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23.08.1991

Nach der Automatisierung nur noch Systemanalytiker

RZ-Planung beinhaltet auch Personalplanung - im Zeichen der

Automatisierung ein schwieriges Unterfangen. MGI-Geschäftsführer Reinmar Schumann prophezeit in einem Gespräch mit den CW-Redakteuren Helga Biesel und Hans Königes das frühe Ende des Operators und verlangt von den RZ-Planern ein Umdenken in der Personalpolitik.

CW: Wie weit sind Sie dem Ziel nahegekommen, Ihr Rechenzentrum ohne Mitarbeiter laufen zu lassen?

Schumann: Wir sind dem Ziel heute so nahe, daß wir bis Ende 1991 den unbedienten Systembetrieb haben werden. Das heißt, daß wir zu einem ganz normalen Achtstundentag übergehen. Am Wochenende je nach Bedarf - meistens aber unbedient.

Darüber hinaus werden wir bis Ende dieses Jahres soweit sein, daß von der Qualifikation her im Rechenzentrum eigentlich nur noch Systemprogrammierer beschäftigt sind. Dann wird es bei uns den einfachen Operator nicht mehr geben.

CW: Wie sieht es denn heute aus?

Schumann: Jetzt haben wir Mitarbeiter für den Druckbetrieb, für die Band- oder Kassettenverarbeitung und Systemsteuerung. Beim Drucken wird man selten dazu kommen, unbediente Schichten fahren zu können. Aber die Magnetbandverarbeitung oder Magnetkassettenverarbeitung erledigt heute der Roboter, da brauche ich kein Personal - auch keine Archivare, die diesen Vorgang bisher kontrolliert haben.

Die Systemsteuerung, die heute noch Eingriffe erfordert, wird dadurch abgelöst, daß man Prozeduren schreibt, die diese Abläufe ständig kontrollieren, auch aus der Entfernung. Da muß keiner mehr an der Maschine sitzen. Es ist inzwischen durchaus gang und gäbe, das Rechenzentrum aus der Ferne zu bedienen.

Im Tagbetrieb tun das Spezialisten, die in Büros in der Nähe des Rechenzentrums sitzen. Aber nach 18 Uhr sind es Mitarbeiter, die zu Hause Bereitschaftsdienst haben. Sie können sich von dort aus mit ihren Portables ans Rechenzentrum anwählen.

Alle RZ-Funktionen, wie zum Beispiel Ein- und Ausschalten von Hardware, auch das Aktivieren oder Deaktivieren von Betriebssystemen, sogar einzelne Anwendungen, lassen sich von außen steuern. Mit anderen Worten: Diese Leute können von zu Hause aus das gesamte Rechenzentrum dirigieren.

CW: Was für eine Ausbildung haben diese Spezialisten?

Schumann: Das sind Systemprogrammierer. Was auch unbedingt erforderlich ist, weil die Systeme inzwischen so komplex sind, daß jemand wirklich fundiertes Fachwissen haben muß, damit er Fehlersituationen meistern kann.

In einigen Rechenzentren ist es heute noch anders. Dort hat man den sogenannten Systemoperator, der ausschließlich Störungen im System melden kann. Wenn er gut ist, weiß er, welchen Spezialisten er ansprechen muß, nur selten ist er in der Lage, den Fehler selbst zu beheben.

Einerseits haben wir den RZ-Betrieb automatisiert, womit gewisse Funktion entfallen sind, andererseits benötigen wir jedoch Spezialisten, die man über den Personalmarkt nicht erhält. Deshalb haben wir unsere Mitarbeiter selbst ausgebildet.

CW: Wie hat sich diese weitgehende Automatisierung auf die Personalplanung ausgewirkt?

Schumann: Wir haben 1989 mit Automationsprojekten begonnen, und zwar durch den Einsatz von Robotern für die Kassettenverarbeitung, Einsatz von Software, um Systemmeldungen zu überwachen, Einsatz von einem Instrument, Top Control das den Rechnerkomplex und die Infrastruktur überwachen kann. Damit einhergegangen ist natürlich die Schulung der Mitarbeiter. Das war das vierte Projekt, neben dem Einsatz von Robotern, Top Control und Net View, das parallel gelaufen ist. Von der Personalseite her ist diese Automatisierung dann folgendermaßen abgelaufen:

Im reinen RZ-Betrieb waren 17 Mitarbeiter im Dreischicht-Betrieb beschäftigt. Um diese Automationsprojekte durchziehen zu können, haben wir zunächst zwei Mitarbeiter zusätzlich aus unserem Consulting-Bereich geholt.

Das heißt, wir haben erstmal aufgestockt. Damit haben wir

die erste Strecke einer Grundautomation geschafft und erst dann Arbeitsplätze abgebaut.

Und zwar haben wir hier auf Mitarbeiter verzichtet, bei denen klar wurde, daß sie die Ausbildungsziele nicht erreichen.

CW: Wo lagen denn die Schwierigkeiten bei diesem Ausbildungskonzept?

Schumann: Wir mußten sehr bald feststellen, daß wir mit der parallelen Ausbildung nicht weiterkommen. Es funktionierte einfach schlecht, die Mitarbeiter neben der Tagesarbeit auch noch auszubilden. Daraufhin haben wir mit Hilfe der Automation, die natürlich bereits eine Arbeitsentlastung brachte, einen Teil der Operator-Mannschaft zur Ausbildung geschickt. Die übrigen Mitarbeiter hielten den Systembetrieb am Laufen.

Natürlich sind hier eine Menge von Schwierigkeiten versteckt, unter anderem die Frage der Mitarbeitermotivation oder das Problem des Aufbaus ihres Selbstbewußtseins. Der Durchbruch hat eigentlich erst stattgefunden, als Arbeit und Ausbildung getrennt wurden. Dann haben die Mitarbeiter selbst gemerkt, daß sie die Höherqualifizierung schaffen.

