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21.09.1979

"Nach wie vor Prestigesache, welchen Hobel man fährt"

- Herr Eglseder, die Deutsche Wrighley ist seit sieben Jahren System /3-Anwender. Heute ist ein Modell 15D installiert. Empfinden Sie die /3-Klasse als Gefängnis - und haben Sie, wenn ja, schon mal einen Ausbruchsversuch unternommen?

Ich fühle mich nicht in der System /3-Klasse gefangen, sondern ich würde sagen, daß diese Klasse durch die Einführung des Modells /38 sehr erweiterungsfähig geworden ist, so daß - vorausgesetzt die /38 kommt in nächster Zukunft - doch gute Aufstiegschancen für /3-Anwender bestehen.

- Wir wollen das Thema "/38-Lieferverzögerung" hier nicht vertiefen. Aber doch die Zwischenfrage: Sie sagten, "vorausgesetzt die /38 kommt in nächster Zukunft" - was kann denn Ihrer Meinung nach jetzt noch in die Hose gehen ?

Nach dem letzten Informationsstand müßte es der IBM gelingen, die /38 in der gesetzten Frist an die Kunden auszuliefern.

- Aber wir verstehen Sie richtig, daß die Frage, ob das System /38 nun einen Monat früher oder später kommt, in Ihrer Hardwareplanung keine große Rolle spielt?

Der Liefertermin spielt in unserem Fall in der Tat keine entscheidende Rolle, denn wir haben unser System /3 gekauft, und je länger wir die 15D anwenden, desto rentabler wird die Geschichte für uns.

- Zurück zu unserer Eingangsfrage: Das Argument, die /38 biete ausreichende Aufstiegsmöglichkeiten für /3-Anwender, widerlegt die Behauptung nicht, die Kunden der IBM-Basis-Datenverarbeitung bildeten eine - im doppelten Sinne des Wortes - "eigene" Gruppe, vergleichbar der Formel V im Automobilrennsport.

Es mag vielleicht zutreffen, daß die /3 eine gewisse eigene Formel ist. Aber wenn man betrachtet, was wir jetzt von der /38 wissen, daß dieses System mit seinem Datenbankkonzept genauso leistungsfähig ist wie eine 4300, dann besteht für den Anwenderkreis der /3-Leute überhaupt keine Notwendigkeit, auf die 4300 zu gehen.

- Wenn man die betriebssystembedingten Umstellungsschwierigkeiten betrachtet - er könnte es gar nicht.

Da stimme ich Ihnen zu. Aber ich glaube, daß auch die /38 noch genügend Umstellungsschwierigkeiten mit sich bringen wird, weil hier ein Umdenken von einem System, das als reiner Batch-Computer konzipiert wurde, zu einem Datenbank- und Teleprocessing-orientierten System stattfinden muß.

- Läßt sich die /3-Verbundenheit und der Wunsch, im Bereich Basis-Datenverarbeitung zu bleiben, nicht auch damit erklären, daß dieses System von IBM als typische Erstanwender-Maschine mit einem entsprechend einfachen Betriebssystem konzipiert wurde?

Ich möchte eines vorausschicken: Was sollte die EDV eigentlich bewirken? Sollte die EDV sich selbst verwalten - mit einem komplizierten Betriebssystem, das nur zwei Leute in der eigenen Abteilung verstehen? Oder sollte die EDV Probleme lösen; Probleme lösen, wo sie auftauchen - am Entstehungsort? Ich denke hier an die gewachsenen Aufgaben der Bildschirmterminals, ich denke an verteilte Intelligenz. So gesehen, bietet mir doch ein Betriebssystem, das es mir ermöglicht, 80 Prozent meiner Zeit für

die Anwendung zu verwenden, erheblich größere Vorteile als ein Betriebssystem, das mich 50 Prozent meiner Zeit kostet, um es zu verstehen. Und wenn das nicht mit langsamerer Verarbeitung und dem Verzicht auf Datenbanken erkauft werden muß, dann bleibe ich doch bei diesem Betriebssystem, zumal es dem des Systems /38 sehr nahekommt.

