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03.04.1980 - 

Anwenderverband Deutscher Informationsverarbeiter e. V.:

Nach 25 Jahren ADL jetzt ADI

HAMBURG - Der ADL-Verband, vor 25 Jahren mit dem Ziel gegründet, Erfahrungen auszutauschen sowie die Weiterbildung und den Nachwuchs zu fördern, hat in den 25 Jahren seines Bestehens bewiesen, daß in Deutschland ein Anwenderverband nötig ist, der auch in Zukunft - unter neuem Namen - seine Daseinsberechtigung hat.

Das sagte Werner H. Wiesehahn, Sprecher des Bundesvorstands vor zirka hundert geladenen Gästen in der Hamburger Börse. Die vorangehende Hauptversammlung hatte eine neue Organisationsstruktur beschlossen, den Vorstand erweitert und vor allen Dingen den Namen ADI (Anwenderverband Deutscher Informationsverarbeiter e. V.) geändert. Die zukünftigen Ziele sind unter anderem, so wurde betont, verstärkte Aktivitäten innerhalb des Verbandes durch Zusammenfassung einzelner Landesverbände, verstärkte Mitglieder-werbung sowie verstärkte nationale und internationale Aktivitäten.

Vier Gründungsmitglieder wurden anschließend mit einer Urkunde besonders gewürdigt. In dem darauf folgenden Symposium "Auswirkungen der Mikroelektronik und der Bildschirm-Textverarbeitung auf die Arbeitswelt" wurde demonstriert wie durch die Auswahl bedeutender und interessanter Referenten ein gutes Symposium durchgeführt wird.

Widersprüchliche Wirkung der

EDV

Der Ministerialdirektor im Bundesministerium für Forschung und Technologie Dr. Fritz Rudolf Güntsch wies darauf hin, daß die technologischen Änderungen leider oft zu spät bemerkt werden, weil sie sich langsam vollziehen. Güntsch ist der Ansicht, daß wir uns heute noch in der Anfangsphase der Informationsstrukturänderung in unserer Gesellschaft befinden. Auch zählte er Widersprüche auf die sich im Zusammenhang mit Daten-verarbeitung ergeben: Einerseits könnten wir mit diesem Instrument Verbrecher fassen, andererseits in die Privatsphäre des Bürgers eindringen, einerseits höhere Löhne durch Rationalisierung erreichen, andererseits könnten gleichzeitig Arbeitsplätze verloren gehen, einerseits könnten wir schnellere Verwaltungen aufbauen, andererseits wollten wir dort den Menschen als Ansprechpartner nicht verlieren. Er forderte daher eine dualistische Forschung und eine objektive Diskussion über die neue Informationstechnik.

Christopher Layton, Direktor der EG-Kommission für Datenverarbeitung in Brüssel referierte vor allen Dingen über die Schlüsselfunktion der DV-lndustrie. Besonders für Europa sei es wichtig, Anschluß an die moderne Technologie zu bekommen. Er bezeichnete Europa als "Werkstatt der Welt" mit der besonderen Aufgabe, im Bereich der technischen Entwicklung Dienstleistungen für andere Länder zu übernehmen. Klassische Industrie setze sich bereits mehr und mehr in anderen Ländern durch. Europa müsse daher seine Position im Weltmarkt stärken, denn es führe noch 80 bis 90 Prozent der IC's ein, habe im Großcomputerbereich jedoch 16 Prozent des Weltmarktes und sei besonders im Bereich der Telekommunikation weltweit führend.

Deutlich zeigte er, daß der gemeinsame Wirtschaftsraum nicht genügend genutzt wird. Eine Absprache über die gemeinsame Strategie sei daher bei der zukünftigen starken Entwicklung im Bereich der Datenverarbeitung anzustreben. In einer Liste der Prioritäten stellt er die Telekommunikation an die oberste Spitze, gefolgt von der Mikroelektronik. Aber auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft müssen seiner Meinung nach untersucht werden.

DV-Ausbildung als

Schlüsselelement

Eines der größten Probleme ist für ihn jedoch die Ausbildung. Er nannte die Berufsausbildung im Bereich der Datenverarbeitung das Schlüsselelement für die Zukunft der Gesellschaft.

Der nächste Referent, Professor Dr Wolfgang Kaiser vom Institut für Nach-richtenübertragung an der Universität Stuttgart, zeigte die Zukunftstendenzen im Bereich der Mikroelektronik und der Datenübertragung auf. Dabei kamen auch die Nachteile der Telekommunikation, die nach seiner Ansicht unter anderem im kleinen Ausschnitt des Textes, dem Flimmern, der verminderten Lesbarkeit und der Uneinheitlichkeit der Geräte liegen, deutlich zum Ausdruck.

Anlaß zu Diskussionsbeiträgen gab vor allen Dingen Ulrich Briefs vom Deutschen Gewerkschaftsbund Düsseldorf. Er warnte deutlich vor den Auswirkungen der Datenverarbeitung auf unsere Gesellschaft, als da sind Arbeitsplatzgefährdung, Verarmung der Arbeitsinhalte und Verdrängung ganzer Gruppen qualifizierter Facharbeiter durch automatisierte Systeme.

Auf die Spitze getriebene

Thesen

Aber auch die Möglichkeiten zu "lückenloser Schnüffelei" sowie seine These von der Technik von morgen in einer Ökonomie von gestern sowie die düsteren Prognosen für den Arbeitsmarkt brachten die Zuhörer zum Teil so in Fahrt, daß sie den Referenten kaum ausreden ließen. Aber gerade die auf die Spitze getriebenen Thesen machten so manchen Fachmann nachdenklich.

Professor Klaus Jamin ist Dozent an der Fachhochschule München