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12.08.1983 - 

PCM-User erwarten von ihrem Hersteller:

MVS/XA- Praxisbeweis

PCM-Anwender lassen sich von dem "Schreckgespenst" MVS/XA (Extended Architecture) nicht mehr verunsichern. Inzwischen sehen sie den Einsatz des IBM-Systems frühestens in fünf Jahren als sinnvoll an. Nach Ansicht von Norbert Heinemann, Abteilungsleiter Systemtechnik am Kommunalen Gebietsrechenzentrum Starkenburg in Darmstadt, bedarf der finanzielle Aufwand der XA-Hardware-Umrüstung noch einer "ernsthaften, wirtschaftlichen Prüfung". NAS-User Dr. Heinz Rettenmaier, Leiter Org./DV bei der Zahnradfabrik Friedrichshafen AG, meint indes, daß die Anwender Entwicklungen und Tendenzen bei der "Erweiterten Architektur" dennoch sorgfältig verfolgen sollten, um ausgewogene Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können. Wie "Big Blue" müßten aber auch die PCMs ihre Fähigkeiten beim praktischen Einsatz unter Beweis stellen, sagt Peter Staiger, DV-Leiter bei der Pfanni-Werk Otto Eckart KG in München.

Norbert Heinemann Abteilungsleiter Systemtechnik Kommunales Gebietsrechenzentrum

Starkenburg, Darmstadt

MVS-XA mit seinen hochstilisierten Eigenschaften wie 31-Bit-Adressierung, der Bimodalen Operation, dem Dynamic Channel Subsystem, der neuen Trace-Einrichtung sowie der Page Protection läßt manchen Systemplaner um die Zukunftssicherung seiner Absichten bangen, denn noch immer sind nicht alle Aspekte in Planungen aufnehmbar.

Auf welche Installationen trifft das Problem MVS/XA eigentlich zu? Glaubt man den Marktforschern, so teilt sich der Einsatz von IBM-Betriebssystemen etwa wie folgt auf

(Stand Ende 1982):

40 Prozent DOS/VSE

24 Prozent MVS/MVS-SP

32 Prozent VM/370.

Sicherlich werden sich im Laufe dieses Jahres die Zahlen verschieben, denn man kann davon ausgehen, daß weitere Anwender in die MVS-Welt umsteigen werden. Grundlage für den Einsatz von MVS/XA ist entsprechend starke Rechner-Hardware, und zwar Rechner ab Größenklasse 3033.

Für die wenigsten der MVS/370-Benutzer ist heute und in absehbarer Zeit der Umstieg auf XA, selbst bei vorhandener Hardware der notwendigen Leistungsfähigkeit, überhaupt erforderlich; der finanzielle Aufwand der XA-Hardware-Umrüstung ist sicher ein sehr ernsthaft zu prüfender wirtschaftlicher Faktor.

Eine andere Überlegung sollte das Kosten/Nutzenverhältnis sein. Aus heutiger Sicht stellt sich die Beurteilung als sehr schwierig dar. Zu unterschiedliche Meinungen kursieren und erlauben keine gesicherte Aussage für eine bestimmte RZ-Umwelt. Hypothetische Annahmen können unter vermehrtem Kostendruck zu gravierenden Fehlentscheidungen führen.

Ausgehend von diesen Gesichtspunkten sollte es möglich sein, die Relevanz der erweiterten Architektur für den heutigen Zeitpunkt zu bewerten. Beruhigend ist es zu wissen, daß, wenn die Grenzen der mehr als 20 Jahre alten /370-Architektur erreicht werden, Wachstumsmöglichkeiten heute schon in Form von XA angeboten werden. So gesehen, darf XA eigentlich kein Planungsproblem mehr aufwerfen; es besteht nirgendwo Grund zu hektischen und damit problematischen Entscheidungen oder Maßnahmen. Bedauerlich ist es, daß trotzdem viele Benutzer diese Tatsache nicht erkennen.

Ob der Marktführer hier den Bogen überspannt hat, mag dahingestellt sein; vielleicht waren bei ihm die Konsequenzen auch nicht voll abgeschätzt worden. Insbesondere die Illusion der Performanceverbesserung ist zwar heiß diskutiert, aber nie so richtig bewiesen worden. Selbst bei IBM werden nach heutigen Erkenntnissen Werte von plus sechs Prozent bis minus sieben Prozent, je nach Installation, gehandelt. Die XA-Vorteile sind also auf anderen Ebenen zu suchen.

Die PCMs haben allesamt grundsätzliche Verfügbarkeiten genannt; so garantierte NAS dies bereits drei Monate nach der IBM-Ankündigung (Das KGRZ Starkenburg hat eine NAS 7000N im JES3-Verbund mit einer IBM 3031 eingesetzt).

Ob die Anwender sich von der Situation noch beeindrucken lassen, dürfte schwierig zu bewerten sein. Man sollte jedoch davon ausgehen, daß die Zusagen der IBM-kompatiblen Unternehmen eingehalten werden. Die Praxis im Mixed-Hardware-Bereich hat dies bisher unter Beweis gestellt. Es wäre jedoch wünschenswert wenn die PCM-Industrie mehr Aufklärung betreiben würde, um bestehende Unklarheiten oder Unsicherheiten abzubauen.

