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08.09.1989 - 

Bei netz- und anwendungsnahen Mehrwertdiensten tut sich was

Nach der Postreform: Mehr Freiheit für VANS-Anbieter

Eines der wesentlichen Ziele bei der Liberalisierung des Fernmeldewesens in der Bundesrepublik war, durch mehr Wettbewerb auch mehr und neue Dienstleistungen zu schaffen. Ulrich Kranz* beschreibt im Folgenden, welche Möglichkeiten die Poststrukturreform für potentielle VANS-Anbieter beinhaltet und in welchem Umfeld sie sich künftig bewegen.

Die zukünftig mögliche verstärkte Nutzung der vorhandenen Infrastruktur erlaubt es privaten Anbietern von VANS, ihre Dienste frei von beschränkenden Auflagen wie Zusammenschaltungs- und Vermittlungsverboten zu gestalten. Es wird nur eine Registrierungspflicht des VANS-Angebots beim Ministerium für Post und Telekommunikation geben, welches weiterhin die Hoheitsaufgaben des Bundes im Fernmeldewesen wahrnehmen wird.

Damit wird im Vergleich zu den Lizensierungsverfahren in Großbritannien und Japan ein größerer Spielraum für private VANS-Anbieter geschaffen (siehe Kasten 1). In Großbritannien ist die Liste der Lizenzauflagen lang, und die Auflagen sind teilweise sehr weitgehend und als restriktiv zu bezeichnen. So wurde dort versucht, für VANS mit "Bedeutung" die Anwendung der OSI-Protokolle zwingend vorzuschreiben.

Aufbau und Betrieb privater Netze für Dritte

Die Auswirkungen der Liberalisierung gehen jedoch wesentlich weiter. Die Deutsche Bundespost Telekom behält zwar das Netzmonopol und das Vermittlungsmonopol für Sprache, während alle Daten- und Textdienste zu "freien Leistungen" erklärt wurden. Eine entscheidende Rolle wird die Möglichkeit dabei spielen, die von der Telekom gemietete Leitungskapazität an Kunden weiterzuverkaufen.

Das Funkmonopol bleibt ebenso bei der Telekom, mit der Besonderheit, daß ein zweiter Anbieter für den Mobilfunk vorgesehen wurde. Weiterhin ist die Daten- und Textkommunikation über Satellitenempfangs- und Sendeanlagen für niedrige Bitraten ( = 15 KBit/s) freigegeben.

Die Freigabe der Vermittlung von Daten und Text ist für die Anbieter von VANS von entscheidender Bedeutung. Auf der Basis von Mietleitungen und Wählverbindungen können nun private Anbieter eigene Netzinfrastrukturen aufbauen und deren Leistungen an Dritte verkaufen.

Hier können Netzbetreiber, die einen vertrieblichen Zugang zu Branchen mit hoher räumlicher Diversifikation haben, Bündelungsgewinne erzielen. Dies trifft vor allem für Netzbetreiber zu, die bereits eigene Netze betreiben und nun in der Lage sind, Leistungen ihres bestehenden Netzes an Kunden weiterzuverkaufen. Auch Zusammenschlüsse von Unternehmen einer Branche, die einen hohen brancheninternen Datenverkehr zu bewältigen haben, können nun durch Zusammenfassung ihrer Einzelverbindungen zu einem gemeinsamen Netz, welches von einer Gemeinschaftsfirma betrieben wird, leichter als bisher ihre eigenen Kosten senken und durch Vermarktung der Dienstleistungen Gewinne erwirtschaften.

Es können von privaten Anbietern nun alle Dienstleistungen angeboten werden, soweit sie das Netzmonopol und das Vermittlungsmonopol für Sprache nicht tangieren. Dies schließt neben den sogenannten "anwendungsnahen" Mehrwertdiensten auch die "netznahen" Mehrwertdienste mit ein.

Aus den oben dargelegten Gründen werden auch für private Anbieter eine Reihe netznaher Dienste denkbar. X.25 Netzbetreiber aus den USA zeigen schon Interesse am Aufbau neuer, mit dem Datex-P-Netz konkurrierender X.25-Netze in der Bundesrepublik und den EG-Ländern (siehe Kasten 2).

