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19.09.1986 - 

User rechnen mit der Adressierbarkeit von 16 MB Hauptspeicher:

Nach XT 286-Ankündigung stirbt 8088-Ära

MONTVALE (CWN)-Was bisher von Analysten in den USA als Vermutung galt, scheint sich jetzt zu verifizieren: Mit der IBM-Ankündigung des neuen PC XT 286 - neuerdings basierend auf dem Intel-80286-Prozessor - dürfte das Ende der 8088-Ära eingeläutet sein, wenngleich dies von höchster Stelle dementiert wird.

Zumindest läßt Big Blue verlauten, daß mit diesem Rechner die Lücke zwischen dem bisherigen PC XT und dem leistungsfähigeren, jedoch auch gleichzeitig teureren AT geschlossen werden soll. Somit bleibt zwar vom XT alles soweit beim alten: Nach außen hin wird dies durch die Beibehaltung des "XT" -Labels dokumentiert. Gravierende Änderungsmaßnahmen vollzogen die Techniker indes im "Herz" des Rechners. Was bisher als "Aorta des kleinen Mannes" galt, der 8088 als Prozessor nämlich, mußte jetzt dem 80286 weichen, der allerdings im Vergleich zum "echten" AT mit einem 6-Megahertz-Schlag ohne Wait-States auskommen muß.

Und um die Abgrenzung nach oben hin deutlich zu machen: Der neue XT ist mit einem Preis von 3995 Dollar um rund 25 Prozent billiger als der AT, aber eben auch um etwa 10 Prozent weniger leistungsfähig. Die Big-Blue-Offerte, die den mittlerweile krebsartig wuchernden Clones der AT-kompatiblen Konkurrenz Einhalt gebieten soll, faßt Robert M. Corr zusammen, der den Vorsitz der Electronic Data Systems Corp. in Bloomfield Hills führt: Es sprechen schon seit längerem Anzeichen für den 80286, der dem zukünftigen Mikro-Markt den Weg ebnen wird. Der 8088 ist aus unserer Sicht als "tote Architektur" zu bezeichnen.

Auch wenn sich der neue XT als eben derselbe wie bisher präsentiert, orientiert sich die Architektur andererseits doch wesentlich mehr an der des AT. Als Beispiel dafür mag das vom AT her bekannte 1,2-MB-Diskettenlaufwerk dienen, das jetzt auch beim XT 286 serienmäßig integriert wurde. Standardmäßig findet der Anwender bei dieser Maschine jedoch lediglich fünf Erweiterungs-Slots vor, die nach einer durchdachten und sparsamen Bestückung mit Zusatzkarten verlangen. Jetzt, da nicht nur die Anwender in den Vereinigten Staaten vom allmählichen Ableben der 8088-Rechner munkeln, brodelt es bereits in der Gerüchteküche, wie Mother Blue mit der noch verfügbaren 8088-Produktlinie in Zukunft verfahren wird.

Seitens des Marktführers ist die Strategie klar formuliert: Man werde auch trotz dieses Announcements weiterhin an diesen Rechnern festhalten - und von einer Einstellung dieser Rechnerklasse könne keine Rede sein. IBM-Sprecher Cary B. Ziter gegenüber der Computerworld: "Wir werden unabhängig von dieser Ankündigung weiterhin Rechner fertigen und vermarkten, die auf dem 8088-Prozessor basieren." Die Anwenderseite sieht in dieser Technik gleichwohl keine Zukunftschancen mehr. So meint Chuck Miller, Präsident der Gateway Microcomputer Managers Association, das "dem 80286 die Zukunft des Marktes gehört" und dem 8088 nur noch ein kurzes Leben beschert sein wird.

Parallel zur Ankündigung des neuen XT hat die IBM im übrigen ihr PC-AT-Modell 239 vom Markt genommen, ein AT-Rechner mit 30-MB-Festplatte, der mit 6 Megahertz tagtet. Die Standardmaschinen der AT-Klasse takten mittlerweile beinahe alle mit 8 Megahertz; diese Lücke soll jetzt mit dem XT gefüllt werden. Einen hypothetischen Termin für die Beendigung der 8088-Rechnerproduktion sieht George Colony, Präsident der Forrester Research Inc. in Cambridge, im ersten Quartal 1987. Dann, so vermutet Colony, könnte IBM endgültig die 8088-Rechner vom Fließband nehmen und versuchen, die Restbestände im Laufe des Jahres an den Mann zu bringen.

Um die Anwender gezielt in die 80286-Richtung zu bewegen, könnte zudem die Bemühung der Microsoft Corp. Früchte tragen, eine auf den AT-Prozessor zugeschnittene MS-DOS-Version anzubieten, die die volle Leistungsfähigkeit des 80286 auszuschöpfen vermag. Insider sprechen hier von Möglichkeiten wie beispielsweise der Adressierbarkeit von maximal 16 MB Hauptspeicherplatz. Obgleich ein Betriebssystem für solche Anforderungen noch nicht zu bekommen ist, rechnen einige User mit der baldigen Verfügbarkeit - und kaufen mit diesem Hintergedanken Systeme, die auf dem 80286 basieren.

Zu diesem Standpunkt äußerte sich auch Julian Horwich, Vorsitzender der Chicago Association for Microcomputer Professionals: "In diesem Marktsegment bewegen sich viele, die mit einer neuen DOS-Version die noch ungenutzten Möglichkeiten des Prozessors ausschöpfen wollen. Wir möchten den Weg der neuen Applikationen gehen, der den vollen Adreßraum des 80286-Speichers gänzlich nutzt. Dies hat letztlich auch wieder Auswirkungen auf einen günstigeren Preis." Gerade dieser Faktor ist manchen der US-Anwender noch ein Dorn im Auge, besitzt das neue Modell 286 neben dem - verhältnismäßig - hohen Preis noch einen weiteren Mangel: das recht langsame Festplattenlaufwerk.

Doch obwohl sich die User über den Preis mokieren, ist die Maschine immer noch günstiger als der AT aus gleichem Hause. Ein Analyst: "Man hat es endlich geschafft, die Mutterplatine des AT zu nehmen und auf die Größe herunterzuschrauben, die in den XT hineinpaßt. Mit diesem "Zwischending" ist für einige Anwender die AT-Leistungsfähigkeit etwas realisierbarer geworden, die immer gewünscht war." Im Gegensatz zu einigen Marktbeobachtern, die mit der Neuankündigung einschneidende Preisverschiebungen innerhalb der IBM-Mikrocomputer-Palette sehen, meint ein weiterer Asylant bei Forrester, daß dies ..kaum oder keine Auswirkungen" haben dürfte. Vielmehr wird angenommen, daß es deutliche Reduzierungen deshalb geben wird, weil der IBM-PC-AT-Markt durch die massiv vorgehende Konkurrenz auf Dauer in die Enge getrieben wird.