Peter Staiger, DV-Leiter, Pfanni-Werk Otto Eckart KG, München

Im Hause Pfanni betreiben wir derzeit eine IBM-Anlage 4341 M2 mit den Betriebssystemen VM und DOS/VSE. Wir haben uns also nur theoretisch mit dem Einsatz von MVS und den Möglichkeiten von MVS/XA beschäftigt.

Die Vorteile von MVS/XA liegen unserer Ansicht nach darin, daß physikalisch größere Adressräume verwaltet und eine dynamische Kanalzuordnung vollzogen werden kann. In diesem Zusammenhang glauben wir nicht, daß die Anwender sich PCM-Produkten gegenüber grundsätzlich zurückhaltend zeigen. Der Fremdlieferant, vor allem der Hersteller von Zentraleinheiten, muß jedoch seine Fähigkeiten auch beim praktischen Einsatz von MVS/XA unter Beweis stellen können.

IBM bestimmt auch bei PCM-Produkten die technische Entwicklung und den Markt, vor allem durch das Handling der Systemsoftware. Es ist uns nicht bekannt, daß ein Hersteller von PCM-Produkten oder fremden Zentraleinheiten in dem große Bereich MVS mit eigener Entwicklersystemsoftware IBM-kompatibel auf dem Markt ist. "GIendale", von "Datamation" bereits in diesem Frühjahr angekündigt, dürfte den Herstellern von Zentraleinheiten und den PCM-Anbietern nicht nur Freude bereiten.

Dr. Heinz Rettenmaier, Org./DV-Leiter, Zahnradfabrik Friedrichshafen AG, Geschäftsbereich

Friedrichshafen

Mit der Entwicklung von MVS/XA für den oberen und mittleren Großsystembereich verlagert IBM verschiedene Funktionen des Betriebssystems auf Mikrocode-Ebene und paßt die System-Software an die neue Hardware-Technologie an. Beides dient der Performance-Verbesserung. Außerdem kann man davon ausgehen, daß damit auch vertriebspolitische Ziele im schärfer gewordenen Wettbewerb mit PCM-Lieferanten verfolgt werden.

Die Anwender müssen derartige Entwicklungen und Tendenzen auf jeden Fall verfolgen und sorgfältig beobachten, um für den eigenen Bereich ausgewogene Entscheidungen treffen zu können. Für die Zahnradfabrik Friedrichshafen AG stellt sich die Problematik MVS/XA heute folgendermaßen dar:

Bereits 1975 haben wir mit Magnetbandeinheiten den ersten Schritt in Richtung

Mixed-Hardware unternommen. Unsere guten Erfahrungen ermunterten uns dazu, dieses Prinzip auch auf Magnetplatteneinheiten und Schnelldrucker auszudehnen. Bei zunehmendem Einsatz von Online-Anwendungen mit Ausrichtung auf Echtzeitverarbeitung entstand zwangsläufig eine erhöhte und unmittelbare Abhängigkeit der Benutzer vom EDV-System. Trotzdem haben wir bei den Terminals steckerkompatible Geräte und später sogar Mixed-Hardware im CPU-Bereich eingesetzt. Die insgesamt damit verbundenen Risiken decken wir durch ein Zwei-Maschinen-Konzept mit folgender Philosophie ab: Bei uns sind zwei etwa gleich starke Zentraleinheiten mit Aufgabenverteilung und Umschaltmöglichkeiten der Peripherie bei Schwierigkeiten im Einsatz. Einer der beiden Rechner ist ein PCM-Produkt. Wir verwenden von IBM Systemsoftware für Betriebssystem, TP-Monitor und Datenbanksystem.

Die wichtigsten Anforderungen für Mixed-Hardware/ PCM-Einsatz sind:

- 100prozentige Kompatibilität

- günstiger Preis bei höherer Leistung

- volle Flexibilität bezüglich Vertrag, Ausbaufähigkeit und Austauschbarkeit.

Als Umsteiger von das auf MVS glauben wir die Voraussetzungen für den Einsatz im mittleren bis langfristigen Bereich geschaffen zu haben. Beinahe 20 Jahre EDV-Entwicklung waren bei diesem Millionen-Projekt zu bewältigen. Mit 1401-Emulation, ISAM-Interface, 2701-Emulation, logischen Hardware-Abbildungen wie 3330 und 3350, PEP (Partitioned Emulation Program) und "Bridge" haben wir die ständigen Weiterentwicklungen im Hard- und Softwarebereich synchronisiert.

Wegen der Vielfalt an Änderungen und Erweiterungen muß der Benutzer seine Entscheidungen genau und fundiert treffen, was dazu führt, daß nicht jede Version und jedes Release implementiert wird. Dies wirkt sich vorteilhaft auf Zuverlässigkeit, Stabilität und erhöhten EDV-Service aus.

Wir benutzen derzeit das Betriebssystem MVS/SP in der Version 3. Als Spezialist für die Herstellung von Getrieben aller Art wissen wir, wie und wann unsere Produkte zu schalten sind. Dies ist übertragbar auf die EDV-Komponenten Hard- und Software.