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MySQL-Zeichen stehen auf Enterprise

02.11.2006
Von Hermann Gfaller
Neue Services, Funktionen und vor allem die OEM-Schiene sollen die Open-Source-Lösung neben ihrer Domäne als Web-Datenbank auch als Plattform für unternehmensinterne Transaktionssysteme etablieren.
Je nach Anforderungen der Datenbank-Applikation können sich MySQL-Anwender für eine der dafür geeigneten Engines entscheiden.
Je nach Anforderungen der Datenbank-Applikation können sich MySQL-Anwender für eine der dafür geeigneten Engines entscheiden.

Spätestens mit der im Herbst 2005 ausgelieferten Version 5.0 von MySQL wurde die Orientierung an geschäftskritischen Anwendungen zur dominanten Firmenstrategie erhoben. Schon vorher hatte der Erfolg mit der hauseigenen Cluster-Technik den Weg gewiesen. Hinzu kamen klassische und von kommerziellen Produkten längst bekannte Business-Funktionen wie Stored Procedures und Trigger sowie die Unterstützung des SQL-Standards von 2003.

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Servicepaket für das Business

Nun hat MySQL auf einer Kundenveranstaltung in München seine Business-Orientierung erneut unterstrichen. Im Zentrum steht dabei, was das Unternehmen als "MySQL Enterprise" bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein kombiniertes Produkt- und Dienstleistungspaket, das je nach Anforderungen in die Varianten Basic (495 Euro pro Server im Jahr), Silber und Gold bis Platinum (3995 Euro) gestaffelt ist. Neu sind dabei vor allem die mit Beratung kombinierten Monitoring-Dienste, deren Umfang sich nach der Einstufung richtet. Beratungsleistungen gibt es nur für Gold- und Platin-Kunden.

Die Orientierung an Enter- prise-Belangen zeigt sich auch in den Produktplänen. So konzentriert sich die im Betatest befindliche Version 5.1 mit ihren Funktionen unter anderem für Tabellen- und Index-Partitionierung, Optimierung des XML-Handlings mit XPath und der Archive-Engine auf Business Intelligence. Das Thema Hochverfügbarkeit geht das Update über festplattengestützte Cluster à la Oracle, spaltenorientierte Replikation und Cluster-Replikation an. Verbesserte Management-Funktionen kommen beispielsweise in Form eines Task-Scheduler und eines Transaktionssupports für verteilte Systeme. In einer späteren Version soll es eine unter der Codebezeichnung "Falcon" entwickelte Transaktionsmaschine mit referentieller Integrität und voller Acid-Funktionalität geben (Acid steht für Atomicity, Consistency, Isolation und Durability).

Auf der Kundenveranstaltung signalisierten die Besucher hohen Bedarf an den Produktplänen von MySQL. Manchen Anwendern wie etwa dem Online-Shop neckermann.de kann es nicht schnell genug gehen. "Die Falcon-Transaktions-Engine mit den Acid-Eigenschaften, die erst irgendwann nach der Ver- sion 5.1 kommen soll, könnten wir schon heute etwa für Data Warehousing brauchen", meint zum Beispiel Jesus Villar-Rodrigues, Teamleiter für Backend-Web-Systeme des Versandhändlers. Er sieht MySQL längst auf Augenhöhe mit Mitbewerbern wie Oracle oder Sybase.

Selbstkritik

In dieser Einschätzung ist man bei MySQL selbst etwas vorsichtiger, noch seien hier Jahre an Erfahrung aufzuholen. Dennoch kann Kaj Arnö, Vice President der Open Source Community Relations und Geschäftsführer der MySQL GmbH, darauf verweisen, dass man in diesem Jahr Testläufe gegen IBMs DB2, Microsofts SQL Server sowie gegen 9i und 10g von Oracle gewonnen habe. Dabei handelte es sich allerdings vor allem um Anwendungen aus dem angestammten Web-Umfeld.

Als Zugpferd für unternehmenskritische Anwendungen hat sich die Cluster-Version der Datenbank erwiesen. Damit wird zum Beispiel die Multimedia-Plattform von Seat Pagine Gialle betrieben: Das Branchenverzeichnis umfasst - nach 1900 Kategorien geordnet - mehr als drei Millionen Unternehmen, auf die europaweit rund eine Million Kunden zugreifen. Täglich sind etwa 1,3 Millionen Visits und zwölf Millionen Datenbankabfragen zu bewältigen. Unternehmenskritisch ist auch der Webshop von neckermann.de, wo das MySQL-Cluster auf zehn Servern läuft und die anderen MySQL-Datenbanken (etwa für Produkt- und User-Daten) auf weiteren 22 Servern.

Die Cluster-Technik von MySQL zeichnet sich durch das Shared-Nothing-Konzept aus, das rasche Antwortzeiten bei Lesezugriffen garantiert, weil alle Daten im Hauptspeicher gehalten werden. Dieses Konzept hat allerdings einen Overhead bei Schreibzugriffen zur Folge, insbesondere wenn viele Knotenrechner in einer Server-Farm koordiniert werden müssen. Solche Server-Farmen sind bei MySQL die Regel, da man auf preiswerte Intel- beziehungsweise AMD-Plattformen und damit auf Scale-out-Architekturen setzt. Der Nachteil bei den Schreibzugriffen lässt sich beheben, weil MySQL zulässt, für die verschiedenen Aufgaben unterschiedliche Speicher-Engines einzubinden.

Dennoch vermissen einige Kunden ein Cluster-Konzept à la Oracle, bei dem alle Knoten auf denselben Festplattenspeicher zugreifen. MySQL hat zwar ein in Ansätzen ähnliches Konzept versprochen, doch dies will nicht so recht zur Ausrichtung des Unternehmens auf preiswerte Standardausrüstung (PCs, IP-Verbindungen etc.) und Scale-out-Architekturen passen. Das Shared-Storage-Konzept arbeitet meist mit aufwändigen SAN-Infrastrukturen auf Basis schneller, aber auch teurer Fiber-Channel-Verbindungen.

Schützenhilfe, um das Image der reinen Web-Datenbank loszuwerden, erhält MySQL von ganz anderer Seite. Das Unternehmen gewinnt unter Softwarehäusern immer mehr Kunden, die eine Datenbank für ihre Produkte brauchen. Rund die Hälfte der MySQL-Einnahmen stammt inzwischen von solchen OEM-Kunden. Zu ihnen gehören die von Infor übernommene Baan-Eignerin SSA Global und die Karlsruher Industrial Application Software GmbH (IAS).

Auf der Computermesse Systems in München hat auch der britische ERP-Konzern Sage angekündigt, MySQL nach und nach in seine Produkte zu integrieren. In Deutschland macht die von den Briten aufgekaufte Bäurer-Produktfamilie den Anfang, für die unter der Bezeichnung Bäurer Open Access eine Open- Source-Plattform unter Einschluss von MySQL entwickelt wird.

Bäurer bald auch mit MySQL

Die Verfügbarkeit ist mit dem Bäurer-Release 6.0 für die CeBIT 2007 angekündigt. Bereits im Einsatz sind die MySQL-gestützten Lagersysteme LFS 400 von Erhardt + Partner aus Boppard-Buchholz zum Beispiel beim Logistikdienstleister von Danone Waters Deutschland (Evian, Volvic). Das System verwaltet dort alle Daten des Lagersystems und bewältigt bis zu 700 Transaktionen pro Sekunde. (ue)