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06.09.1996 - 

Frankenberg wird den Vorschußlorbeeren nicht gerecht

Nach dem Ausverkauf: Novell-Boß wirft hin

Als Bob Frankenberg ein Memo an alle 6000 Angestellten verschickte, klang dies unterschwellig schon nach Abschied: "Wir haben lange genug auf Abwehr gespielt. Es liegt jetzt an Ihnen, in die Offensive zu gehen", richtete der CEO - wie sich herausstellte, kurz vor seinem Rücktritt - noch einen Appell an die Belegschaft. Es war die letzte von mehreren Aufbruchsparolen, die Frankenberg in seiner gut zweijährigen Amtszeit ausgab einer Ära, geprägt von ständigen Kurskorrekturen und, wie Analysten meinen, einem häufig zu defensiven Verhalten.

Damit soll jetzt Schluß sein. "Wir waren in den letzten Jahren viel zu passiv", räumte Joseph Marengi, ab sofort Novell- President, Fehler ein. Der bislang als Vice-President Worldwide Sales fungierende Manager kündigte bereits eine harte Gangart in Sachen Intranet an, durch die Microsoft und Netscape Paroli geboten werden soll.

Keine Träne scheint auch John Young, mit sofortiger Wirkung zum Chef des Novell-Aufsichtsrats berufen, Frankenberg nachzuweinen: "Es war an der Zeit für ihn, zurückzutreten jetzt können wir uns nach einer neuen Führungspersönlichkeit umsehen", sagte Young zum Lebewohl des ehemaligen HP-Managers, der sich zuvor durch die Sanierung der PC Division von Hewlett-Packard einen Namen gemacht hatte.

Den Vorschußlorbeeren wurde Frankenberg durch eine unglückliche Politik jedoch nicht gerecht. Bei Novell schlug er sich mit Problemen herum, die "DOS 7", "Appware", "Unixware" und "Wordperfect" hießen. Sie erwiesen sich als Kuckuckseier, die ihm Vorgänger Ray Noorda noch ins Nest gelegt hatte im Glauben, Microsoft im Applikations- und Suitegeschäft Paroli bieten zu können. Kritiker werfen Frankenberg heute vor, mit dem Einstampfen von Produktlinien oder mit deren Verkauf zu lange gewartet zu haben. Erst im Februar 1996 hatte Novell Wordperfect an Corel abgestoßen und damit den mißglückten Ausflug ins Applikationsgeschäft beendet.

Das Abenteuer Suitemarkt war Ende 1994 von Frankenberg eingeläutet worden, als er mit "Perfect Office" und weiteren Anwendungen zum Angriff auf Lotus und Microsoft blies. Das Bundle verkaufte sich zunächst erfolgreich, jedoch versäumte das Novell-Management, die Suite rechtzeitig in einer 32-Bit-Version für Windows 95 auf den Markt zu bringen. Die Folge waren starke Umsatzeinbußen der Application Division.

"Bob konnte Visionen nicht kommunizieren" Ähnlich war es um die Politik Frankenbergs bei DOS 7, App-ware und Unixware bestellt. In allen drei Fällen bekannte sich der Ex-HP- Manager erst zur von Noorda eingeschlagenen Marschroute, ehe er dann DOS 7 und Appware kippte und im September 1995 Unixware an SCO veräußerte. In puncto Unix hatte Novell noch im Vorfeld für 1997 das sogenannte Super NOS angekündigt, eine Kombination aus Netware und Unixware, mit der Novell Microsoft im Application- Server-Markt Kontra bieten wollte.

Frankenberg hat Novell wahrscheinlich zwar saniert, aber mit dem Schlingerkurs zugleich auch einen Bärendienst erwiesen. Anwender und Anleger haben viel Vertrauen in die Produkte und Aktie des Netzwerkprimus verloren. Scharenweise laufen die Netware-Benutzer zum NT Server über - ein Fakt, den das Novell-Management lange ignorierte.

Dennoch sieht Andreas Zeitler, Geschäftsführer von Novell Deutschland, den Rücktritt seines obersten Dienstherrn mit einem weinenden Auge. "Bob hat Novell wieder tragfähig gemacht. Leider ist er kein Charismatiker, der Visionen kommunizieren kann".