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12.02.1988

MVSXB nur mit neuer Rechnergeneration sinnvoll

Der vermutete MVS/XA-Nachfolger MVS/XB ist für eine neue Generation von IBM-Rechnern ausgelegt. Das steht für viele Anwender außer Zweifel. Verbessern ließe sich einiges am derzeitigen MVS/XA: Mehr "Parametrisierbarkeit" und "Portabilität" sowie eine "umfassende Dialogschnittstelle" und die "Verlagerung von CPU-Last in die Peripherie" sind nur einige Punkte auf der Wunschliste von Walter Hinner, RZ-Leiter bei der Dortmunder Uhde GmbH. Aber diese Schwachstellen sind kaum Gegenstand der Gerüchte um MVS/XB. Udo Binz vom Rechenzentrum Südwest GmbH & Co. KG in Stuttgart spekuliert vielmehr: "Für bloße Verbesserungen würde eigentlich ein neues Release ausreichen." Dazu auch Helmut Weiß, RZ-Leiter beim ZDF in Mainz: "Den vollen Nutzen wird MVS/XB sicher erst auf einer Hardware entfalten, die noch nicht am Markt ist." Und Hans Bücker vom Landwirtschaftlichen Versicherungsverein Münster AG ergänzt: "Ich denke, daß MVS/XB neue Maschinen erfordert. Da wird die IBM ihre bisherige Politik fortsetzen."

Walter Hinner, Leiter des Rechenzentrums, Uhde GmbH, Dortmund

Zur Zeit setzen wir MVS/ XA in der Version 2.1.7 auf einer 3090/200 ein. Von einer offiziellen Ankündigung der IBM zu einem Betriebssystem MVS/XB ist uns nichts bekannt; an den Spekulationen darum möchten wir uns nicht beteiligen.

Für eine Verbesserung von MVS/XA haben wir eine Reihe von Vorschlägen: Zunächst könnten durch eine weitergehende Parametrisierbarkeit beispielsweise Systemgenerierungen herkömmlicher Art entfallen, wodurch entsprechende Vorteile hinsichtlich Zeit und Aufwand möglich würden. Mit einer größeren Portabilität, zum Beispiel auf die 9370, ließe sich doppelter Aufwand bei der Installation und Pflege unterschiedlich großer Systeme vermeiden.

Darüber hinaus könnte die Verfügbarkeit von MVS-Clisten zu einer erheblich flexibleren und einfacheren Implementierung von Installationsspezifika führen. Mit einer umfassenden Dialogschnittstelle für das MVS-Operating ließen sich Verständnisprobleme beheben und fehlerhafte Eingaben vermeiden.

Derzeit ist das Einbringen von Änderungen in zentrale MVS-Komponenten nur mittels eines Systemneustarts machbar; eine Testmöglichkeit, wie für die Linkliste gegeben, könnte zu enormen Zeit- und Flexibilitätsvorteilen führen. Während im Plattenbereich eine Verlagerung von CPU-Last in die Peripherie bereits weit verbreitet ist, steht für andere periphere Geräte eine entsprechende Lösung noch aus.

Durch erweiterte Adressierungsformen wäre eine zusätzliche Vergrößerung der Anwendungsbereiche möglich. Die Verteilung der CPU-Last auf eine noch größere Anzahl von Prozessoren sollte zusammen mit der nächsten Generation von Zentraleinheiten eine weitere Erhöhung der Parallelität und damit des Durchsatzes bringen.

Verfügbarkeit und Fehlerfreiheit eines neuen Betriebssystems müßten sich an denen der heutigen Versionen messen. Eine weitere Verbesserung der Stabilität ist Voraussetzung für die Einbeziehung in künftige Installationsentscheidungen.

Unsere Aussagen beruhen auf dem Kenntnisstand, den wir aus der derzeit installierten Version gewonnen haben. Für Mitte bis Ende 1988 ist geplant, das MVS/XA-Release 2,2 einzusetzen. Diese Installation soll gleichzeitig mit der Implementierung anderer Basissoftware-Komponenten wie VTAM Version 3 erfolgen. Sollte bis zu diesem Zeitpunkt ein MVS/XB von IBM angekündigt worden sein, werden wir sicherlich den Einsatz einer solchen Betriebssystemkomponente unter Kosten/ Nutzen-Gesichtspunkten einer Prüfung unterziehen.

