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02.03.1979 - 

Schottischer Großmeister durchkreuzt die "Berechnungen" des Schachcomputers:

Nach romantischer Eröffnung Remis gerettet

MÜNCHEN (ik) - Laut Expertenmeinung könnten die Schöpfer von

"Chess 4.8" behaupten, der Computer sei "den besten Schachspielern der Welt ebenbürtig", denn David Levy mußte sich in einem Fernmatch gegen das amerikanische Schachprogramm mit einem Remis begnügen (CW berichtete). Die aufregende Partie des schottischen Großmeisters gegen seinen "künstlichen" Kontrahenten wollen wir den CW-Lesern nicht vorenthalten.

Levy (Weiß) Chess 4.8 (Schwarz)

1. e2-e4 e7-e5

2. f2-f4 e5 x f4

3. Sg1-f3 g7-g5

4. d2-d4 g5-g4

5. Lc1 x f4 g4 x Sf3

6. Dd1 x f3 Sb8-c6

Jahrzehntelang galt es als ungeschriebenes Eröffnungsgesetz, den weißen Springer zu opfern: 4. Lc4, g4 5. 0-0, gxf3 6, Dxf3 usw. (Steinitz-Anderssen, London 1862). Heutzutage wird fast ausschließlich mit 4.h4 geantwortet. Mit der halbvergessenen sogenannten Rosentreter-Variante des Königsgambits versucht Levy schon im 4. Zug (d4) das umfangreiche "Openings-book-Wissen" der Maschine zu umgehen. Ein Blick ins Protokoll bestätigt seine Vermutung. "Chess 4.8" sieht sich vor seinem 6. Zug gezwungen, vier Minuten lang zu grübeln und dabei 713 868 mögliche Positionen zu untersuchen! Auch 6 ... d5 kam in Betracht.

7. d4-d5 Dd8-f6?

Schwarz will den weißen Turm für seinen Springer haben.

8.d5 x Sc6 Df6 x b2

9. Lf1-c4!? Db2 x Ta1

10. Lc4 x f7 + Ke8-d8

(Kxf7?? 11.Le5+! mit Dameverlust)

11.0-0 Da1-g7

Vor dem 11.0-0 (siehe Stellung A) prüfte der Rechner 20 Minuten lang genau 3 702 268 Möglichkeiten. Dies ist ein absoluter Berechnungsrekord in der Geschichte des Computerschachs und zugleich, ein Paradebeispiel für die Unzulänglichkeit der sogenannten "Brute force"-Methode. Es wäre interessant zu erfahren, wie "Chess 4.8" die taktisch brisante Position A nach 11.Db3!? anstelle des Textzuges behandelt hätte. Es könnte folgen: 11...Se7! (11.Dg7!? 12.cxb7 Tb8! 13.bxc8 D+ Kxc8! 14.Dc4 Txb1 + 15. Kf2 Tb7 16.Tb1 d5! 17.Le6 + Kd8! etc.) 12.0-0! Dd4+ 13.Kg1 bxc6 14.Sd2 etc.

12. Lf7-d5 Lf8-c5 +

13. Lf4-e3 LC5 x e3 +

14. Df3 x Le3 d7 x c6

15. Tf1-f7 Dg7-h6

Besser scheint 15...De5!

16. De3-d4 c6 x Ld5

Hinein ins Gemetzel!

17.Dd4 x Th8 Dh6-b6 +

Hatte Levy dieses "Zwischenschach" übersehen?

18. Kg1-f1 Db6 x Sb1 +

Das elektronische Hirn gibt 18.Tf2 an.

19. Kf1-f2 Db1 x c2 +(?)

20. Kf2-g3 Dc2-d3 +

21. Tf7-f3 Dd3 x e4 (?)

22. Dh8 x Sg8 + Kd8-d7

Allmählich wendet sich das Blatt. Bisher hätte keiner mehr einen Pfennig für Levy gegeben. Es bot sich 21 ... Dxf3!? 22.gxf3 Le6 mit der Kompensation von drei Figuren gegen die weiße Dame an.

23. Dg8-g7 + Kd7-c6?

Etwas besser war 22.Kd6!

24. Tf3-c3 + Kc6-b5

(Siehe Stellung B). Verlustgefahr hätte 25.Dxc7 heraufbeschworen, denn nach 25 ... De1 + ! darf der weiße König das Feld "f3" wegen des drohenden Läuferopfers Lg4 + ! nebst Matt nicht betreten. Daher lieber:

25. Tc3-b3 + Kb5-a4!?

Warum kein Rückzug auf "c6"?

