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20.01.1995

Nach Gerichtskosten in Hoehe von zehn Millionen Dollar Intel und AMD beenden ihren Rechtsstreit mit einem Vergleich

MUENCHEN (CW) - Intel und Advanced Micro Devices (AMD) beenden ihre langjaehrigen Auseinandersetzungen vor Gericht. AMD zahlt einmalig 58 Millionen Dollar Lizenzgebuehren an Intel, umgekehrt wird Intel 18 Millionen Dollar Schadenersatz an AMD ueberweisen - als Ausgleich fuer die regelwidrige Kuendigung des Technik- Austauschabkommens aus dem Jahr 1982.

Die Einigung kam am 12. Januar 1995 zustande - acht Jahre nach dem Beginn der Auseinandersetzungen, fuer die beide Firmen nach eigenen Angaben rund zehn Millionen Dollar aufgebracht haben. Den Ausschlag dafuer duerften zwei Gerichtsurteile gegeben haben, die in der letzten Zeit zuungunsten Intels ergangen sind (siehe dazu den Beitrag auf Seite 29).

Hinter dem Gerangel vor Gericht stand immer die Frage, ob AMD das Recht habe, Intels 386- und 486-Prozessoren nachzubauen. Intel selbst hatte AMD Anfang der achtziger Jahre einen Kooperationsvertrag angeboten, um den wachsenden Bedarf an PC- Prozessoren (286- und 386-CPUs) decken zu koennen. Doch das Ziehkind AMD entwickelte selbst Ambitionen und produzierte Anfang 1987 eigene Versionen der 386-CPU, die billiger und hoeher getaktet waren als Intels Originalbausteine.

In mehreren Prozessen forderte Intel daraufhin von AMD Lizenzgebuehren und Schadenersatz wegen der Umsatzeinbussen im Geschaeft mit 386- und 486-Prozessoren. Insgesamt beliefen sich die Forderungen auf ueber eine Milliarde Dollar. Nach der jetzt getroffenen Einigung wird AMD 58 Millionen Dollar an Intel zahlen, dafuer aber im Gegenzug die vollen Rechte fuer den Mikrocode der 386- und 486-CPUs erhalten. Auch ein patentgeschuetztes Intel- Verfahren fuer die Verwaltung des PC-Speichers darf AMD weiter verwenden.

Zwei Beschraenkungen gibt es allerdings: AMD darf nur 20 Prozent der 486-Chips mit Intel-Mikrocode ausser Haus fertigen lassen. Ausserdem kann AMD Intels In-Circuit-Emulation-(ICE-) Patent nicht in stromsparenden 486-Prozessoren benutzen. Doch nach einem Bericht der CW-Schwesterpublikation "Infoworld" wird AMD bis Sommer dieses Jahres eine eigene Stromspartechnik auf den Markt bringen. Etwa zur gleichen Zeit soll auch der "K5", das Konkurrenzprodukt zu Intels Pentium-Prozessor, marktreif sein. Erster Abnehmer wird Compaq.

Intel verpflichtet sich in dem Vergleich, AMD 18 Millionen Dollar Schadenersatz fuer die vorzeitige Kuendigung des Kooperationsvertrages zu zahlen. AMD zieht dafuer die Monopolklage vor dem US-Kartellamt zurueck.

Die Einigung bringt AMD mehr Vorteile als Intel

Im "Wall Street Journal" wertet Linley Gwennap, Chefredakteurin des "Microprocessor Report", die Einigung als Sieg fuer AMD.

"Die dunklen Wolken am AMD-Horizont sind damit verschwunden." Der Intel-Hauptanwalt Tom Dunlap verbreitete jedoch ebenfalls Siegesstimmung. "Wir haben Schadenersatzforderungen in Hoehe von 2,2 Milliarden Dollar und die Monopolklage abgewiesen. Ausserdem darf AMD keine Pentium-Patente nutzen und muss die gesamte Technik fuer ein Konkurrenzprodukt in dieser Chipklasse selbst entwickeln." Die Boersianer in New York haben jedenfalls einen Gewinner gekuert: Einen Tag nach der Einigung verbuchte die Intel-Aktie einen Wertzuwachs von 37,5 Cents, AMD aber brachte es auf ein Plus von 2,75 Dollar.