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14.04.2000

Nach dem Kartellverfahren: Windows balkanisiert?

Microsoft baut seine Verteidigung im Kartellverfahren im Wesentlichen um die Behauptung auf, in allen Handlungen stets den Nutzen von Anwendern und Entwicklern im Auge gehabt zu haben. Die Redmonder haben Glück, dass sie diesen Beweis nicht für die Windows-Plattform insgesamt erbringen müssen. Denn eines der größten Probleme der neunziger Jahre dürfte die Fragmentierung von Windows mit all ihren negativen Begleiterscheinungen gewesen sein.Von CW-Mitarbeiter Wolfgang Miedl

Zunächst brachte der schleppende Umstieg auf die 32-Bit-Plattform viel Verwirrung und Inkompatibilitäten zwischen Windows 3.11, NT 3.51 und Windows 95. Nach außen hin wurde Windows als homogene, universelle Plattform angepriesen, im Hintergrund gab es unzählige Unstimmigkeiten. So wurde beispielsweise lauthals die Kompatibilität zwischen NT 4 und Windows 95 verkündet, und dann brachte Microsoft zwei inkompatible Versionen des "Internet Explorer" für NT und 95.

Von Windows 95 gab es vier größere (und noch mehr kleinere) Unterversionen, die das Einspielen der jeweils richtigen Patches und Bugfixes zur Wissenschaft machten. Für böse Überraschungen war auch Windows 98 - intern praktisch identisch mit Windows 95 - gut: Viele Programme liefen damit nicht mehr. Bill Gates malte einst selbst den Teufel an die Wand: Im Zusammenhang mit der geforderten Abkoppelung des Internet Explorer sprach er einmal von der drohenden "Balkanisierung" von Windows. Dabei war Windows zu diesem Zeitpunkt bereits vollkommen "balkanisiert".

Nicht umsonst verkünden deshalb die Redmonder schon seit Jahren die Wiedervereinigung der verschiedenen Windows-Versionen, die dereinst kommen soll, aber immer wieder hinausgeschoben wird. Doch ein Ende der DOS-basierten 9x-Reihe ist noch nicht in Sicht. In den nächsten Monaten wird der Windows-98-Nachfolger Windows ME (Millennium Edition) erscheinen. Er soll aber noch deutlicher als seine Vorgänger für Heimanwender gedacht sein. Gerüchte über den Wegfall aller Netzwerk-Clients dürften nicht zufällig aufgetaucht sein, auch wenn Microsoft sie mittlerweile dementiert hat. Unternehmen sollen sich wohl zumindest gedanklich mit Windows 2000 auseinander setzen.

Die ersten Erfahrungen mit dem NT-Nachfolger zeigen, dass man "einem Windows für alle Intel-PCs" sehr nahe gekommen ist. Die Eigenschaften des Systems lassen die Prognose zu, dass es auch bei Heimanwendern populär werden könnte. Es vereint die Stabilität von NT mit Features wie einer vereinfachten Installation, einer exzellenten Hardwareerkennung und last, but not least der Spiele-Schnittstelle "Direct-X 7". Nicht verwundern muss dabei, dass schätzungsweise 20 Prozent der bisherigen 32-Bit-Software nicht unter Win2K laufen.

Als nahtlosen Übergang zur vernetzten Welt bietet die Gates-Company die verschiedenen, abgestuften Server-Versionen von W2K an. Im Kalkül dürfte das Unternehmen dabei das Wachstum von unten haben. War NT bereits bisher sehr beliebt für kleine Netze in Büros oder Kleinunternehmen, dürfte Windows 2000 wegen der leichteren Handhabung den Drang zur Vernetzung noch verstärken.

Um die Bemühungen für eine einheitliche Codebasis zu unterstreichen, rühren die Redmonder auch fleißig die Werbetrommeln für "Windows 2000 Embedded". Die Botschaft: ein einziges Windows für den kompletten, zunehmend fragmentierten Hardwaremarkt der Internet-Appliances. Mit dieser neuen, unerwarteten Konstellation hat wohl auch Microsoft nicht gerechnet: Windows 2000 konkurriert bei Internet-Appliances mit Windows CE. Apropos CE: Diese eigenständige und inkompatible Windows-Schiene soll in ihrer Bedeutung weiter wachsen. Für Kleingeräte und Personal Digital Assistants (PDAs) dürfte in absehbarer Zeit kein fettes Desktop-System geeignet sein.

Offen ist im Moment, ob der Koloss Windows 2000 all den Aufgaben von der Spieleplattform bis zum Datenbank- oder Application-Server gerecht werden kann. Im schlimmsten Fall könnte die Plattform mit einem Flickwerk an inkompatiblen Service-Packs allmählich wieder auseinander driften.