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19.07.2002 - 

Open-Source-Trends/Auf der Linux-Welle populär geworden

MySQL - die Open-Source-Datenbank

München (ls) - Eins der erfolgreichsten Produkte in der Linux-Welt kommt aus Schweden. Es ist das relationale Datenbank-Management-System "MySQL" - Open-Source-, aber keine freie Software, kostenlos, jedoch nicht für jeden.

Relationale Datenbank-Management-Systeme (RDBMS) für Linux-Umgebungen gibt es etliche, von Oracle über Informix und Postgres zu Adabas D und Interbase, um nur einige zu nennen. Keines aber ist so verbreitet wie MySQL. Auf weltweit rund drei Millionen Computern soll das System der schwedischen Firma MySQL AB aus Uppsala laufen - obwohl es erst seit rund sieben Jahren erhältlich ist.

Im Mai 1995 erschien die Version 1.0 von MySQL im Internet. Den größten Teil der Software hatte der Finne Michael "Monty" Widenius geschrieben. Ein Vorbild war zu dieser Zeit "miniSQL" (später "mSQL"), ein Open-Source-RDBMS, das David "Bambi" Jones in Australien konzipiert hatte. Widenius gründete mit den Schweden David Axmark und Allan Larsson 1995 eine eigene Firma, just als der Linux-Boom einsetzte.

Die Skandinavier verfolgen ein in der Linux-Welt ungewöhnliches Modell. Sie veröffentlichen die Datenbanksoftware kostenlos im Quellcode unter der GNU General Public License (GPL), aber sämtliche Rechte am Code gehören ihnen. Wer Schwächen an MySQL entdeckt, kann sich per E-Mail melden. Die Firma behebt die Bugs und schreibt Verbesserungen der eigentlichen Datenbank. Bei Beiträgen von außen wird zunächst mit dem Entwickler ein Abkommen zur Übernahme des Copyrights abgeschlossen. Von der Community kommen vor allem Teile für die Datenbankumgebung, Tools und Interfaces.

Seine Ziele für MySQL hat das Unternehmen in sechs Punkten festgelegt: "Der SQL-Server soll sein:

- die beste und meistgenutzte Datenbank der Welt,

- verfügbar und erschwinglich für alle,

- einfach zu benutzen,

- ständig in der Weiterentwicklung, dabei gleichbleibend schnell und sicher,

- benutzerfreundlich und leicht zu verbessern,

- fehlerfrei."

Herausgekommen ist ein kompaktes RDBMS, das auch bei vielen Zugriffen sehr schnell und robust ist. MySQL trennt den Kern-Server vom Tabellen-Handler und erlaubt Transaktionsverarbeitung. Seine Struktur ist einfach, so dass es sich leicht an verschiedene Anwendungssituationen anpassen lässt. MySQL bietet jedoch noch keine Stored Procedures, sie werden mit der Alpha-Version von Release 5.0 ab Dezember dieses Jahres verfügbar sein. Es besitzt keine spezifischen Erweiterungen zur Verarbeitung von Objekten und speichert XML-Daten nur über Wrapper. Für die Datenbank gibt kaum grafisch aufgepeppte Entwicklungs-Tools; das Produkt ist auf professionelle Anwender zugeschnitten.

Die Skalierbarkeit von MySQL reicht durchaus für sehr große Anwendungen, aber es bietet nicht so viele Funktionen wie zum Beispiel die Oracle-Datenbank. "Wir stehen Features sehr zurückhaltend gegenüber, denn sie können die Stabilität und die Geschwindigkeit beeinträchtigen", erklärt Mårten Mickos, Chief Executive Officer (CEO) von MySQL AB. "Das beste Feature von MySQL ist, dass es keine hat. Es ist wie eine Wettkampf-Segelyacht: keine Extras, kein Mahagoni, sondern nur Eigenschaften und Dinge, die man für Höchstgeschwindigkeit braucht." Grüße an Oracle-Chef Larry Ellison.

Aufgrund seiner Eigenschaften hat MySQL seine größte Verbreitung im professionellen Umfeld bei Datenbanken zur Versorgung von Websites. Yahoo läuft teilweise auf dem Open-Source-System, obwohl das Unternehmen eine Corporate Licence von Oracle hat. Die Nasa hat für eine Web-Datenbank ein Oracle-System, für das ein teures Update nötig gewesen wäre, durch MySQL ersetzt. Das US Census Bureau versorgt seine Websites mit statistischen Informationen aus dem quelloffenen RDBMS. Beim Lebensmittel-Direktvermarkter Omaha Steaks steht MySQL zwischen der Website und einer AS/400-DB2-Transaktionsdatenbank im Backend. Das FBI, die US-Navy, die zypriotische Börse, MP3.com (Vivendi), Motorola, SGI, HP, Xerox, Texas Instruments, Telia und andere verwenden das Produkt aus Uppsala.

Unternehmenskunden haben in der Regel einen Supportvertrag mit den schwedischen Datenbankspezialisten abgeschlossen. Rund 40 Prozent seiner Einnahmen macht MySQL AB durch solche Dienstleistungen. 60 Prozent der Umsätze entstehen über Lizenzen, welche die Firma mit einem besonderen Modell erzielt: Wer MySQL quasi embedded in seine eigene kommerzielle Software implementieren, diese aber nicht unter der GPL veröffentlichen möchte, kann das RDBMS unter einer speziellen Lizenz bekommen.