- Haben Sie nie damit geliebäugelt, an einer großen Installation zu arbeiten, einen höheren Grad der Spezialisierung zu erreichen?

Den höheren Grad der Spezialisierung würde ja wieder nur ein Mann in der Abteilung haben. Von diesem Mann würde Mann sich in gewisser Weise abhängig machen. Ich persönlich arbeite gerne mit einem System, das ich von Grund auf verstehe. Ich glaube nicht, daß ich bei einem großen Hobel in der Lage wäre, sämtliches Detailwissen zu haben und auch anzuwenden. Es ist mir lieber, in einem kleineren Team zu arbeiten und die vollen Betriebsabläufe zu verstehen und somit den größten Nutzen für die Firma und für die eigene Abteilung zu erzielen.

- Die Frage zielte dahin, ob Sie als System /3-Mann die Qualifikation haben, in einem großen Rechenzentrum eine bestimmte Aufgabe zu übernehmen.

Diese Frage kann ich bedenkenlos mit Ja beantworten. Wenn man davon ausgeht, daß jedes System seine Eigenheiten hat und daß jedes System einer besonderen Einführung bedarf, dann wäre das mit dem entsprechenden Schulungsaufwand - speziell für diese neue Aufgabe - ohne weiteres zu bewältigen.

- Sie haben gesagt, daß mit dem Wechsel auf das System /38 ein Umdenkprozeß verbunden ist: von der Batch- zur Datenbank-Philosophie. Nun heißt das aber auch, daß die Softwaresysteme - gegenüber der /3 - komplizierter werden, daß mehr Manpower, mehr Spezialwissen erforderlich ist, diese Systeme einzusetzen.

Es wird nicht genau dahin führen, denn das wäre ja ein Rückschritt. Es wird zwar in diese Richtung entwickeln, aber es wird nicht soviel Manpower und Spezialistentum nötig sein, wie es beispielsweise bei den /370-Modellen nötig ist. Der Hersteller - ob er IBM oder anders heißt - wird sich bemühen, Betriebssysteme gerade hier, in dieser Größenordnung, möglichst einfach zu gestalten. Wenn ich von Größenordnung spreche, dann meine ich auch die personelle Besetzung der EDV-Abteilung. Es ist nicht vertretbar, von fünf Leuten in der Abteilung plötzlich auf zehn Leute zu gehen - das kann man niemandem begreiflich machen, warum das nötig sein sollte.

- Herr Eglseder, Sie werden doch das größere System erst einsetzen, wenn auch der Geschäftsumfang entsprechend gestiegen ist. So haben /370-Anwender peu Ó peu ihren jeweiligen Level erreicht. Oder wollen Sie damit ausdrücken, daß eine Diskrepanz da ist,

bei den EDV-Kosten - je nachdem, ob ein System /3 oder eine /370 eingesetzt ist?

Ich bin überzeugt, daß Leute, die eine /370 einsetzen und im unteren Bereich angesiedelt sind, den Einsatz einer /38 aus Kostengründen überdenken sollten. Ich halte es allerdings für unwahrscheinlich, daß sie es tun. Denn es ist nach wie vor Prestigesache, welchen Hobel man fährt.

- Würde es Sie nicht reizen, eine 4341 zu fahren - mit all den schicken Dingen, die man da jetzt EDV-technisch machen kann ?

Mir liegt mindestens genausoviel an einer Problemlösung, die die Fachabteilung befriedigt und die die Fachabteilung weiterbringt, wie an einer Aufgabe, die nur im EDV-Bereich selbst gewürdigt wird.

- Dann wäre aber doch der Umkehrschluß zulässig, daß Leute, die an einer komplizierten Maschine arbeiten, die Anwendung - und damit die Fachabteilung - zwangsläufig aus den Augen verlieren müssen.

