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06.08.1993

Nach weiterem schlechten Quartalsergebnis Die Groupe Bull plant einen engeren Schulterschluss mit NEC Von CW-Mitarbeiter Lorenz Winter

PARIS - Dem verbesserten Ergebnis, das der franzoesische Computerfabrikant Groupe Bull S.A. zum Ende des Geschaeftsjahres 1992/93 bekanntgeben konnte, folgte eine herbe Enttaeuschung. Fuer das erste Quartal des laufenden Jahres meldete Bull mit 12,5 Milliarden (etwa 4,3 Milliarden Mark) rund 1,3 Milliarden Franc weniger Umsatz als im Vorjahresquartal. Der Nettoverlust erhoehte sich dagegen um 800 Millionen auf fast 1,2 Milliarden Franc. Jetzt denken die Franzosen offenbar ueber eine engere Kooperation mit NEC nach.

Nach Angaben des Unternehmens ist ein Grossteil der neuerlichen Einbussen durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der PC-Tochter Zenith Data Systems (ZDS) bedingt. ZDS steigerte in den sechs Vormonaten seinen Absatz nach eigenen Angaben zwar um 50 Prozent - also um das Doppelte des Branchendurchschnitts -, doch liessen anhaltende Preiskaempfe Margen und Umsatz weiter abschmelzen. Das Buendnis mit der US-Gruppe Packard Bell, an der Bull sich kuerzlich mit 19,9 Prozent am Kapital beteiligte, duerfte sich erst gegen Ende des Jahres positiv auswirken.

Angesichts dieser Situation forderte Frankreichs Industrie- und Aussenhandelsminister Gerard Longuet den Vorstandsvorsitzenden Bernard Pache erneut auf, ihm endlich ein "verbindliches Schriftstueck" vorzulegen, "das die mittelfristigen Ziele des Unternehmens und ihre finanziellen Auswirkungen klarstellt".

Das Ministerium draengt, weil der Druck aus Bruessel zunimmt. Es ist fraglich, ob die EG-Kommission einer weiteren staatlichen Finanzspritze fuer Bull in diesem Jahr zustimmt. Schon den letzten, am Anfang dieses Jahres von der franzoesischen Regierung eingeraeumten Kredit von 2,5 Milliarden Franc hatte Bruessel heftig kritisiert.

Die einzige Sanierungsmassnahme, die Bull bisher mitgeteilt hat, ist der Abbau von weltweit 6500 Arbeitsplaetzen bis Ende 1994. Darin enthalten sind allerdings 3000 Jobs, die schon Anfang dieses Jahres vorsorglich gestrichen worden waren. Darueber hinaus gab Pache noch keine Details einer kuenftigen Strategie preis.

Meldungen der Pariser Nachrichtenagentur Agefi zufolge ist jedoch insbesondere an eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit NEC gedacht. Moeglicherweise wird Bull schon im September den Vertrieb eines gemeinsam mit den Japanern entwickelten Servers ankuendigen, der zu seinen eigenen Baureihen DPS 9000 und GCOS 8 kompatibel ist. Eine Ausweitung der Zusammenarbeit auf die Grosssysteme vom Typ GCOS 7 wird laut Agefi ebenfalls erwogen: NEC wuerde dabei Teile seines kuenftigen Hardware-Angebots von Bull zuliefern lassen und sich im Gegenzug zur Abnahme bestimmter Stueckzahlen verpflichten.

Diese Strategie macht technisch Sinn, weil die Bull-Plattformen, weltweit gesehen, praktisch nur zur Hardware von NEC voll kompatibel sind. Kommerziell passt die engere Zusammenarbeit wiederum zu der Forderung Longuets, Bull duerfe kuenftig nicht mehr versuchen "moeglichst alles, alles allein und alles ueberall zu machen". In der Umgebung Paches wurde die Agefi-Meldung weder bestaetigt noch bestritten.

Allerdings wollte das Bull-Management nicht der Vermutung widersprechen, die Zusammenarbeit mit NEC koenne bis in den PC- Bereich hinein ausgedehnt werden. Kommentar aus Paris: "Alles in bezug auf NEC ist denkbar." Aehnlich verhalte es sich auch mit der IBM.