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19.04.1985

Nach einjährigem Lavieren am Abgrund:\ . Tewidata ging endgültig der Atem aus

MÜNCHEN (ru) - Kurz vor ihrem Messe-Debüt in Hannover meldete die Münchner Tewidata AG Konkurs an. Damit fand die Reihe der Hiobsbotschaften über das Systemhaus ihr vorläufiges Ende.

Für das "Aus" entschied sich die Tewidata, Aktiengesellschaft für technisch-wissenschaftliche Datenverarbeitung, am Donnerstag vor Ostern. Bis dahin hatte das von dem Ingenieur Peter Dölling 1972 gegründete Unternehmen versucht, sich durch das finanzielle Desaster zu lavieren. Die Suche nach einem Partner, noch am Jahresanfang von dem DEC-OEM hoffnungsfroh angegangen, scheiterte offensichtlich.

Auf der diesjährigen Hannover-Messe wollte das einstmals als solide bekannte Unternehmen erstmals seine Produkte vorstellen. Daß der 100-Quadratmeter-Stand in der Halle 3 des CeBIT von Tewidata nun nicht mehr benötigt wird, erfuhren die Messeverantwortlichen erst aus Zeitungsberichten. Es sei schwierig, erklärte ein Sprecher, für so einen großen Stand in kurzer Zeit Ersatz zu finden und ergänzte: "Eines ist sicher, es wird hier kein Ruheplatz für Messebesucher entstehen. "

Die Tewidata war 1983 von der Münchner Vermögensverwaltung PM Portfolio Management an die Börse gebracht worden. Eine glückliche Hand scheint dem Emissionshaus in Schwabing nicht gerade beschieden. Tewidata ist bereits das sechste von PM zur AG gemachte Unternehmen, das nach kurzer Zeit wieder vom Kurszettel verschwand.

Die Probleme begannen bereits kurz nach dem Börsengang: Der einstige Finanzvorstand Günter Hesse mußte gehen, weil angeblich unter seiner Verantwortung ein Gewinn ausgewiesen wurde, der in Wirklichkeit ein Verlust war. Seitdem gehörten rote Zahlen zum Alltag von Tewidata.

Schließlich schied überraschend Peter Dölling aus.

Der Abstieg Tewidatas, so behaupten Insider, habe mit dem Einstieg der Abitel GmbH Anfang der 80er Jahre begonnen. Diese Venture-Capital-Gesellschaft sah damals in der Tewidata das richtige Objekt. Die Abitel gilt als das Kind Walter Schürmanns, Rechtsanwalt und Notar, der das Monopoly-Spiel bereits in der Abschreibungsbranche beherrscht hatte. Er rückte bei Tewidata an die Spitze des Aufsichtsrates. Von Abitel kam übrigens auch Günter Hesse.

Im vergangenen Jahr hatte die Tewidata einen Verlust von sechs Millionen Mark geschrieben. Die Kredite belaufen sich auf rund 20 Millionen Mark, und auch die von den Aktionären aufgebrachten gut elf Millionen Mark sind so gut wie aufgebraucht. Konsequenz: Bei einem Grundkapital von nur 6,5 Millionen Mark sah sich das Konsortium aus acht Banken veranlaßt, weitere Unterstützung zu versagen. Was aus den zuletzt 115 Mitarbeitern wird, war bis Redaktionsschluß nicht zu erfahren.