Wenn das Unternehmen größer wird und sich die EDV - von den Mitarbeitern und von der Maschine her - ausweitet, wird sich irgendwann einmal die Frage stellen: Hat man noch alles so im Griff, wie man es eigentlich haben will, und ist man noch in der Lage, auf Benutzerwünsche flexibel zu reagieren? Wenn ich mir vorstelle, wir wären zehnmal so groß und hätten auch die entsprechend große EDV eingesetzt und einen Mitarbeiterstab mit Projektgruppen, Programmiergruppen, Systemanalytikern und den dazwischengeschalteten Leuten, dann kann ich mir ausmalen, daß schon die Kommunikation zwischen den Leuten eine gewisse Zeit dauert, um zu dem entsprechenden Ergebnis zu kommen. Das heißt, mit der Unternehmensgröße hängt auch die Flexibilität der EDV zusammen.

- Stört es Sie, daß Großanwender gerne sagen, Großdatenverarbeitung sei wirtschaftlicher, weil man eben mit dem Großrechner vergleichsweise wesentlich mehr machen könne?

Ich glaube eher, daß diese Leute die Anwender der /3-Größenklasse nicht für erwachsene und mündige Datenverarbeiter halten.

- Damit wären wir wieder bei der ersten Frage. Aus Ihren Antworten kam heraus, daß die /3-Welt eine eigene Welt ist, eine Welt, die mit der /370-Welt nichts zu tun hat. Es gibt keine Berührungspunkte, und man weiß eigentlich auch gar nicht, was in der anderen passiert - und umgekehrt.

Die Problematik der Systemverwaltung wie im /370-Bereich, die stellt sich für den /3-Anwender zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr wenig. Wie das der /38 aussieht, wird sich erst noch zeigen, aber die /3-Leute gehen doch jetzt erst an die Sachen heran, die auf /370-Systemen schon eine gewisse Zeit laufen - mit welchem Aufwand, das ist wieder eine andere Sache. Bis zum jetzigen Zeitpunkt war es jedoch größtenteils so, daß wir von den Großanwendern nicht für vollgenommen wurden - obwohl das Datenverarbeitungsproblem, von der Lösung her, das gleiche ist.

- Nur steIlt sich die Frage, wie man es löst.

Es muß effizient gelöst werden, und wir waren mit dem System /3 in der glücklichen Lage, möglicherweise schnellere Problemlösungen vorzulegen. Ich denke nur an den RPG II. Der RPG II war doch bei den Kollegen von der großen Fakultät immer als reiner List-Generator verschrien.

- Eine hypothetische Frage: Daß sich die IBM-Geschäftszweige

"Datenverarbeitung" und "Basis-Datenverarbeitung" auseinandergelebt haben, ist in der Inkompatibilität des Systems /3 zur Serie /370 begründet. Bedauern Sie - im Nachhinein - diese Entwicklung?

Wenn es damals ein IBM-System gegeben hätte, das dem System /3 entsprochen hätte, das voll kompatibel zu den größeren IBM-Systemen gewesen wäre, dann wäre niemand mehr gedient gewesen als dem Anwender, denn dann hätte er nahtlos so weit raufgehen können, wie es nötig gewesen wäre. Nur wird sich hier - von seiten der IBM-Verkaufspolitik - die Frage gestellt haben, wie vertrete ich den enorm günstigen Preis dieses - von der Leitung her - nur geringfügig kleineren Systems gegenüber den größeren Brüdern.

- Glauben Sie, daß es irgendwann einmal zu einer Verschmelzung der beiden IBM-Geschäftszweige kommen wird?

So wie die jetzige IBM-Geschäftspolitik aufgebaut ist und wie sich der Basis-Datenverarbeitungsbereich entwickelt hat, glaube ich nicht, daß noch einmal eine Verschmelzung der beiden Bereiche DV und BD stattfindet.

- Und ein Zweitklass-Gefühl gibt es - nachgefragt - bei den BD-Anwendern nicht?

Das würde ich im ersten Moment mit einem klaren Nein beantworten. Wünschenswert wäre es wohl, wenn man sich mit den Kollegen von der großen Fakultät an einen Tisch setzen könnte, und wenn man von den Problemen spräche, die beide betreffen. Vielleicht wird es mit der /38 so.