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12.05.1995

Nach Bekanntwerden der Boetsch-Plaene korrigierte Erwartungshaltung Viag Interkom nimmt zunaechst die Geschaeftskunden ins Visier

MUENCHEN (gh) - Vier Monate nach der Ankuendigung hat die Viag Interkom KG ihre Geschaeftstaetigkeit aufgenommen. Das Joint-venture zwischen British Telecom (BT) und der Viag AG will zunaechst den bereits geoeffneten Markt fuer unternehmensweite Daten- und Sprachdienste ins Visier nehmen. Kritik wurde indes am Liberalisierungskurs von Bundespostminister Wolfgang Boetsch laut.

Nun ist es amtlich: Mit der Viag Interkom geht ab sofort ein fuer die Deutsche Telekom ernstzunehmender Konkurrent an den Start. Schneller als von vielen Experten erwartet, haben BT und Viag die entsprechenden Vertraege unter Dach und Fach gebracht. Das neue Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Muenchen basiert, wie es schon bei der Ankuendigung im Januar hiess, im wesentlichen auf der Eingliederung der Eschborner BT Telecom (Deutschland) GmbH - der bisherigen deutschen Dependance des Londoner Carriers, die mit mehr als 200 Grosskunden-Accounts und einem Umsatz im Geschaeftsjahr 1994/95 von 35 Millionen Mark eine umfangreiche Mitgift in die deutsch-britische Telecom-Ehe einbringt.

Aus dem Stamm von rund 150 deutschen BT-Angestellten und einigen von der Viag-Tochter TB&D sollen bis Jahresende 350 Mitarbeiter werden. Hauptzielgruppe der Viag-Interkom-Mannschaft sind, wie Geschaeftsfuehrer Hans Jochem Weiher vor der Presse erklaerte, mittelstaendische Unternehmen. Diesen bieten die Muenchner Newcomer zunaechst vor allem die groesstenteils schon bekannten BT-Services in Sachen Frame Relay und X.25 sowie das sogenannte "Voice-Hubbing", also die Umleitung des Auslandstelefonverkehrs von Unternehmen ueber Vermittlungsrechner in Grossbritannien, an. Dazu kommen im Bedarfsfall die globalen Management- und Outsourcing-Dienste des BT/MCI-Joint-ventures "Concert".

Preiskrieg mit der Telekom soll vermieden werden

"Bei den Grosskunden wollen wir uns nicht auf einen Preiskrieg mit der Telekom einlassen", machte Weiher die weitere, von Vorsicht gekennzeichnete Marschrichtung von Viag Interkom klar. Insgesamt gehe man aber von optimistischen Prognosen aus. Schon in drei bis vier Jahren rechne man mit "einem Break-even" - bei Investitionen in einer Groessenordnung von 1,2 Milliarden Mark innerhalb der naechsten zehn Jahre. Diese sollen unter anderem fuer den Bau eines flaechendeckenden Netzes in der Bundesrepublik verwendet werden, das in der letzten Ausbaustufe 203 Knotenstandorte umfasst.

So richtig zur Sache gehen soll es im Prinzip aber erst ab 1998, wenn man im Besitz einer der wenigen, heiss begehrten Telefondienst-Lizenzen ist. Den Weg dorthin sieht man aber sowohl in London als auch in Muenchen mit einer Reihe von Unwaegbarkeiten gepflastert. Das von Bundespostminister Wolfgang Boetsch vorgestellte Eckpunktepapier habe, so Viag-Vorstand Georg Obermeier, "mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet". Bauchschmerzen hat man vor allem mit der bis dato vorgesehenen unbeschraenkten Vergabe von Netzlizenzen. Dies sei, wie Obermeier betonte, angesichts notwendiger Planungssicherheit "wenig praktikabel".

Demzufolge hat man bei der Viag AG auch die Erwartungen an das Telecom-Geschaeft nach unten korrigiert. War im Januar noch von einem Marktanteil zwischen 15 und 25 Prozent die Rede, ist man jetzt schon mit zehn Prozent (zunaechst bezogen auf den Bereich der Geschaeftskunden) zufrieden. Was nach 1998 komme, koenne man, wie es hiess, noch nicht abschaetzen. Kalkuliert wird mit einem Gesamtaufwand fuer das Telecom-Geschaeft von rund zwei Milliarden Mark in den naechsten zehn Jahren, wobei man sich einen Umsatz von gut vier Milliarden Mark erhofft.