CW: Und das Ergebnis?

Schumann: Wir haben Operatoren zu Systemprogrammierern weiterqualifiziert - von 17 Mitarbeitern haben immerhin 13 die Hürde der Höherqualifikation geschafft.

CW: Was für Konsequenzen hatte die Höherqualifizierung?

Schumann: Früher hatten wir die Planung und den Tagesbetrieb miteinander vermischt. Eines von beiden klappte dann nicht. Also haben wir eine andere Arbeitsorganisation auf die Beine gestellt.

Die sieht so aus, daß jetzt für die Planung von Betriebskonzepten eine eigene, vollkommen losgelöste Gruppe zum Einsatz kommt, die Planungsvorhaben im Rechenzentrum projektmäßig bearbeitet.

Erst wenn das geschehen ist, wird das Projekt an den RZ-Betrieb weitergegeben. Bei kleineren Aktivitäten macht das der Betrieb selbst.

Bei größeren Aktivitäten, für die mehr Manpower gebraucht wird, wird aus dem Consulting-Bereich für eine Projektlaufzeit noch Personal dazugestellt, mit dem ganz klaren Ziel, im Rechenzentrum nur so viele Leute zu beschäftigen, wie unbedingt erforderlich sind. Hier haben wir uns die Fertigungsbetriebe zum Vorbild genommen.

In manchen Rechenzentren ist es nämlich noch gang und gäbe, daß Manpower "gehortet" wird. Das findet man in keinem Fertigungsbetrieb. So ein Fertigungsbetrieb hat exakt so viele Beschäftigte, wie Maschinen bedient werden müssen.

CW: Wie reagieren Führungskräfte auf solche Umstrukturierungen? Derartige Maßnahmen bedeuten doch auch Machtverlust?

Schumann: Ein Abteilungsleiter kriegt es mit der Angst zu tun, wenn seine Mitarbeiterzahl von 24 auf zehn reduziert wird - das stellt ein Problem dar. Wenn man diesen Führungskräften gute Vorschläge unterbreitet, sagen sie grundsätzlich nein. Aber der erste Schritt sollte darin bestehen, daß Verantwortungsträger bereit sind, verkrustete Strukturen und verkrustete Organisationen einfach aufzubrechen und etwas Neues zu machen.

CW: Und wie setzen Sie das Neue durch?

Schumann: Wir versuchen es durch Argumentation und Information, weiterhin über Workshops, in denen Mitarbeiter und Vorgesetzte gemeinsam sitzen.

CW: Wie würden Sie die Veränderung der Beschäftigtenstruktur in einem Rechenzentrum im State Of the Art charakterisieren?

Schumann: Es müssen weniger Mitarbeiter werden, und die wenigen Mitarbeiter müssen von der Ausbildung her sehr viel mehr können, als sie das in der Regel heute tun. Und: Mitarbeiter, die im RZ nicht mehr gebraucht werden, müssen sinnvoll woanders im Unternehmen eingesetzt werden, zum Beispiel in den Fachabteilungen.

Die nämlich leiden darunter, daß sie sich oft nicht richtig betreut fühlen, und das führt dazu, daß neben der auf das Rechenzentrum ausgerichteten Datenverarbeitung in vielen Unternehmen parallel dazu Minidatenverarbeitungen entstanden sind. Diese Mitarbeiter, die im RZ nicht gebraucht werden, sind dafür prädestiniert, die Belange des Rechenzentrums in den Fachabteilungen durchzusetzen.

CW: Wird es in der Gesamtzahl mehr oder weniger Jobs im RZ-Umfeld geben?

Schumann: Ich würde sagen, in der Gesamtzahl verändert sich die Zahl der Jobs nicht.

CW: Werden neue Berufsbilder entstehen, und wie sehen diese aus?

Schumann: Der Consolen-Operator wird zum Systemspezialisten. In der Arbeitsvorbereitung sind Mitarbeiter beschäftigt, die Jobs starten und sie durch das System lenken. Diese entwickeln sich in Richtung Job-Designer, die in dem Augenblick, wenn eine Anwendung entwickelt wird, schon mit den Entwicklern reden, damit nachher eine vernünftige automatisierbare Batch-Abwicklung läuft.

Selbst den Druck-Operator könnte man in der Repro-Technik einsetzen, denn größere Unternehmen haben immer noch eine Repro-Abteilung, wo viele Kopien, Vergrößerungen, Verkleinerungen etc. gemacht werden.

Neue Jobs entstehen sicherlich auch beim Benutzerservice. Viele Rechenzentren haben einen sogenannten User-Help-Service. Ein Mitarbeiter sitzt am Telefon und wartet, daß etwas passiert, während sich in der Fachabteilung der Frust aufbaut, weil dort in der Regel der Beschäftigte nicht bei jeder kleinen Störung sofort anruft. Die Konsequenz muß eine aktive Benutzerbetreuung sein.

CW: Welche Berufe werden ganz verschwinden?

Schumann: Zum Beispiel Band-Archivar und Band-Operator, die fallen ganz weg.

CW: Und was muß sich am Verhalten der verbliebenen RZ-Mitarbeiter ändern?

Schumann: Ich brauche eine ganz andere Art von Mitarbeitern. In der Datenverarbeitung verstehen sich heute immer noch zu viele als Angehörige einer Geheimwissenschaft. Und sie präsentieren sich den Fachabteilungen immer als die Überlegenen, die allerdings nur so tun, als ob sie alles wüßten. Das heißt, sie sind technologieorientiert und wollen die anderen damit beglücken.

Von diesem Denken müssen wir weg, hin zum kundenorientiertes Denken.