Hans Bücker, Leiter Betriebssysteme, Landwirtschaftlicher Versicherungsverein Münster AG, Münster

Wünschenswert ist ein Nachfolgesystem für MVS/XA insofern, als die derzeitige Ausführung noch sehr viele Restriktionen hinsichtlich der Adressierung hat. Die des Adreßraums auf Beschränkung von zwei Gigabyte tut uns zwar noch nicht weh. Schlimmer ist aber, daß einige Anwendungen, zum Beispiel die I/O-Geschäfte, zum Teil unter 16 Megabyte bleiben müssen.

Kleine Unzulänglichkeiten gibt es auch im Security-Bereich. Außerdem sind bestimmte Funktionen noch nicht allzu glücklich gelöst. Zum Beispiel müßte die "Data-in-virtual"-Funktion ausgebaut werden - ganz zu schweigen von den allgemeinen Schwächen, die MVS/XA aufweist:

Wenn man seine Konfiguration verändert, muß man bis einschließlich Release 2.1.7 eine Generierung vornehmen, Das ist ziemlich umständlich; sinnvoller wäre hier eine Parametersteuerung. Im Release 2.2 wurde der Sys-Gen-Prozeß neu strukturiert und teilweise durch Parameter ersetzt. Aber es ist nicht einzusehen, warum Oberhaupt noch eine Systemgenerierung erforderlich ist.

Außerdem stört ungemein, daß gerade für Konfigurationsdefinitionen kein Online-Interface zur Verfügung steht. In dieser Hinsicht funktioniert in MVS alles noch nach Altväter Sitte.

Viel zu kompliziert ist auch der "Systems Resource Manager" (SRM). Ich kenne kaum einen Systemprogrammierer, der glaubhaft versichern kann, daß er sich mit dem SRM wirklich auskennt. Solch eine komplizierte Sache müßte auch einfacher lösen können.

Es gibt also noch jede Menge Bedarf für Verbesserungen der Handhabbarkeit.

Ob ein künftiges MVS/XB meinen Vorstellungen wesentlich näher kommen wird, zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.

Die Frage ist natürlich, uns ein solches neues Betriebssystem kosten wird. Schließlich kennen wir ja die Preispolitik der IBM. Zum Beispiel betrachte man nur einmal Preisunterschied zwischen IMS 1.3 und 2. 1: Das Release 3 der ersten Version kostet uns rund 10 000 Mark, die neu Version hingegen ungefähr 26 000 Mark im Monat. Dasselbe, fürchte ich, wird uns auch mit dem XB ins Haus stehen.

Mir ist nicht ganz klar, wann ein Hersteller eine Veränderung als neues Release und wann er sie als neue Version auf den Markt bringt. Von seiten des Anbieters wird gesagt: Solange wir nicht an den Grundfesten des Systems rütteln, ist es ein Release-Wechsel; eine neue Version sei hingegen dann fällig, wenn grundlegende Funktionen neu geschrieben wurden.

Was wahrscheinlich in eine neuen MVS-Version realisiert wird, ist die Möglichkeit, in größerem Ausmaß Dateien in den Hauptspeicher hineinzubringen - und zwar nicht nur ganz spezielle Dateien, sondern ganze Datenbanken wie beispielsweise DB2-Tabellen. Ein konkreter Anhaltspunkt dafür ist, daß dieser Weg mit VSAM bereits beschnitten wurde - nämlich in Gestalt der "Data-in-virtual"-Funktion.

Ich denke, daß MVS/XB neue Maschinen erfordert. Möglicherweise werden die 3090-Maschinen noch unterstützt, die 3084 mit Sicherheit aber nicht mehr.

Udo Binz, Leiter Systemprogrammierung, Rechenzentrum Südwest GmbH & Co. KG, Stuttgart

Selbstverständlich gibt es innerhalb des Betriebssystems MVS/XA eine Reihe von Komponenten, die stark verbesserungswürdig sind. Das ist allerdings nicht unbedingt nur gerade für dieses System charakteristisch; vielmehr ist es eigentlich in der gesamten MVS-Familie der Fall gewesen.

Beispielsweise stört bei MVS-Betriebssystemen insbesondere die Komplexität der Installation: Auch beim neuesten Release ist die Problem noch relativ umständlich gelöst; die Installation könnte also meiner Meinung nach wesentlich eleganter vor sich gehen. Das betrifft auch und vor allein die Integration von Peripherie-Einheiten.

Von dem Nachfolgebetriebssystem MVS/XB habe ich aus der Presse erfahren. Ich halte solch ein neues System nur dann für sinnvoll, wenn es an eine neue Rechnergeneration geknüpft ist. Ob das nun die "Summit" oder eine andere Maschine sein wird, ist hier nebensächlich.

