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20.10.2000 - 

USA dominieren weiterhin

Nach der Wahl: Welche Rolle spielt Europa in der Icann?

MÜNCHEN (fn) - Mit der Wahl von fünf Direktoren für verschiedene Regionen der Welt soll die Verwaltungsorganisation für Internet-Domains (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, kurz Icann) einen demokratischeren und internationaleren Anstrich bekommen. Doch Europa hat in dem 18-köpfigen Icann-Aufsichtsrat nur eine Stimme.

Die Wahl zum Direktor für Europa gewann Andy Müller-Maguhn, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC). Der Computerexperte bezeichnete das Wahlverfahren in einer Mitteilung auf seiner Homepage www.datenreise.de jedoch als absurd und bemängelte die geringe Beteiligung. Insgesamt hatten sich 76000 Internet-Nutzer weltweit zur Abstimmung angemeldet. 11309 davon gaben bei der Wahl des europäischen Direktors eine gültige Stimme ab, wobei 5948 auf den CCC-Mann entfielen. "Deutschland spielte eine rühmliche Rolle, da mit Müller-Maguhn ein tatsächlich unabhängiger Kandidat gewählt wurde, was ja auch der Sinn der allen zugänglichen Mitgliedschaft (At-Large-Membership) in der Icann war", so Siegfried Langenbach, Geschäftsführer des Internet-Dienstleisters CSL aus Köln und Mitarbeiter im Panel of Participants in Internet Organization and Management der Europäischen Kommission (EC-POP), das sich für die Einrichtung der .eu-Domain einsetzt. Als negatives Gegenbeispiel nennt Langenbach den Direktor für die Region Asien/Australien/Pazifik Masanobu Katoh, der dem Fujitsu-Konzern angehört. Er erhielt über 78 Prozent der Stimmen. "Da hat wohl der ganze Konzern gewählt", vermutet Langenbach. Auch an der Wahlbeteiligung ließ sich das Interesse der Europäer an der Domain-Politik ablesen: Die Beteiligung derer, die sich zuvor online registriert hatten, lag mit 48 Prozent über der in Asien/Australien/Pazifik mit 46 Prozent. In Nordamerika gab weniger als ein Drittel der Wahlberechtigten seine Stimme ab.

Doch was kann ein Direktor von insgesamt 18 ausrichten, um europäischen Belangen Geltung zu verleihen? Müller-Maguhn stimmt künftig über Entscheidungen der Icann mit ab - nicht mehr und nicht weniger. Besser geht es den anderen Regionen auch nicht, sieht man von den USA ab. 13 der 18 Direktoren sind Angestellte amerikanischer Unternehmen oder gehören der US-Regierung an, hinzu kommt ein Direktor für Nordamerika, der per Internet-Wahl bestimmt wurde.

"Es bleibt bei der Dominanz der USA", bemerkt Jörg Tauss, Beauftragter für Neue Medien der SPD-Bundestagsfraktion. Tauss stellte gegenüber der COMPUTERWOCHE zudem ein wissenschaftliches Projekt der Bundesregierung in Aussicht, dass sich mit Themen wie Domain-Vergabe sowie Internet-Politik befassen soll. Darüber hinaus solle diese Einrichtung - soweit notwendig - die Arbeit des europäischen Icann-Direktors unterstützen: "Es ist ja nicht einzusehen, dass Herr Müller-Maguhn auf eigene Kosten in die USA fliegt." Allerdings müsse er darlegen, wie er sich eine Zusammenarbeit vorstellt, auf keinen Fall dürfe der Eindruck einer Abhängigkeit entstehen. Unterdessen gingen bei der Icann insgesamt 47 Bewerbungen für den Betrieb oder das Sponsoring einer neuen Top-Level-Domain (TLD) ein. Die Bewerber, überwiegend Firmen aus aller Welt, haben sich an formale Auflagen zu halten, dazu zählt die Vorlage eines Business-Plans für die Domain-Betriebsgesellschaft. Außerdem müssen sie 50000 Dollar als Bearbeitungsgebühr an die Icann zahlen. Der Elektronikkonzern Nokia sowie die Softwarefirma Novell gehören zu denen, die sich um TLDs bemühen.

Icann-Aufsichtsrat

Im 18-köpfigen Board of Directors sitzen neben dem Europa-Vertreter Andy Müller-Maguhn je ein Vertreter der Regionen Nordamerika, Asien/Australien/Pazifik, Lateinamerika und Afrika, die wie Müller-Maguhn bei der Internet-Wahl bestimmt wurden. Je drei Direktoren werden durch drei Unterstützungsorganisationen der Icann bestimmt: Domain Name Supporting Organization, Address Supporting Organization sowie Protocol Supporting Organization. Auch diese Führungskräfte stammen aus unterschiedlichen Regionen der Welt. Vier weitere Direktoren haben einen festen Platz im Aufsichtsrat und wurden nicht gewählt. Zudem gehört Mike Roberts, President und CEO der Icann, dem Gremium an.