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07.08.1998 - 

Mittelstandsgesellschaften sollen verkauft werden

Nach Bilanzdiskussionen zieht sich Jan Baan aus dem Vorstand zurück

07.08.1998

Die niederländische Softwareschmiede übertraf mit ihren jüngsten Quartalszahlen (siehe Kasten) die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten, doch deren Begeisterung hielt sich trotzdem in Grenzen. Wie das "Wall Street Journal" vorrechnet, legten die Niederländer im reinen Softwarelizenz-Geschäft im Vergleich zum zweiten Quartal 1997 lediglich um 31 Prozent zu - hier sei der ärgste Rivale SAP um 54 Prozent gewachsen.

Branchenkenner machten außerdem geltend, daß Baan ohne die Übernahme von Aurum, einem Spezialisten für Sales-Force- Automation-Software, nur um 24 Prozent gewachsen wäre. Auch monierten sie, daß Baan im Geschäft mit Großkunden Schwäche zeige und primär im indirekten Verkauf an die mittelständische Klientel zugelegt habe.

Nach Bekanntwerden des Quartalsergebnisses reagierte die Börse mit starken Schwankungen - wohl auch deshalb, weil nicht alle Anleger die Zahlen ad hoc zu interpretieren wußten. Baan war erst vor kurzem von seinem harsch kritisierten Bilanzierungsverfahren auf eine konservativere Methode der Rechnungslegung umgeschwenkt und hatte damit offenbar einige Beobachter überfordert (siehe CW 28/97, Seite 3).

Irritation löste auch der Rücktritt von Jan Baan aus, der vor wenigen Wochen bereits das Amt des Chief Executive Officer (CEO) niedergelegt hatte und nun auch seinen Abschied aus dem Vorstand ankündigte. Neuer Chef des Unternehmens ist Tom Tinsley, der künftig sowohl als President und CEO wie auch als Chairman fungieren soll. Allerdings bedarf es dazu noch der Zustimmung der Aktionäre, die im dritten Quartal eingeholt werden soll. Diese Maßnahme gilt als weiteres Indiz dafür, daß Baan einen deutlichen Schlußstrich unter die zuletzt schädliche Phase der Bilanzdiskussionen ziehen möchte.

Mit Spannung wird nun die Entscheidung darüber erwartet, wie Baan künftig das Partnergeschäft im Mittelstand angehen will. Bisher gehörten die Reseller-Organisation Baan Business Solutions (BBS) und die Mittelstandsgesellschaft Baan Midmarket Solutions (BMS) zu Vanenburg Ventures, einem Unternehmen der Gebrüder Baan.

Diese Konstellation war jedoch auf die Kritik von Börsenaufsicht und Anlegern gestoßen, weil sie Baan erlaubte, Lizenzverkäufe in der Bilanz auszuweisen, obwohl die Produkte noch beim unternehmensverwandten Reseller in den Regalen lagen und nicht an Kunden ausgeliefert worden waren. Deshalb entschieden die Brüder nun, die Baan Company strikt von diesen beiden Mittelstandsgesellschaften zu trennen. BBS und BMS sollen verkauft werden. Möglicherweise wird die Baan Company, die bisher 15 Prozent an der BMS hält, ihren Anteil deutlich aufstocken (siehe Interview Seite 8).

Das zweite Quartal

Mit einem Nettogewinn von 17,1 Millionen Dollar liegt die Baan Company im zweiten Quartal 1998 etwa auf dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums (16,9 Millionen). Allerdings wurde das Ergebnis durch Sonderaufwendungen in Höhe von 14,4 Millionen Dollar für die Übernahme der britischen Coda Group belastet.

Baan macht geltend, daß ohne Berücksichtigung einmaliger Ausgaben ein Gewinn von 26,9 Millionen Dollar oder 13 Cent je Aktie herausgekommen wäre. Seinen Umsatz steigerte der SAP-Widersacher im zweiten Jahresviertel von 157 Millionen im Vorjahr auf 230 Millionen Dollar.