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30.11.1979 - 

CW-Umfrage zur Situation auf dem DV-Personalmarkt:

Nach DV-Studium kein Bein auf die Erde

MÜNCHEN - Je qualifizierter die Ausbildung, tönt es von Arbeitsämtern und Ausbildungsinstitutionen, desto leichter haben es DV-Anfänger, einen Job zu bekommen. Finden jedoch DV-Eleven nach Abschluß eines Universitäts-, Fachhochschul- oder Fachschulstudiums wirklich den Job, der ihnen vor und während ihrer Ausbildung vorschwebte? Gewiß: Hardware-Hersteller und Softwareschmiede buhlen in Stellenanzeigen um die Gunst der Absolventen von Uni oder FHS. Aber wie steht es um die Akzeptanz beim Anwender? "EDV-Newcomer haben bei uns keine Chance", so Hans Günter Lippert, DV-Chef bei der Berliner Waggon Union, "wir brauchen für unser Unternehmen gestandene Praktiker, die mindestens zwei Programmiersprachen beherrschen."

Manfred Gensler, EDV-Leiter bei Ondal in Hünfeld/Fulda haut in die gleiche Kerbe: "Wenn wir neue Leute einstellen, dann müssen sie mindestens zwei bis drei Jahre praktische Erfahrung mitbringen." Lange Anlaufzeiten könnten sich die Hünfelder in ihrem relativ kleinen Team nicht leisten. "Wir haben bereits den Versuch mit Newcomern gemacht, dabei aber festgestellt, daß es zu lange dauert, bis sich die Leute halbwegs zurechtfinden - das Ganze wird im Endeffekt zu teuer", stellt Gensler bündig fest.

Da es in seiner Abteilung möglich sei, auf neue Mitarbeiter besonders einzugehen, hat Dieter Weiß, DV-Leiter bei der Deutschen Industriewartung GmbH in München, prinzipiell nichts gegen die Einstellung von Newcomern einzuwenden. Aus Erfahrung weiß der Münchener, daß Mitarbeiter, die erstmalig in die Datenverarbeitung einsteigen, wesentlich flexibler sind als Leute, die von einer DV-Abteilung zur anderen wechseln: "Nach einem halben Jahr sind bei uns neue Leute meist soweit, selbständig Programme zu schreiben." Außerdem seien Neulinge auf dem Personalmarkt billiger und leichter zu bekommen als alte DV-Hasen.

Die Karl Schmidt GmbH in Neckarsulm beschäftigt in ihrer DV-Abteilung derzeit 19 Mitarbeiter. EDV-Leiter Volker Ürtenkauf bleibt bei der Entwicklung auf dem DV-Personalmarkt nichts anderes übrig, als sich "letztendlich für Newcomer zu entscheiden". Auch er hat die Erfahrung gemacht, daß es oftmals leichter ist, einen Newcomer zu integrieren als einen alten DV-Hasen: "Jedes Unternehmen verfügt über unterschiedliche Organisationsregeln, die den Mitarbeitern in Fleisch und Blut übergehen sollten, allerdings im Falle eines Stellenwechsels auch schlecht wieder abzulegen sind". Ürtenkauf hat bisher mehrere Universitätsabgänger eingestellt und ausschließlich gute Erfahrungen gemacht.

Von den durch uns zum Thema "Newcomer" befragten DV-Anwendern stellten Dieter Weiß und Volker Ürtenkauf die Ausnahmen dar.

"Bei uns in der Abteilung", kommentiert RZ-Leiter Peter Dangelowski die Situation bei der Eppendorf-Gerätebau GmbH, "können wir nur gestandene Profis gebrauchen". Um einen Newcomer auszubilden, ihm das Programmieren beizubringen, dazu reiche einfach die Zeit nicht aus. Dangelowski: "Hochschulabgänger haben nur Chancen in Großunternehmen".

Alfred Schlüter, stellvertretender DV-Chef bei der Renault Credit Bank in Köln, sieht sich ebenfalls von seiner Manpower her "nicht in der Lage, Leute auszubilden, die frisch von der Schule kommen". Er erläutert: "Ich habe in der Praxis erlebt, daß,drei Betriebswirte genauso schnell wieder aus der DV raus waren wie sie hereingekommen sind. Sie waren von der theoretischen Denke her für die Praxis völlig ungeeignet". Trotz des zur Zeit ausgepokerten Stellenmarktes ist Schlüter nicht bereit, Berufseinsteiger einzustellen.

Die Kunden-Kredit-Bank (KKB) in Düsseldorf vertritt bei der Einstellung neuer DV-Leute eine "Drei-SäulenTheorie". Ein Mann, der bei der KKB in der Anwendungsprogrammierung tätig werden soll, so äußerte sich Organisationsleiter Heinrich Behrend von Grass, müsse Kenntnisse aus drei Gebieten mitbringen: der Datenverarbeitung, dem Bankgeschäft und direktes Wissen. "Wir versuchen zuerst Leute aus den eigenen Fachabteilungen zu bekommen, weil hier bereits die Wissenskomponenten Bank und KKB vorhanden sind".

Dieter Weiß sieht das Newcomer-Problem differenzierter: "Man muß heute Kompromisse eingehen. Die meisten EDV-Anwender suchen Leute, die alles können, nicht älter als zwanzig sind und nach Möglichkeit für weniger als 1000 Mark Monatsgehalt arbeiten - die gibt es nicht mehr".