Dass Firmen MySQL als Repository in die eigene Software integrieren, ist die bedeutendste Einnahmequelle der Schweden. Ericsson hat dieses Modell gewählt, Virage verwendet MySQL in Lernprogrammen, Peregrine in Asset-Management-Software, Coresense in E-Commerce-Lösungen. In "Lasso Professional 5", einer Engine für Websites mit großer Datenlast von Blue World Communications, steckt eine kommerzielle MySQL-Version. Gleiches gilt für Services des Internet-Providers SS8 Networks. Die Schweden haben inzwischen rund 10000 Kunden mit einer kommerziellen Lizenz.

Rund 20000 Downloads ihres RDBMS registriert MySQL AB durchschnittlich pro Tag. Das zwingt zu vorsichtiger Entwicklung, die das Fehlen von manchen Features der renommierten großen RDBMS erklärt. "Die müssen nicht zeigen, wie sie programmieren. Bei uns würde man schlechten Code sehen", sagt CEO Mickos. "Und wenn man weiß, dass man sich vor der Öffentlichkeit ausziehen muss, wird man saubere Unterwäsche und Socken ohne Löcher tragen."

Dem Geschäft ist die Zurschaustellung zuträglich. "Unseren Kunden ist es wichtig, dass sich so viele Anwender unser Produkt ansehen, viele davon bis zum Quellcode", meint Mickos. "Wenn wir eine neue Version herausbringen, wird sie schon am ersten Tag von 20000 Anwendern getestet. Was würde es kosten, ein Testlabor mit so vielen Testern zu unterhalten? Wir haben das größte Testlabor der Welt."

MySQL AB kommt gleichwohl mit rund 50 Mitarbeitern aus, die über die ganze Welt verteilt sind und vornehmlich via Internet zusammenarbeiten. Das Wachstum des Unternehmens ist allerdings stürmisch. Anfang 2001 hatte es noch rund 20 Mitarbeiter, die Zugriffe auf seine Website www.mysql.com stiegen im selben Jahr um 50 Prozent. Geschäftsergebnisse werden nicht genannt; nach eigenen Angaben arbeitet die Firma seit 1996 mit Ausnahme des Jahres 2001 profitabel und ist schuldenfrei. MySQL AB ist zu 75 Prozent im Privatbesitz der Gründer. Vier skandinavische Venture-Capital-Gruppen, darunter die ABN-Amro-Tochter Alfred Berg Industrifinans, halten die restlichen Anteile.

Zu den aktuellen geschäftlichen Zielen gehört der Aufbau regionaler Vertretungen. So wurde im Mai dieses Jahres eine deutsche Niederlassung in Nürtingen bei Stuttgart gegründet. Eine wesentliche Aufgabe besteht darin, das vor einem Jahr gestartete Partnerprogramm zur Kooperation mit lokalen IT-Unternehmen zu verstärken. Die Muttergesellschaft möchte durch eine Organisation für "Professional Services" die Beratung der Kunden verbessern.

In Uppsala steht die Weiterentwicklung von MySQL im Vordergrund. Das RDBMS soll mehr Features für "Mission-critical"-Anwendungen erhalten. Dazu gehören bessere Replikations- und Transaktionstechniken. MySQL soll Stored Procedures und Subselects erhalten. Damit verschiebt sich die Fokussierung des Systems. MySQL kommt immer deutlicher aus der Web-Nische heraus und wird zu einem Allzweck-Datenbanksystem.

Als Konkurrenz für Branchengrößen wie IBM oder Oracle sieht sich das Unternehmen gleichwohl nicht, seine Märkte sind vorerst Embedded- und Web-Anwendungen. Mickos: "Datenbanken sind mission-critical. Deshalb sind die Anwender bereit, dafür zu zahlen, aber auch vorsichtiger. Wir unterschätzen nicht den Aufwand, ein glaubwürdiger Lieferant für größere Firmen zu werden. Über Nacht wird uns das nicht gelingen."

Angeklickt

Die Datenbank MySQL erfreut sich nicht nur unter Entwicklern von Open-Source-Software großer Beliebtheit. Zehntausende Unternehmen verwenden sie, primär zur Unterstützung ihrer Websites. Sehr viele Softwareanbieter haben sie quasi embedded in ihre eigene Programme integriert.

Abb: Ein Produkt - zwei Lizenzen

Profitquellen von MySQL: Normalerweise steht das Datenbanksystem unter der General Public License. Aber wer es in eigene Software implementieren möchte, kann das gleiche Produkt unter einer kommerziellen Lizenz bekommen und braucht dann den Code nicht offenlegen. Dadurch kommt der schwedische Datenbankanbieter zu mehr als der Hälfte seiner Einnahmen. Supportverträge mit Geschäftskunden sind eine weitere große Umsatzquelle. Zunehmend gewinnen Einkünfte aus Training und Consulting an Bedeutung. In geringerem Umfang gibt es Einnahmen aus Kooperationen mit Partnern, welche die Marke MySQL nutzen dürfen. Quelle: MySQL AB