26. Dg7-c3 De4-g4 + ?

27. Kg3-f2 Dg4-c4

Führt zwangsläufig zum Dameverlust. 26 ... a5!! wäre vermutlich zum Gewinn ausreichend gewesen.

28. Tb3-a3 + Ka4-b5

29. Dc3-a5 + Kb5-c6

30. Ta3-c3 Lc8-e6!

Noch das Beste.

31. Da5-a4 + Kc6-d6

32. Tc3 x Dc4 d5 x Tc4

33. Da-b4 + Kd6-c6

34. Db4-a4+ b7-b5??

Hier vermeidet der Computer unter Beachtung eines "Geringschätzungsfaktors" das Remis durch Zugwiederholung, was jetzt für ihn zum Bauern- und damit eigentlich zum Partieverlust führen sollte.

35. Da4-a6 + Kc6-d7

36. Da6 x b5 + Kd7-d6

37. Db5-b4 + c7-c5

38. Db4-d2 + Kd6-c7

39. Dd2-h6 Le6-g8

Alle drei schwarzen Protagonisten "hängen" nun passiv in den "Seilen". Durch den Vormarsch der "g"- und "h"-Bauern dürfte die Partie bald entschieden gewesen sein. (Siehe Stellung C dem 39, Zug von Schwarz.) Unbegreiflicherweise läßt der erschöpfte englische Meister den schwarzen König nach vorne entschlüpfen. Nicht genug damit ! Nach den Zügen:

40. Dh6-g7 + Kc7-c6

41. g2-g4 a7-a6

42. Dg7-f6 + Kc6-b5

43. Df6-d6 Kb5-b4

44. Dd6-b6 + Kb4-a3

45. Db6-c6 Ta8-f8 +

46. Kf2-e3 Tf8-b8

47. Dc6 x a6 + Ka3-b2

48. Da6-d6 Tb8-a8

49. Dd6-d2 + Kb2-a3

50. h2-h4 Ta8-a6

51. g4-g5 Ta6-a8

52. h4-h5 Ta-e8 +

muß bis zum bitteren Ende "geblitzt" werden. Beide Seiten haben vom 53. Zug an nur 15 Minuten Zeit zur Verfügung.

53. Ke3-f4 Te8-a8

54. Kf4-e5 Ta8-a6

55. g5-g6 h7-g6

56. h5 x g6 Ta6-a8

57. Ke5-f6 Ta8-a4

58. Kf6-g7 Ta4-a8

59. Dd2-g2 Ta8-d8

60. Dg2-c6 Td8-d3

61. Dc6-a6 + Ka3-b4

62.Kg7 x Lg8 Td3-a3

63. Da6-b6 + ? Kb4-c3

Spätestens hier hätte Weiß statt 63. Db6? + Db7! + Kc3 64.Df3 + Kb4 zum Beispiel 65.De2 gewinnbringend fortsetzen sollen.

64. g6-g7 Ta3xa2

65. Kg8-f7 Ta2-f2

66. Kf7-e7 Tf2-g2

67. Db6-f6 + ? Kc3-c2

Für den Königsmarsch über" d5 "

fehlte es Levy an Kraft und Zeit. Durch seine nächsten Züge:

68. Df6-f5 + Kc2-b2

69. Ke7-f7 c4-c3

70. Df5-e5 c5-c4

71. De5-b5 + Kb2-c1

72. Db5 x c4 Tg2 xg7 +

73. Kf7 x Tg7 c3-c2

74. Kg7-f6 Kc1-d2

75. Dc4-d4 + Kd2-c1

76. Kf6 e5 Kc1-b1

77. Dd4-b4 + Kb1-a2

78. Db4-c3 Ka2-b1

79. Dc3-b3 + Kb1-a1

80. Db3-a4 + Ka1-b2

81 Da4-d4 + Kb2-b1

82. Dd4-d3 Kb1-b2

83. Dd3-b5 + Kb2-c3

84. Db5-c5 + Kc3-b2

85. Dc5-b6 + Kb2-a1

86. Db6-g1 + Ka1-b2

87. Dg1-b6 + Kb2-a1

88. Db6-a7 + Ka1-b1

89. Da7-b7 + Kb1-a1

remis

manövriert er seinen elektronischen Gegner buchstäblich in die theoretische Pattstellung hinein. (Siehe die Endstellung D.)

(Anmerkungen unter Mitwirkung des Internationalen Großmeisters Dr. Helmuth Pfleger, München)