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In Deutschland wird das Übernahmeopfer der Herr im Haus

Nach dem Ashton-Tate-Deal: "Neue" Borland goes Windows

01.11.1991

MÜNCHEN (gs} - Drei Monate ist es her, daß Borland International die Übernahme der schwer angeschlagenen Dbase-Herstellerin Ashton-Tate ankündigte. Welche Folgen die Vereinigung für die beiden Firmen in Deutschland hat, wurde nun am ersten Systems-Tag bekanntgegeben.

Ashton-Tate ist tot, es lebe "die neue Borland" - und die, sieht auf den ersten Blick weitgehend aus wie die teure Verblichene, zumindest was die handelnden Personen angeht: Von fünf Mitgliedern der neuen Borland-Geschäftsleitung stellt der übernommene Dbase-Hersteller vier. Geschäftsführer ist der bisherige Ashton-Tate-Chef Wolfgang Schröder; die seit knapp einem Jahr amtierende Borland-Geschäftsführerin Eva Preuss hat gekündigt und wurde freigestellt.

Neuer Firmensitz ist die ehemalige Ashton-Tate-Zentrale in Langen bei Frankfurt. Das Borland-Hauptquartier in Starnberg bei München - die großen neuen Räume wurden erst vor wenigen Wochen bezogen - wird zur Zweigniederlassung, zuständig nur noch für die Sprachen-Produkte (ohne Dbase, aber einschließlich des Windows-Anwendungsgenerators Object-Vision). 40 bis 50 der künftig 120 deutschen Borland-Mitarbeiter sollten dort tätig sein.

Die Produktion wird schrittweise nach Irland verlagert, wo bereits jetzt die meisten Ashton-Tate-Produkte herkommen. Nur die alten Borland-Produkte werden zunächst noch in Deutschland hergestellt.

Bei der künftigen Produktpalette sieht es genau umgekehrt wie beim deutschen Management aus: Von den Ashton-Tate-Produkten wird langfristig nur eines überleben - Dbase.

Framework, Rapid File und Applause II sollen für Interessierte vorerst noch angeboten, aber nicht mehr weiterentwikkelt werden. Multimate - Originalton Borland-Boß Kahn: "An embarrassment for the user" - soll ganz von der Bildfläche verschwinden.

Dbase allerdings wird zu einer umfangreichen Produktfamilie ausgebaut: Die Version III plus, so Schröder, bleibe weiterhin verfügbar, von der Version IV komme demnächst ein verbessertes Release, der seit Jahren überfällige Compiler soll nun endgültig Anfang nächsten Jahres erscheinen, und die Entwicklung der Windows-Version (angeblich hundertprozentig Dbase-IV-kompatibel) laufe mit voller Kraft. Die Cross-Plattform-Strategie mit Dbase-Ausgaben für Unix, Sun-OS, VMS und demnächst auch für AIX (RS/ 6000) soll unverändert beibehalten werden. Zusätzlich ist geplant, das Programm als Frontend für verschiedene Server-Datenbanken verfügbar zu machen, als nächstes für Oracle.

Eine Schlüsselrolle in Borlands künftiger Datenbank-Strategie wird das unlängst (samt Entwicklerfirma) gekaufte Interbase-Server-DBMS spielen, das gegen Oracle und Sybase antreten soll. So schnell wie möglich will man dafür Front-ends (Paradox, Dbase, Quattro, Object-Vision) und Programmierschnittstellen entwickeln.

Für die längerfristige Zukunft hat Ex-OS/2-Fan Philippe Kahn eine neue Devise ausgegeben: "Borland goes Windows. " Sämtliche Borland-Produkte wird es künftig zumindest auch in Windows-Versionen und mit einer einheitlichen objektorientierten Benutzeroberfläche geben.

Bei der Preispolitik dürfte sich fortsetzen, was sich schon länger abzeichnete: Die Zeiten, in denen Borland der "billige Jakob" der Branche war, sind vorbei. Preise wie in den Anfangszeiten des Unternehmens wird es künftig nur noch bei leistungsreduzierten Light-Versionen geben.

Die heikelste Frage - die nach dem Service - konnte Schröder nur zum Teile zufriedenstellend beantworten. Das Mißtrauen ist gewaltig, gerade bei den verwöhnten Borland-Kunden und gerade gegenüber Schröder, der erst kürzlich das Problem der überlasteten Ashton-Tate-Hotline "löste ", indem er sie ganz abschaffte und den Service kurzerhand den Händlern aufhalste.

Er beeilte sich zu versichern, daß es wieder eine Hotline geben, und daß das Unternehmen (Borland) "weiterhin ganz gradlinig auf den Endanwender ausgerichtet sein werde "-auf den Endanwender, mit dem Schröder als Ashton-Tate-Chef kürzlich noch absolut nichts zu tun haben wollte, wie ein Journalist genüßlich aus einem internen Memo zitierte.

Offenbar steht Schröder einiges an Arbeit bevor. Das Vertrauen seiner alten Ashton-Tate-Kunden ist getrübt, und seine neuen Borland-Künden sind äußerst verunsichert.

Gleichzeitig wächst bei den alten Borland-Mitarbeitern unübersehbar die Distanz zu der sich abzeichnenden neuen Firma. Und mit einem haben sie vermutlich recht: Borland wird nie mehr so sein, wie sie einmal war.