Daß die IBM versucht, durch ein neues Betriebssystem die 3090-welt von den 308X-Rechnern zu trennen, scheint mir logisch. Die 308X-Maschinen sind ohnehin auf dem absteigenden Ast; ihre interne Hardwarearchitektur beruht auf der 370- 158 und ist deswegen nicht mehr zeitgemäß. Ich kann mir auch vorstellen, daß die normalen 370-Programme, die derzeit unter XA bimodal einsetzbar sind, dann irgendwann auch nicht mehr unterstützt werden.

Für bloße Verbesserungen innerhalb des Betriebssystems MVS/XA würde eigentlich ein neues Release ausreichen. Ein ganz neues Betriebssystem hingegen müßte vom Konzept her schon etwas vollkommen anderes anbieten.

Helmut Weiß, RZ-Leiter, Zweites Deutsches Fernsehen, Anstalt des öffentlichen Rechts, Mainz

Wir setzten MVS/XA auf einer 3084 ein und sind sowohl mit dem Rechner als auch mit dem Betriebssystem relativ zufrieden. Vor allem im Hinblick auf ein womöglich noch in diesem Frühjahr fälliges Nachfolgebetriebssystem ist es außerdem müßig, Verbesserungsvorschläge für das alte zu machen.

Daß es ein solches MVS/XB geben wird, habe ich bereits im Februar vergangenen Jahres direkt von der IBM erfahren. Innerhalb der Branche wird spekuliert, daß der Grund für die Entwicklung dieses Betriebssystems hauptsächlich in neuen Hardwarefunktionen zu suchen ist. Diese Funktionen, so munkelt man, kann MVS/ XA nicht unterstützen; oder vielmehr ist die IBM nicht bereit, sie noch in das alte Betriebssystem hineinzupacken.

Bereits jetzt kursieren Gerüchte, daß ganze Softwarefunktionen ausgelagert werden sollen. Das ist auch ziemlich plausibel, weil die Strategie der IBM und anderer Hersteller doch so aussieht, daß der Zentralprozessor soweit wie möglich entlastet wird. Das heutige MVS/XA kann meines Wissens nur vier Prozessoren bedienen; MVS/XB wird mit Sicherheit 8 oder 16 Prozessoren kennen.

In bezug auf die unterstützte Hardware sind verschiedene

Möglichkeiten denkbar: Vielleicht wird MVS/XB auf 3090-Rechnern eingesetzt werden können, die bereits unter MVS/XA laufen. Aber ich habe Grund zu der Annahme, daß dieses MVS/XB vor allem für die angekündigten neuen 3090-Modelle und für spätere Rechnergenerationen bestimmt ist. Denn erst mit einem dedizierten Prozessor und schnelleren Kanälen erhält ein neues Betriebssystem überhaupt einen Sinn.

Zwar gehe ich davon aus, daß MVS/XB anfangs noch auf den vorhandenen 3090-Rechnern läuft. Aber den vollen Nutzen wird es sicher erst auf einer Hardware entfalten, die noch nicht am Markt ist. Anders herum wird die IBM darauf achten, daß die neuen Rechnermodelle nicht mehr von dem alten Betriebssystem unterstützt werden. Damit dürften viele Leute sich auf diese Rechner stürzen.

Uns machen solche Ankündigungen jedoch keineswegs nervös.

Für die heutigen Rechner reicht MVS/XA allemal aus, wenn auch der Bedarf an Rechnerleistung ständig steigt. Wir müssen schließlich auch in Betracht ziehen, daß solch ein neues Betriebssystem eine ganze Stange Geld kosten wird. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, daß IBM hier etwas verschenkt. Mit wieviel Mehrkosten MVS/XB zu Buche schlagen wird, kann allerdings jetzt noch niemand absehen.

Was den Zeitpunkt der Marktfreigabe angeht, so bin ich ziemlich sicher, daß es bis dahin nicht mehr lange hin sein wird. Denn man liest allenthalben, daß die IBM Umsatz im Hardwarebereich braucht. Da nutzt es nichts, eine neue Maschine auf den Markt zu bringen, die MVS/ XA nicht mehr unterstützt, solange das entsprechende neue Betriebssystem noch nicht verfügbar ist. Denn so dumm, daß er einen Rechner kauft, für den es keine Software gibt, ist heute niemand mehr.

Ich bin also davon überzeugt, daß MVS/XB weniger ein Betriebssystem für die vorhandenen 3090-Maschinen ist, als vielmehr für eine künftige Rechnergeneration entwickelt wurde. Die Begründung dafür ist ganz einfach: Ein komplettes Betriebssystem zu schreiben, bedeutet für den Hersteller eine sehr große Investition. Und die Vergangenheit hat gezeigt, daß der Lebenszyklus eines Betriebssystems mehr als zehn Jahre beträgt.