Die schon aufgezeigten Entwicklungen ermöglichen in den nächsten Jahren eine Fülle von VANS-Angeboten, von denen hier nur einige beispielhaft und stichwortartig

zusammengestellt sind (siehe Kasten 3).

Mit der Liberalisierung des Fernmeldewesens und der neuen Definition der Tätigkeitsfelder der Bundespost - einerseits durch Aufweichung des Monopols und andererseits durch Einnahme einer offensiveren Stellung im Wettbewerb durch das neugeschaffene Unternehmen Telekom - tritt bei dem Angebot von Mehrwertdiensten eine neue Wettbewerbssituation zwischen privaten Anbietern und der Telekom ein.

Die Bundespost hatte bisher Mehrwertdienste im Sinne anwendungsnaher Informationsdienstleistungen nicht angeboten. Das bisherige postalische VANS-Angebot, wie Bildschirmtext, Temex und mit Einschränkung auch Datex-P, sind als netznahe Mehrwertdienste anzusehen, die bisher von privaten Anbietern aufgrund des Monopols und den Bestimmungen der Fernmeldeordnung praktisch ohnehin nicht angeboten werden konnten.

Der Wettbewerb mit privaten Anbietern ist dadurch eröffnet, daß die Telekom, selbst oder über Tochterunternehmen, nunmehr neben einer Ausweitung der netznahen Dienste auch anwendungsnahe Mehrwertdienstleistungen anbieten wird.

Die Planungen der Post zum Verbindungs-Unterstützungssystem (VUS), zur Ausweitung des Telebox-Dienstes, zur Ergänzung des Btx-Dienstes um Telex, Telefax und Cityfunk sowie die Kapitalbeteiligung an Infonet, einem weltweiten Electronic-Mail-Anbieter, sprechen dafür, daß die Post zunächst weiterhin die netznahen Mehrwertdienste forcieren wird.

Hier treten aber schon erste Strukturvorteile gegenüber den Privaten ins Blickfeld: Private Electronic-Mail-Anbieter machten bisher ihre Dienste mit Netzübergängen zu Telex, Telefax und zu Datenbanken attraktiver, die von der Post nicht angeboten wurden.

Zukünftig ist die Telekom in keiner Weise davon ausgeschlossen, auch anwendungsnahe Mehrwertdienste anzubieten. Sie könnte hier ihre vorhandene Dienste-Infrastruktur, verbunden mit dem langen finanziellen Atem bei der Einführung neuer Mehrwertdienste, in die Waagschale werfen.

Der wichtigste Erfolgsfaktor für einen VANS-Anbieter ist die Fähigkeit, die kritische Masse an Teilnehmern für seinen Mehrwertdienst als Kunden oder Nutzer zu gewinnen. Der Gesichtspunkt der Kostendeckung geht einher mit der Tatsache, daß der Mehrwertdienst nur dann etwas "wert" ist, wenn der einzelne Nutzer oder Kunde viele Teilnehmer erreichen kann, mit denen er Daten oder Texte austauschen kann. Dies gilt vor allem für E-Mail, EDI und Eftpos (Kasten 4).

Soweit der Anbieter nicht eine oder mehrere große Kundengruppen mit gleichartigen Anwendungserfordernissen für seinen Dienst gewinnen kann, sind hierzu erhebliche Anstrengungen und Aufwendungen für Vertrieb und Marketing erforderlich.

Am Beispiel von Electronic-Mail wird dies besonders deutlich. Ein Mailbox-System kann heute mit vergleichsweise geringer Investition aufgebaut werden. E-Mail-Software, Rechner, Modem und Datex-P-Anschluß sind schnell aufgebaut.

Unabhängig von den angebotenen Leistungsmerkmalen ist der Erfolg dabei aber von der Fähigkeit des Unternehmens bestimmt, die notwendige kritische Masse an Nutzungsverträgen zu akquirieren. Fähigkeit heißt hier nichts anderes, als eine lange Investitionsphase - in Vertrieb und Marketing - erfolgreich durchzustehen.

