Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.01.1999 - 

Nach den Kommentaren von Richter Jackson:

Nach den Kommentaren von Richter Jackson: Sieht Microsoft wegen Fusion von AOL und Netscape wieder Land?

MÜNCHEN (CW) - Aufhorchen ließen im Prozeß gegen Microsoft Bemerkungen des vorsitzenden Richters Thomas Jackson: Die geplante Akquisition von Netscape durch America Online (AOL) "könnte eine wesentliche Veränderung der Diskussionsgrundlage" im Verfahren gegen den Softwaregiganten darstellen.

Jackson war bislang durch eine Prozeßführung aufgefallen, die recht eindeutig Wohlwollen für die Sache der Kläger, also des US- Justizministeriums und von 19 US-Bundesstaaten, auszudrücken schien. Um so aufmerksamer vernahm die Öffentlichkeit deshalb die jüngsten Einschätzungen des Richters zum AOL-Netscape-Deal, die eindeutig im Sinne von Microsoft verstanden werden können. Die Akquisition von Netscape durch AOL "könnte sehr wohl eine direkte Auswirkung (...) auf die Definition haben, was einen Markt konstituiert", sagte Jackson. Eigentlich lasse er im jetzigen Stadium nur noch "sehr ungern" neues Beweismaterial zu.

Wegen der möglicherweise veränderten Ausgangsposition könne es jedoch sein, daß er Microsoft das Recht einräumen werde, neues Beweismaterial einzusehen und im laufenden Verfahren zu verwenden. Dabei handle es sich um Unterlagen, die Netscape und AOL zusammengestellt haben, um von den zuständigen Aufsichtsbehörden das Plazet für die Firmenzusammenführung zu erhalten.

Spielraum für Interpretationen

Nach wie vor aber hat sich Jackson in der strittigen Prozeßfrage nicht festgelegt, ob Microsoft seine Marktmacht bei PC- Betriebssystemen in unlauterer Weise nutzte, um Wettbewerber klein zu halten oder ganz zu verdrängen. Immer noch kann er entscheiden, daß der Softwareriese gegen geltendes Kartellrecht verstoßen hat. Allerdings könnte die "veränderte Ausgangslage" dafür sorgen, daß Jackson bei der Urteilsverkündung keine einschneidenden Maßnahmen gegen Microsoft anordnet. Vielmehr könnte er es bei vergleichsweise harmlosen Auflagen belassen, wenn er davon ausgeht, durch den AOL-Netscape-Deal seien die Marktverhältnisse stark verändert worden.

Die allgemeine Überraschung über Jacksons Kommentare sollte aber nicht dazu führen, zuviel in sie hineinzulesen, wimmelte sogar John Warden ab. Microsofts Chefverteidiger im laufenden Prozeß sagte, es sei "ein Fehler, Rückschlüsse aus Kommentaren zu ziehen, die der Richter vor Gericht gemacht" habe. Allerdings gebe es durch den AOL-Netscape-Deal nun signifikante Belege dafür, daß der Netscape-Browser "Navigator" eben nicht von der Bildfläche verschwinden werde. Die drohende Verdrängung dieses Produkts ist eines der Argumente von Microsofts Prozeßgegnern, die dem Softwarehaus rechtswidriges Geschäftsgebaren nachweisen wollen.

Auch für Chefankläger David Boies hat sich die Sachlage nicht verschoben. An der Argumentation, Microsoft habe sich illegaler Wettbewerbspraktiken bedient, um sein PC-Betriebssystem-Monopol abzusichern, habe sich nichts geändert. Microsofts Wunsch, Beweismaterial aus dem AOL-Netscape-Fusionsprozedere in den Prozeß einzubringen, werde dem Anliegen des Justizministeriums sowie der 19 Bundesstaaten nicht schaden. Ganz im Gegenteil könnte sich beweisen lassen, daß Netscape zum Verkauf an AOL sogar gezwungen war, weil es durch Microsofts Schachzüge in der Vergangenheit bereits zu schwer angeschlagen war, um als unabhängiges Unternehmen noch überleben zu können.