der beiden Parteien auf Vordermann zu bringen. Fehlendes Know-how bedeutet in der Regel Verunsicherung und in letzter Konsequenz den Aufbau von Mauern. Meines Erachtens kann und wird es in Zukunft nicht mehr akzeptiert werden, dass beispielsweise ein IT-Mitarbeiter den Umsatz seines Unternehmens nicht kennt oder nicht weiß, wer die Hauptwettbewerber sind. Genauso muss ein leitender Mitarbeiter der Fachabteilung die Möglichkeiten einschätzen können, die sich durch IT-Einsatz ergeben. Durch Wissenszuwachs können die Gräben auf beiden Seiten überwunden werden.

CW: Welchen Stellenwert hat der CIO im Unternehmen?

HARTERT: Die Bedeutung des CIO hängt zum einen davon ab, ob seine Position an der richtigen Stelle angesiedelt wird. Um ein Beispiel zu nennen: Eine Reihe von CIOs sind nach wie vor dem Chief Financial Officer (CFO) zugeordnet - das halte ich für falsch. Der CFO hat in der Regel zu bestimmten Punkten seine eigene Sicht, die dann allzu leicht auf den CIO übertragen wird. Dessen Aktionsradius wird dementsprechend geringer. In jedem Fall muss sich der CIO einen wichtigen Teil seiner Wertschätzung selbst erarbeiten.

CW: Wie ist in Ihrem Unternehmen die Bereitschaft der Vorstandsmitglieder, sich mit IT-Themen auseinanderzusetzen?

HARTERT: Bei Bertelsmann ist sie groß. Aber auch generell hat sie in den letzten zwei, drei Jahren sehr zugenommen. Die IT wird heute in vielen Unternehmen als strategischer Faktor anerkannt.

*Ina Hönicke arbeitet als freiberufliche Journalistin in München.