Die Investition in Software, Hardware und Netzkosten spielen eine vergleichsweise geringe Rolle. Die eigentliche Investition für Mehrwertdienste besteht in der Werbung und den Personalkosten für Marketing und Vertrieb.

Sehr gute Chancen haben aus dieser Sicht Mehrwertdienste, die durch ihre Ausrichtung auf einen bereits vorhandenen Verbund von Nutzern zielen und damit schnell das Problem der kritischen Masse überwinden.

Joint-ventures im VANS-Markt

- Managed Data Networks (MDNS): 22 Fernmeldeverwaltungen arbeiten an Cept-MDNS, "Onestop Shopping", Infonet für den Network Support

- Beteiligung der Deutschen Bundespost Telekom an der Infonet mit je 15 Prozent

- Deutsche Bundespost Telekom und France Telecom gründen die Eucom GmbH (Saarbrücken) als Konkurrenz gegen IBM und Geisco; Infonet wird als Transportnetz in Erwägung gezogen

- Geisco und ICL gründen die INS International Network Services Ltd.

- Philips beteiligt sich an der Deutschen Mailbox GmbH

- INS und NEC Japan streben Zusammenarbeit an

- British Telecom übernimmt von McDonnell Douglas den Bereich Network Systems Co. und damit das Tymnet-Netz

Wesentliche Elemente der Liberalisierung für VANS-Anbieter

Einschränkung des Monopols der Post auf:

- das physische Netz

- die Vermittlung von Sprache

- die Funkkommunikation

Aufhebung von Verboten:

- Aufhebung der Zusammenschaltungsverbote zwischen Wählnetzen

- Aufhebung des Vermittlungsverbots für Daten, Text und Bild

- Aufhebung der Nutzungsbeschränkung für Dritte bei Mietleitungen

- Zulassung eines zweiten Anbieters für den Mobilfunk

- Freigabe der Satellitenkommunikation für niedrige Bitraten

- Zulassung privater Modems

Kasten 1

Möglichkeiten für netznahe Mehrwertdienste

- Betrieb von X.25-Netzen und deren Vermarktung

- Netzwerkmanagement für Dritte

- Betrieb von privaten Bildschirmtextsystemen

- Vertrieb von Übertragungsleistung gesplitteter Mietleitungen

- Errichtung und Betrieb von privaten Netzen durch Kopplung aller verfügbaren Netzdienstleistungen der Deutschen Bundespost Telekom

- Betrieb von Dienstübergängen und Gateways zwischen ISDN und den bisherigen Diensten

- Errichtung und Betrieb von Satellitenfunkanlagen für die Übertragung (Verteilung von Daten) niedriger Bitraten

Kasten 2

Möglichkeiten für anwendungsnahe VANS

- Electronic Mail mit zusatzdiensten

- E-Mail Lösungen aus einer Hand: Modem, PC+SW, Training, E-Mail

- Online-Verifikation von Kreditkarten

- Edifact-Clearing Center

- EDI-Lösungen aus einer Hand: Training, Terminal, Software, Netzanschluß, EDI-Zentrale; Vermittlung von EDI-Partnern

- Point of Sales Clearing Center; EC-Karte, Kreditkarten, Chipkarte

- Geldausgabeautomaten-Clearing

- Versand von Börsendaten über ISDN-Wählverbindungen; Filetransfer

- Verteilung von Daten für Dritte über Satelliten

Kasten 3

Erfolgsfaktoren für VANS-Anbieter

- Kritische Masse an Teilnehmern

- Finanzkraft für die Marketing- und Vertriebsinvestitionen

- Zugang zu Kundengruppen mit gleichartigen Potentiellen Anforderungen

- Nutzbringende Leistungsmerkmale

- Stabilität des Unternehmens: Der Kunde braucht Vertrauen in die, Langlebigkeit und Zukunftssicherheit des Angebots

- Know-how über potentielle Kunden und deren Anwendungsnutzen durch den angebotenen Service

- Know-how über den Telekommunikationsmarkt

- Internationale Ausrichtung von Anfang an: EG-Binnenmarkt, Nordamerika, Asien

Kasten 4